Streit um Mietnachlässe: Karstadt-Käufer Berggruen ruft nach Politiker-Hilfe

Streit um Mietnachlässe: Karstadt-Käufer Berggruen ruft nach Politiker-Hilfe

Bild vergrößern

Nicolas Berggruen (r) und Karstadt-Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg: Im Bieterrennen um Karstadt hat Insolvenzverwalter Görg den Zuschlag für den Investor Berggruen bestätigt

Die Verhandlungen über die Rettung der Warenhauskette Karstadt stocken. In den nächsten Tagen will Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen die deutsche Regierung um Hilfe bitten. Doch die ziert sich. Ein unterlegener Bieter macht Berggruen das Leben schwer.

Die Verhandlungen über die Rettung der Warenhauskette sind nach Berggruens Worten ins Stocken geraten. „Wir wollen, wenn es nicht weitergeht, in den nächsten Tagen die deutsche Regierung ansprechen, damit sie als Vermittler auf die Verantwortlichen einwirkt“, kündigte der deutsch-amerikanische Milliardär im „Handelsblatt“ an.

Berggruen verhandelt seit Wochen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet, dem ein Großteil der von Karstadt genutzten Immobilien gehören, über Mietnachlässe. Ohne eine Einigung droht dem Essener Traditionsunternehmen doch noch die Zerschlagung, da Berggruen niedrigere Mieten zur Bedingung für das Inkrafttreten des Kaufvertrages gemacht hat. „Wir haben schon vor zehn Tagen mit Highstreet einen Kompromiss gefunden. Seither aber stockt der Prozess“, klagte Berggruen im Interview. Das Pokerspiel müsse aufhören, denn das Geschäft leide darunter, verlangte er.

Anzeige

Der Milliardär appellierte an die Politik, ihren Einfluss geltend zu machen. Er verlange keine finanzielle Hilfe, betonte der Milliardär, aber: „Es muss jemand für Deutschland und Karstadt aufstehen. Dass kann am Ende des Tages nur die Politik sein.“ Auch sie müsse ein Interesse haben, Karstadt zu retten. Immerhin stünden 25.000 Arbeitplätze auf dem Spiel - und viele deutsche Innenstädte, meinte Berggruen.

Doch die Bundesregierung sieht sich nicht in einer Vermittlerrolle. „Das ist keine Sache des Staates“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums heute. Sie bestätigte ein Telefonat zwischen Berggruen und Minister Rainer Brüderle, betonte aber, Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet müssten die offenen Fragen klären. „Staatshilfe kommt nicht in Betracht“, fügte die Sprecherin hinzu.

Harter Verhandlungspoker überrascht nicht

Highstreet selbst lehnte jeden Kommentar zu den Äußerungen Berggruens ab. Im Umfeld des Konsortiums wurden die Vorwürfe allerdings zurückgewiesen. Die Vermieter hätten dem Investor bereits eine Reihe von Angeboten gemacht, doch Berggruen habe sie ausgeschlagen, hieß es. Jetzt versuche der Milliardär, den öffentlichen Druck auf die Vermieter zu erhöhen. Doch dies werde letztlich nichts bewirken. Highstreet bemühe sich, eine Lösung zu finden - aber nicht um jeden Preis.

Branchenkenner hatten bereits unmittelbar nach dem Vertragsabschluss zwischen Berggruen und dem Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg vorhergesagt, dass es zu einem erbitterten Verhandlungspoker zwischen Highstreet und dem Investor kommen werde. Immerhin geht es für beide Seiten um beträchtliche Millionenbeträge. Allerdings wird die Zeit langsam knapp. Denn das Amtsgericht Essen will am 16. Juli über den Insolvenzplan zur Rettung des Warenhauskonzerns entscheiden. Dieser Termin war schon einmal verschoben worden.

BamS: Kaufpreis nur ein Euro

Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zahlt Berggruen für den insolventen Warenhauskonzern selbst nur einen Euro. Allerdings würden für die Namensrechte an der „Kultmarke“ Karstadt zusätzlich fünf Millionen Euro fällig. „Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang“, verteidigte ein Berggruen-Sprecher der Zeitung zufolge die minimale Kaufsumme. „Viel wichtiger sind die weiteren Verpflichtungen, die der Käufer mit dem Vertrag eingeht, um das Unternehmen wieder fitzumachen und Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen.“ So erhalte Karstadt von Berggruen gemäß Kaufvertrag sofort eine Kapitalspritze von 65 Millionen Euro, schrieb die Zeitung.

Künftige Gewinne dürften nicht ausgeschüttet, sondern müssten reinvestiert werden. Der Kaufvertrag wird allerdings erst rechtskräftig, wenn Berggruen sich mit dem Vermieterkonsortium Highstreet über die Höhe der Mieten einigt. Gelingt dies nicht, droht dem Konzern doch noch die Zerschlagung. Der Konkurrent Metro hat für diesen Fall bereits sein Interesse angekündigt zahlreiche Karstadt-Standorte übernehmen und in seine Warenhauskette Kaufhof zu integrieren. Allerdings würde dies wohl den Verlust Tausender Arbeitsplätze zur Folge haben.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%