Strompreise: Aluminiumhersteller fordert Bonus für energieintensive Unternehmen

Strompreise: Aluminiumhersteller fordert Bonus für energieintensive Unternehmen

von Reinhold Böhmer und Silke Wettach

Der Essener Aluminium-Riese Trimet verlangt von den Kraftwerksbetreibern einen finanziellen Bonus für energieintensive Unternehmen. Mit der Forderung steht er nicht allein.

Es ist eine konzertierte Aktion. Vor wenigen Tagen trugen erst Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IG BCE, und sein Wirtschaftsexperte Franz-Gerhard Hönschemeyer die Idee Bundeskanzlerin Angela Merkel vor. Zu Beginn der neuen Woche präsentiert Heinz-Peter Schlüter, Eigentümer des Essener Aluminium-Riesen Trimet, den Plan öffentlich. Er soll verhindern, dass energieintensive Unternehmen ins Ausland gehen, wenn der Strompreis in Deutschland aufgrund des Atomausstiegs steigt. Schlüter fordert, die großen Energieversorger sollten den energieintensiven Firmen eine Art Bonus gewähren. Er solle ein finanzieller Ausgleich für deren Entgegenkommen sein, Stromschwankungen aufzufangen. Zwar machten Energiefresser wie Trimet das jetzt schon, um die Auslastung der trägen Kraftwerke im Grundlastbereich zu stabilisieren. Allerdings würden sie für diese Leistung bisher nicht honoriert.

Vorbilder sind die Niederlande, Spanien und Italien. Dort erlassen die Kraftwerksbetreiber energieintensiven Unternehmen zwischen 10 und 35 Euro pro Megawattstunde beim Strompreis, wenn diese auf die gewünschte Weise bei der Grundstromversorgung kooperieren. Für Unternehmen wie Trimet, die an der Strombörse gegenwärtig rund 60 Euro pro Megawattstunde bezahlen, brächte ein Abschlag zum Beispiel zwischen 10 und 20 Euro eine spürbare Kostenreduzierung.

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Mit ihrem Vorstoß stehen Schlüter und die IG BCE nicht allein. „Wir fordern eine Differenzierung des Strommarktes und wünschen uns einen Grundlaststrompreis für die Industrie“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Metalle, Martin Kneer.

Schon jetzt zahlt die energieintensive Industrie in Deutschland deutlich mehr für Strom als Wettbewerber im Ausland. In der Aluminiumerzeugung schlägt die Megawattstunde hierzulande mit rund 60 Euro zu Buche, in Frankreich mit 35 Euro, in Kanada mit 11 Euro. Eine Besserstellung wie in Frankreich, wo es einen Industriestrompreis gibt, scheidet allerdings eher aus. Dort untersucht die EU-Kommission gerade die Strompreisregulierung. Seit April läuft gegen Italien, Polen und Rumänien ein Vertragsverletzungsverfahren wegen der Preisregulierung am Strommarkt.

Der CDU-Wirtschaftsrat fordert, „schnellstmöglich die Stromnetze und Speicherkapazitäten auszubauen sowie den Weg für neue Gas- und Kohlekraftwerke freizumachen“. Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Rats: „Die 16 unterschiedlichen Planungs- und Genehmigungsverfahren der Bundesländer müssen dringend vereinheitlich werden.“

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