Stromkonzern: E.On sucht nach seiner Strategie

KommentarStromkonzern: E.On sucht nach seiner Strategie

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Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Eon, Johannes Teyssen, steht am Mittwoch (10.11.2010) bei einer Pressekonferenz in der Eon-Zentrale in Düsseldorf. Der größte deutsche Strom- und Gaskonzern Eon steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Rund sechs Monate nach seinem Amtsantritt stellt Teyssen bei der Vorlage der Quartalszahlen die neue Strategie des Unternehmens vor.

von Andreas Wildhagen

Der seit einem halben Jahr amtierende Vorstandschef Johannes Teyssen weiß nur eines: Alles muss anders werden, nur was? Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Reporter Andreas Wildhagen.

Vollmundig kündigte der Konzernchef eine neue Strategie für das Unternehmen an. Viel redete der Top-Manager über neue Weichenstellungen und Richtungsschwenks gesprochen, aber wohin der E.On-Vorstandschef Johannes Teyssen, 51, genau steuert, hat er bisher nicht gesagt.

Alles klang gut, was er zu sagen hatte und ein bisschen auch nach Grundsätzlichem, aber wie E.On sich verändern will, ist bisher noch unbekannt.

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Die E.On-Welt ist durcheinandergeraten.

Eine konsequente Internationalisierungsstrategie sieht anders aus

Da ist der Unternehmenskomplex Ruhrgas, den hat sich E.On vor zehn Jahren mit viel Getöse einverleibt, eine Ministererlaubnis war dafür nötig.

Die Essener Gashändler, denen die russischen Gasfelder zur zweiten Heimat geworden waren, sorgen regelmäßig für Milliardengewinne. Jetzt sieht ihre Prognose nicht so gut aus: Teyssen rechnet in den nächsten Jahren mit Gewinnschwächen, Ruhrgas ist keine Milchkuh mehr, sondern eher ein ziemlich zerzaustes Huhn, das zur Zeit keine Eier legt.

E.On will internationaler werden, auf anderen Kontinenten wachsen, es sollen Independent Power Stations gebaut werden, Kraftwerke, die autonom von ausgefeilter Infrastruktur sind.

Mit diesem Geschäftsmodell hat die Evonik-Tochter Steag gerade nicht sehr viel Erfolg. Die IPP auf den Philippinen, in Kolumbien und in der Türkei sollen verkauft werden, es gibt keine Käufer.

E.On will sich jeden Winkel der Welt erobern, verkaufte aber gerade im Wesentlichen sein US-Geschäft. Das passt nicht zusammen. Auch von seinen Türkei-Aktivitäten hat sich E.On getrennt, verkaufte es an RWE. Eine konsequente Internationalisierungsstrategie sieht anders aus.

Wachsen will Teyssen in Russland, der Großkraftwerksbetreiber OGK-4 in Sibirien aber rechnet sich noch nicht, er war eine ehrgeizige Akquisition von Teyssen-Vorgänger Wulf Bernotat, der mit Fusionsversuchen mit der spanischen Endesa scheiterte.

Die Restbestände, die der Übernehmer Enel nicht haben wollte und die E.On für zehn Milliarden Euro dann bekommen durfte, machen Teyssen aber nicht glücklich. Auf die Endesa-Töchter in Italien und Frankreich musste er hohe Wertberichtigungen vornehmen.

Und in der Heimat?

Die Laufzeitverlängerungen der Kernkraftwerke kann Teyssen als vollen Erfolg verbuchen.

Ansosnten gibt es trübe Aussichten: Ob er das geplante Kohlekraftwerk Staudinger bei Frankfurt storniert, weil es dort in der Bevölkerung Widerstände gibt, weiß er zur Zeit noch nicht. Das Genehmigungsverfahren ist noch nicht durch.

Und diekt vor der Tür der Düsseldorfer Konzernzentrale befindet sich das fast fertige Kohlekraftwerk Datteln, das Teyssen zur Zeit nicht zuende bauen darf. Auch gibt es noch einen verwaltungsrechlichen Marathon, der noch lange nicht entschieden ist. Die SPD-geführte Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen ist jedenfalls dagegen.

Teyssen will sich zu konkreten Veränderungen nicht äußern. "Wir gackern erst, wenn wir das Ei gelegt haben". Von Eiern jedoch keine Spur.

Einen gigantischen Überprüfungsprozess hat der Chef jetzt angestoßen.

Teyssen will alle E.On-Beteiligungen auf ihren Wertbeitrag überprüfen. Nichts soll so bleiben wie es ist. Außer für die Konzernzentrale in Düsseldorf, 1000 Mitarbeiter werden da beschäftigt. Hier wird Kontinuität gewahrt. Die Zentrale von E.On soll in Düsseldorf bleiben.

Die Zentrale bleibt also. Was die Zentrale künftig steuert - und wo, das ist offen.

Viele E.On-Manager, die bisher an die Unerschütterlichkeit der Energiemärkte glaubten, haben ein mulmiges Gefühl.

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