Streit um iPod: Elektronikhändler drohen Apple mit Boykott

Streit um iPod: Elektronikhändler drohen Apple mit Boykott

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Steve Jobs mit dem neuen iPod Nano

Der Apple-Chef bringt deutsche Importeure und Händler gegen sich auf und riskiert, dass viele Geschäfte seine Produkte aus den Regalen nehmen.

Kurz vor dem Weihnachtsquartal droht Apple-Chef Steve Jobs in Deutschland ein Eklat: Sein Musikspieler iPod könnte aus den Regalen vieler Geschäfte verschwinden. Grund ist ein Streit zwischen dem Computerhersteller aus Kalifornien und den Importeuren in Deutschland. Im Kern geht es darum, wer die Urheberrechtsabgaben zahlt, die beim Verkauf digitaler Speichermedien aller Art fällig werden – und zwar rückwirkend vom 1. Januar 2008 an. Der Handel befürchtet, dass etwa bei einem iPod nano oder dem größten iPhone mit je 16 Gigabyte Speicher bis zu 20 Euro Abgaben anfallen. Der gegenwärtig für 239 Euro angebotene iPod classic mit 120 Gigabyte Speicher könnte sich nach Branchenschätzungen sogar um mehr als 120 Euro verteuern.

Noch ist allerdings nicht klar, wie hoch genau die Abgabe ausfällt. Darüber streiten die Hersteller mit der Zentralstelle für private Überspielungsrechte, die die Urheberrechtsabgaben etwa für die Musikindustrie kassiert. Die Importeure fordern nun, dass Apple diese Abgaben übernimmt – unabhängig davon, wie hoch sie ausfallen. Nach vorsichtigen Schätzungen könnten das allein bei Apples Musikspielern jährlich Abgaben in zweistelliger Millionenhöhe sein.

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Im Gegensatz zu anderen Computerherstellern oder Produzenten von MP3-Spielern weigert sich Apple-Chef Steve Jobs jedoch, die geforderte Erklärung zur Kostenübernahme abzugeben. Entsprechende Verhandlungen zwischen Apple und den Importeuren scheiterten vor wenigen Tagen. Damit liegt das Kostenrisiko nun bei den deutschen Apple-Importeuren Ingram Micro und Tech Data, die jetzt hohe Rückstellungen bilden müssen. Beide haben daraufhin angekündigt, die Preise von Apple-Produkten zum 1. Oktober anzuheben. „Die Preiserhöhungen besonders bei den iPods sind dramatisch“, so ein Brancheninsider. Ingram-Micro-Geschäftsführer Robert Beck begründete den Aufschlag in einem Schreiben an seine Kunden mit der „erheblichen Verunsicherung über Art und Höhe der Urheberrechtsabgaben“. Er sehe sich gezwungen, „die Risiken in der Preiskalkulation zu berücksichtigen“.

Für die Einzelhändler ist das ein Problem: iPods, iMacs oder MacBooks werden im Einkauf zu teuer. „Zu den neuen Konditionen können wir die Geräte nicht mehr wirtschaftlich anbieten“, kommentiert der Chefeinkäufer eines großen Elektronikhändlers. Nach Informationen aus dem Handel könnten Geschäfte etwa gezwungen sein, Apple-Produkte teilweise oder ganz aus dem Programm zu nehmen. Solche Überlegungen gebe es sowohl bei großen Elektronikketten als auch bei Einkaufskooperationen, falls Apple nicht einlenke, berichten Elektronikhändler. Offiziell wollte sich keines der betroffenen Unternehmen dazu äußern.

Doch klar ist: Die Einzelhändler stecken in der Zwickmühle. Sie wollen die Geräte nicht teurer anbieten, als dies Apple im eigenen Internet-Shop tut. Zugleich aber können und dürfen sie die Ware nicht unter Einstandspreisen verkaufen. Apple-Chef Jobs hingegen ist mit seinem Online-Shop, dem Apple Store, aus dem Schneider. Der sitzt in Irland und somit außerhalb der Gültigkeit des deutschen Urheberrechts.

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