Streit: Pleite von Hapag-Lloyd möglich

Streit: Pleite von Hapag-Lloyd möglich

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Hapag-Lloyd: Banken halten sich wegen des Streits zurück

Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd ist in Existenznot und droht zwischen TUI und Milliardär Klaus-Michael Kühne zerrieben zu werden. Denn durch den Streit haben sich die Liquiditätsprobleme massiv verschärft.

Um 14.36 Uhr am vergangenen Mittwoch lud Klaus-Michael Kühne Journalisten per E-Mail zur Telefonkonferenz. Thema: Hapag-Lloyd, Deutschlands größte Reederei. 24 Minuten später zog der in die Schweiz emigrierte deutsche Logistikunternehmer vom Leder. Der Touristikkonzern TUI als größter Hapag-Lloyd-Einzelaktionär müsse „bereit sein, Opfer zu bringen“ und dafür sorgen, dass die Schifffahrtslinie nicht „von der Hand in den Mund“ lebe. Schuld an allem sei das Hapag-Lloyd-Management.

Was Kühne mit seinen neuen Angriffen bezwecken will, weiß niemand so recht. „Obwohl er die Fakten bei Übernahme seiner Beteiligung kannte, tut er jetzt so, als sei er von der TUI hinters Licht geführt worden“, wundert sich ein Brancheninsider aus Hamburg. Auch seine in der Telefonkonferenz geäußerten Spekulationen über mögliche Fusionen mit größeren Partnern erscheinen reichlich merkwürdig – schließlich hatte Kühne das Albert-Ballin-Konsortium mit der Stadt Hamburg, Banken und der Versicherung Signal Iduna maßgeblich initiiert, um genau das zu verhindern.

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„Möglicherweise sucht er nur nach einer Exit-Strategie, weil er Geld für seinen eigenen Laden braucht“, wird intern spekuliert. „Als Unternehmer ärgert der sich, dass er bei Hapag-Lloyd mehr oder weniger tatenlos zuschauen muss und keine Durchgriffsmöglichkeit hat“, glaubt dagegen ein externer Branchenkenner. 360 Millionen Euro Privatvermögen hatte Kühne im vergangenen Jahr in die „Hamburger Lösung“ investiert, um zusammen mit den Hamburger Partnern den Verkauf von Hapag-Lloyd nach Singapur zu verhindern.

Doch mit seiner Quertreiberei bewirkt er jetzt das Gegenteil: das mögliche Ende der Traditionsreederei.

Für Hapag-Lloyd geht es ums nackte Überleben

In der Hapag-Zentrale am Ballindamm an der Alster geht es inzwischen um das pure Überleben. Die schlimmste Krise der Schifffahrtsbranche trifft die Hamburger mit voller Breitseite. Sinkende Aufträge und hohe Kosten setzen die Containerlinie unter Druck. Ein Ende der Wirtschaftskrise ist nicht in Sicht. In den nächsten Jahren kommen mehrere Hundert neue Containerschiffe in Fahrt, die Kapazität erhöht sich bis 2011 jedes Jahr um zehn Prozent. Die weltgrößte Reederei Maersk rechnet bis 2013 mit Überkapazitäten auf allen sieben Weltmeeren.

Hapag-Lloyd ist darauf schlecht vorbereitet. Normalerweise horten Reedereien Gewinne aus Boomzeiten für schwache Phasen. „Die letzten sechs Jahre waren sehr gut“, sagt Peter Wörnlein, Schifffahrtsexperte der Hamburger Logistik-Fachzeitschrift DVZ. „Aber Hapag-Lloyd hatte keine Chancen, Rücklagen aufzubauen, weil die TUI die Gewinne kassiert hat.“ Heute fehlen der Reederei nicht nur Reserven, sie muss auch noch 1,3 Milliarden Euro Schulden abzahlen, die TUI der Hapag bei der Ausgliederung aufgeladen hat. Deshalb brauchen die Hamburger frisches Geld, um die Krise durchzustehen. Die Lage ist „sehr ernst“, sagt Analystin Martina Noß von der Nord/LB. Bei den zuletzt veröffentlichten Bilanzen lag „eine komfortabel anmutende Liquiditätsausstattung“ vor, doch die scheinen „mittelfristig nicht mehr ausreichend zu sein“.

Der Streit zwischen Kühne und TUI verschärft die Situation. So unklar Kühnes Motive, so fatal sind die Folgen seiner Verweigerungshaltung. „Der springende Punkt ist doch, ob Hapag-Lloyd die notwendigen Mittel auftreiben kann, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt ein Insider. Die in der Öffentlichkeit genannten 1,75 Milliarden Euro wurden von der Reederei zwar nicht offiziell bestätigt, nach Informationen aus dem Konzern entspricht die Höhe „aber einem Worst-Case-Szenario, gilt also nur für den Fall, dass die Krise noch das gesamte kommende Jahr andauert“. Aufbringen soll die Summe ein Bankenkonsortium unter Führung der staatlichen KfW-Bank, die Bundesregierung könnte den Kredit verbürgen. „Aber solange die Eigentümer sich wie die Kesselflicker streiten, wird da kaum etwas passieren“, sagt ein Insider.

Streit verschärft Liquiditätsprobleme

Was Kühne, dem die Mehrheit an der Spedition Kühne + Nagel gehört, mit seinem Gestänker anrichtet, haben die letzten Wochen gezeigt. In Interviews wetterte er Anfang Juli gegen das Hapag-Management und das angeblich unzureichende Sparprogramm, das bereits rund 360 Millionen Euro einbrachte. Die Äußerungen veranlassten zwei Banken zum Rückzieher, die gegen Sicherheiten am Hamburger Containerterminal Altenwerder einen dreistelligen Millionenbetrag zur Verfügung stellen wollten. Dadurch wurde die Liquiditätslücke „zu einem echten Liquiditätsproblem“, sagt ein Beteiligter.

Mehr noch: Weil die Bonität nicht mehr sicher schien, forderten Geschäftspartner Vorkasse, was die Situation weiter verschärfte. Erst als TUI und die Stadt Hamburg in die Bresche sprangen und für 25 Prozent an dem Terminal 315 Millionen Euro nachschossen, war die akute Krise entschärft. Cash gegen Vermögen: „Das wirkt wie eine Liquidierung der Reederei“, sagt ein Branchenexperte. Viel Zeit bleibt Hapag-Lloyd nicht mehr: Analysten rechnen bis Ende 2009 mit 700 Millionen Euro Verlust.

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