Stromkonzerne : Will sich US-Milliardär Warren Buffett bei RWE einkaufen?

Stromkonzerne : Will sich US-Milliardär Warren Buffett bei RWE einkaufen?

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Der US-amerikanische Finanzinvestor Warren Buffett spricht am Montag, 19. Mai 2008, in einem Hotel am Frankfurter Flughafen zu Vertretern der Medien.

Der zweitgrößte deutsche Energieversorger RWE wird mal wieder zum Spielball von Spekulationen. Börsenhändler schreiben heute den Kursgewinn von 2,3 Prozent einem Gerücht zu, der US-Milliardär Warren Buffett, der sich zur Zeit durch Europa reist, wolle sich mit Permira und Blackstone beim Essener Stromkonzern einkaufen.

Kein Dax-Konzern ist in den vergangenen Monaten so durch die Spekulationsgosse geschleift worden wie der Essener Energieriese RWE.

Nun ist der US-Milliardär und Unternehmenshändler Warren Buffett in Deutschland und hat angekündigt, sich in deutsche Firmen einkaufen zu wollen - schon blubbert wieder ein RWE-Gerücht an die Oberfläche. Es gab immer wieder Mutmaßungen, RWE sei ein Ziel von hungrigen Firmenjägern. Aber bisher waren es vor allem die strategischen Investoren der Energiebranche, denen Interesse an RWE nachgesagt wurde – Finanzinvestoren waren bisher nicht dabei und ein so prominenter Kapitalist wie Buffet schon gar nicht.

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Schwer vorstellbar, dass Permira und Blackstone selbst mit einem so finanziell potenten Investor wie Buffett das Unternehmen RWE schlucken könnten. Dies vielleicht nur, so kommentiert es heute ein Brancheninsider, wenn die Finanzinvestoren nur die Speerspitze von RWE-Konkurrenzunternehmen sind, die ihre Hand zu den Essener Strom-und Gasversorgern ausstrecken wollen.

In Kreisen von Permira wird bereits abgewinkt: „Die Spekulation entbehrt jeglicher Grundlage“, heißt es. Das Umfeld von Blackstone wird mit dem Hinweis zitiert, man habe sich RWE angeschaut. Mit einem Börsenwert von fast 43 Milliarden Euro ist RWE schlicht zu groß, um mal eben übernommen zu werden. Zumal in den vergangenen Wochen der internationalen Kreditkrise auch den einst so gefürchteten Finanzhaien die Puste ausgegangen ist. „Aus Heuschrecken werden lahme Enten“, sagt ein Branchenkenner.

 Warren Buffett könnte als Einsammler von Kapital schon eher in Frage kommen. Der reichste Mann der Welt – sein Vermögen wird auf 63 Milliarden Dollar geschätzt – pflegt beste Beziehungen auch nach Russland und Frankreich. Dort lauern die internationalen RWE-Rivalen Gazprom und EdF, die schon früher einmal Interesse an RWE signalisiert haben.

Doch die auch RWE ist eine Festung, die schwer zu nehmen ist. Mindestens 15 Prozent des Aktienkapitals halten nordrhein-westfälische Kommunen in einer eigenen Holding. Wieviel Prozent die Kommunen genau an RWE halten, ist unbekannt. Im Unternehmen schätzt man den Anteil auf 25 Prozent. Die jedoch stellen sich schützend vor jeden Fremdeinfluss von außen. Warren Buffett würde hier auf Granit beißen.

"RWE ist latent ein heißer Übernahmekandidat"

Akut erwarten Analysten keinen Angriffsplan auf RWE. Mittelfristig will für die Prognose keiner von ihnen die Hand ins Feuer legen. „RWE ist latent ein heißer Übernahmekandidat“, heißt es immer wieder in Händlerkreisen.

Kommunen wie zuletzt die Stadt Düsseldorf könnten sich mit dem Verkauf ihres RWE-Aktienpakets über Nacht schuldenfrei machen und gesparten Zinskosten in Millionenhöhe für Kindergärten und Fußballstadien ausgeben. Eine verlockende Aussicht für die Kommunalaktionäre, eine Bedrohung für das RWE-Management.

Warren Buffett hat es auf dem Frankfurter Flughafen vor Journalisten gesagt. „Ich suche Firmen, die ein Idiot führen kann“. Da wäre er bei RWE mit Sicherheit falsch. Erstens, weil das Energiegeschäft in Europa mittlerweile hochkompliziert und politisch verzwickt ist, zweitens weil an der Spitze von RWE ein Mann sitzt, der mit diesem Satz sicher nicht zu einem Buffett-Freund werden wird.

Der Stahlunternehmer Jürgen Großmann hat bisher fünf Millionen Euro aus seinem Privatvermögen in RWE-Aktien investiert, um ein Signal an die Kapitalmärkte zu geben: Ich glaube an RWE und an mich.

In dem Spiel wäre ein Warren Buffett absolut überflüssig.

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