Stromtrassen: Viel zu wenig Stromleitungen

Stromtrassen: Viel zu wenig Stromleitungen

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Grafik: Stromleitungen.

von Andreas Wildhagen

Von den erforderlichen neuen 4500 Kilometer langen Stromtrassen ist noch keine einzige fest geplant, kein einziger Euro bewilligt. Jetzt macht auch die EU Druck.

Der größte Hemmschuh bei der Sicherheit der Stromversorgung ist Deutschlands überaltertes Stromnetz. Zum Teil stammen die Masten noch aus der Vorkriegszeit und knicken unter viel Schnee zusammen wie vor sechs Jahren im Münsterland. Zudem wären die Überlandleitungen und Koppelstellen nicht wie vorgesehen in einigen Jahren in der Lage, Windstrom aus Norddeutschland massenhaft in den Süden der Republik zu leiten.

Obwohl das Problem bekannt ist, stand den ganzen Sommer über die Planung still. Einen ersten zaghaften Schritt zur Lösung unternahmen im September die vier Netzbetreiber Tennet, 50hertz Transmission, Amprion sowie die Tochter des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW. Sie stellten eine gemeinsamen Studie für drei neue Leitungen vor: Die längste soll von der Nordsee bis nach Bayern führen, die zweite von Magdeburg nach Göttingen und die dritte vom Ruhrgebiet nach Baden-Württemberg. Kostenpunkt: über vier Milliarden Euro.

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Trassenbau lässt auf sich warten

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Doch endgültig beschlossen und vereinbart ist nichts, kein Antrag zur Genehmigung ist gestellt, kein einziger Euro bewilligt. Wann es so weit ist, gar wann der erste Spatenstich nach Abwehr des letzten Einspruchs erfolgt, ist völlig offen.

Ein Mammutprojekt lässt und lässt auf sich warten: Insgesamt 4500 Kilometer Trassen müssen neu gebaut werden, um bis 2020 die geplanten 39 Prozent Ökostrom zu verteilen. Die drei skizzierten Stromautobahnen decken davon gerade 1800 Kilometer ab. Insgesamt stehen Investitionen von zehn Milliarden Euro an, ausgegeben wurde noch kein Cent.

Deshalb macht nun auch die EU Druck. Denn mit dem Atomausstieg beansprucht Deutschland künftig wegen wachsender Stromimporte vermutlich auch die Netze seiner Nachbarn mehr. Energiekommissar Günther Oettinger will deshalb die Planung und Genehmigung von Leitungen auf drei Jahre beschränken, so sieht es ein Gesetzentwurf vor. Oettinger will, dass es Bürger und Energiekonzerne künftig nur noch mit einer Genehmigungsbehörde zu tun haben und nicht je nach Bundesland mit drei oder vier. Er schätzt, dass in den nächsten zehn Jahren EU-weit 200 Milliarden Euro in die Energie-Infrastruktur gepumpt werden müssen.

Gefahren für die Energiewende?

Die Netzbetreiber zögern vor diesem Hintergrund, weil die EU mit über neun Milliarden Euro den Ausbau der Energieinfrastruktur subventionieren will. Wer den Antrag vorher stellt, riskiert, leer auszugehen. Da lohnt es sich, abzuwarten und sich nicht erst den bohrenden Fragen der diversen Genehmigungsbehörden auszusetzen.

Die Haltung birgt jedoch Gefahren für die Energiewende. Denn Umweltverbände und Bürger protestieren häufig gegen neue Überlandleitungen. Das verzögert den Leitungsbau nicht nur, sondern macht ihn im Zweifelsfall auch teurer und risikoreicher. Denn die Flucht unter die Erde ist wenig erprobt und gut sieben Mal teurer. Überdies erfordert der Übergang von der Frei- zur Erdleitung turnhallengroße Gebäude für die dazu nötige Technik. Solche technischen Einrichtungen würden dann überall im Land gebaut werden und nicht gerade die Gunst von Landschaftsschützern erringen. In Norddeutschland stockt ein Leitungsbau, weil den örtlichen Behörden die Verlegung unter die Erde nicht weit genug geht. Drei Kilometer hat der Leitungsbetreiber Tennet dafür eingeplant, 28 Kilometer fordert die Genehmigungsbehörde. Das Projekt stockt wie andere Energiebauvorhaben in Deutschland auch.

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