Strom: Gefährliche Preispolitik

Strom: Gefährliche Preispolitik

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Ein Starkstrommast

von Lothar Schnitzler

In den letzten zehn Jahren haben sich die Strompreise verdreifacht - Tendenz weiter steigend. Deutschlands Grundstoffindustrie ist besonders betroffen: Zink- und Kupferhütten, Gießereien und Chemiewerke - mit verheerenden Folgen.

Fast täglich verlässt ein eigentümlicher Transport das Werksgelände des Aluminiumschmelzers Trimet im Essener Norden. Auf der Ladefläche des Lasters sind drei, manchmal auch vier Tiegel montiert, jeder davon bis zu zehn Tonnen schwer. In der Nähe der runden Riesentöpfe ist es heiß, die Fahrer halten vorsichtig Abstand von ihrer Ladung: Jeder Tiegel enthält bis zu sechs Tonnen flüssiges, 850 Grad heißes Aluminium, die Außenwände haben eine Temperatur von 80 Grad.

Eines der häufigsten Ziele dieser Transporte ist der oberbergische Metallbauer Otto Fuchs, rund 100 Kilometer von Essen entfernt. „Wir sparen durch die Flüssigtransporte eine Menge Strom“, sagt Richard Hussmanns, der in der Geschäftsleitung der Meinerzhagener für Finanzen und Personal verantwortlich ist.

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Stromsparen ist in diesen Tagen das große Thema in der deutschen Wirtschaft – und ganz besonders in der Grundstoffindustrie wie der Aluminium- oder Zinkherstellung. Kein Wunder: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Preise für elektrischen Strom verdreifacht. Allein in den beiden Tagen nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima schnellten die Preise an der Leipziger Strombörse um zehn Prozent in die Höhe (siehe Grafik auf der nächsten Seite).

„Strom ist für uns ein lebenswichtiger Rohstoff“, sagt Martin Iffert, im Trimet-Vorstand für die Aluminiumproduktion zuständig. Der Ingenieur weiß, wovon er spricht. Der Essener Aluminiumhersteller verbraucht 4,5 Milliarden Kilowattstunden im Jahr – fast ein Prozent des Gesamtverbrauchs an elektrischer Energie in ganz Deutschland. Die Bezahlung der Stromrechnung kostet Trimet rund 250 Millionen Euro, alleine die darin enthaltenen Kosten für die eingepreisten CO2-Zertifikate betragen deutlich mehr als 50 Millionen. Jede Strompreiserhöhung könnte aus dem Überschuss des Unternehmens mit 870 Millionen Jahresumsatz ein Minus machen. „Wir können die uns abverlangten wettbewerbsverzerrend hohen Strompreise nicht weitergeben“, klagt Iffert, „wenn wir zu teuer werden in Deutschland, dann werden sich unsere Kunden andere Lieferanten außerhalb Europas suchen.“

Grundstoffbranche in Not

Iffert ist nicht allein mit seinen Stromsorgen: Zink- und Kupferhütten, Gießereien und Chemiewerke stehen ähnlich stark unter Druck. Rund ein Fünftel des gesamten deutschen Stromverbrauchs gehen auf das Konto der energieintensiven Industrien. Vor allem der Nichteisenindustrie mit ihren Kupfer-, Blei-, Zink- und Aluminiumhütten bläst der Wind schon seit Langem eiskalt ins Gesicht. Die Branche schrumpft seit Jahren: Seit 1983 hat sich die Zahl der Aluminiumschmelzer von neun auf vier verringert. Von den drei Zinkhütten, die es 2005 noch gab, arbeitet nur noch eine.

Die energieintensiven Industrien mit ihren rund 900.000 Beschäftigten sind auf günstigen Strom angewiesen, zumal sie kaum noch Spielraum zum Sparen haben: In der Aluminium-, Kupfer- oder Zinkproduktion wird das Metall im Elektrolyseverfahren aus Erzen oder Vorprodukten gelöst – Stromsparen ist aus technischen Gründen unmöglich.

Seitdem die Preise für elektrische Energie regelrecht explodieren, liegen die Nerven bei den Betroffenen blank. Zumal kein Ende absehbar ist: Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Metalle, schließt inzwischen eine Verdoppelung der Strompreise bis 2020 nicht aus. Hauptursachen für die Verteuerung sind die Kosten für den dringend notwendigen Netzausbau und die ständig steigenden Zuschläge für erneuerbare Energien sowie die CO2-Zulagen. Steuern mitgerechnet, besteht inzwischen fast die Hälfte des Strompreises aus staatlichen Abgaben.

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