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Suchmaschinenpakt: Ein schwarzer Tag für Yahoo

von Matthias Hohensee (Silicon Valley)

Yahoo schließt sich im Suchmaschinengeschäft mit Microsoft zusammen und will Google so Paroli bieten. Doch damit wiederholt der Internetpionier einen verhängnisvollen Fehler – meint Silicon Valley Korrespondent Matthias Hohensee.

Der Eingang zur Yahoo-Zentrale Quelle: AP
Der Eingang zur Yahoo-Zentrale im kalifornischen Sunnyvale. Software-Gigant Microsoft hat nun doch wieder Interesse an einer Übernahme Quelle: AP

Knapp ein halbes Jahr nach Amtsantritt hat die forsche Yahoo-Chefin Carol Bartz das erreicht, was alle von ihr erwartet haben – einen Pakt mit Microsoft. Die gute Nachricht: Yahoo bleibt eigenständig und weiterhin eine wichtige Größe im Internetgeschäft. Ursprünglich wollte der Softwarekonzern die Internet-Ikone aus dem Silicon Valley vollständig schlucken. Beide Unternehmen kombinieren ihren Markanteil aus dem Suchmaschinengeschäft.

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Damit erhält Google endlich einen Wettbewerber, den der Suchgigant selber dringend braucht, um seinen Biss nicht zu verlieren. Allerdings hat das Microhoo-Team in den USA nur knapp zwanzig Prozent Marktanteil, in Deutschland sogar nur klägliche sieben Prozent. Aber es ist ein Anfang.

Yahoo wiederholt einen strategischen Fehler

Die schlechte Nachricht: Yahoo verliert im Suchgeschäft seine technologische Unabhängigkeit. Die Suchmaschine wird von Microsoft beigesteuert. Vor ziemlich genau zehn Jahren hatte Yahoo schon mal so eine verhängnisvolle Entscheidung getroffen. Damals entschied das Management, dass Suchmaschinen nicht mehr wichtig seien und konzentrierte sich lieber auf das Anreichern seiner Startseite mit Medienangeboten. Der Zuschlag für die ausgelagerte Suchmaschine ging damals an ein nahezu unbekanntes Startup namens Google.

Damit begann der Aufstieg von Google und der Niedergang von Yahoo. Von diesem strategischen Fehler hat sich Yahoo nie wieder erholt. Google konnte dank der damaligen Popularität von Yahoo die technische Brillianz und Effektivität seiner Suchmaschine der ganzen Welt beweisen. Als Yahoo im Februar 2004 wieder auf eine eigene Suchmaschine umschaltete, waren fast alle Nutzer zu Google abgewandert. Die Suchmaschine von Yahoo war gar nicht schlecht, lange Zeit besser als die von Microsoft. Nur hat das aufgrund der Dominanz von Google nie jemand richtig mitbekommen.

Erfolg für Microsoft

Jetzt streckt Yahoo wieder die Waffen bei der Suchtechnologie. Das Unternehmen hat aus seinen Fehler nicht gelernt. Für Microsoft-Chef Steve Ballmer ist es ein Erfolg auf voller Linie. Ein Kauf von Yahoo hätte Sperrfeuer vom US-Justizministerium gegeben, das kürzlich eine härte Gangart bei Firmenzusammenschlüssen im Hightech-Bereich ankündigte.

Da künftig noch mehr Daten ins Internet wandern werden - Stichwort Cloud Computing – wird die Suche auch in Zukunft noch viel wichtiger und Microsoft kann seine technologische Kompetenz ausbauen. Dank Yahoo bekommt Bing endlich einen für Werbetreibende einigermaßen akzeptablen Marktanteil. Der Suchpakt ist ein guter Deal – für Microsoft. Für Yahoo ist er eine Kapitulation.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.07.2009, 13:00 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    @Klartexter: "Die Funktionalität der alten Yahoo-Suchmaschine war jedenfalls fast allen anderen überlegen."

    "Fast", genau. Weder Altavista, noch Yahoo Search können den genialen Ansatz Google's Page Ranking Algorithmus schlagen. Keine wissensbasierten, stochastischen, etc. Ansätze waren dem enorm wirksamen Ansatz von Google gewachsen. Auch ohne Yahoo hätte Google es geschafft.

    Zweite Säule: Pay per Click statt Pay per View. Wer schon mal versucht hat, im internet Werbung zu schalten, der weiss, wie massiv man mit Pay per View abgezockt wird. Das PPV-Prinzip ist ungerecht, unwirksam, und einfach dumm. Dagegen erscheint einem Werbetreibenden um Größenordnungen fairer, gerechter und wirksamer. Auch hier hatte Google unendlich viel Vorsprung vor anderen Mitbewerbern. Meine Erfahrungen mit Yahoo-Werbung, die ich vor Jahren gemacht habe, möchte ich hier gar nicht darstellen (wäre eine Hassattacke geworden).

    Fazit: Yahoo musste sterben, mit oder ohne Suchmaschine.

  • 30.07.2009, 05:42 UhrAnonymer Benutzer: Respekt

    Wenn die Wiwo nur mehr solche guten Journalisten hätte wie Herrn Hohensee. Einmal mehr ziehe ich meinen Hut vor ihrem Artikel.

  • 29.07.2009, 22:35 UhrAnonymer Benutzer: Caligula

    Nun, Google ist nun mal der derzeitige Marktführer. Dass die konkurrierenden Unternehmen dies nicht "einfach so" mit anschauen, ist ja logisch. Aber anscheinend reicht das aktuelle Marketingkonzept nicht aus oder ist nicht "gut" genug, um ausreichend Marktanteile zu erreichen. Nicht umsonst steht "Googlen" im Duden!
    Welche Möglichkeiten hat man nun, um Google Paroli zu bieten? Anscheinend nicht sehr viele. Von Microsoft sich aufkaufen zu lassen und dadurch die Eigenständigkeit zu verlieren scheidet bekanntlich aus. Also versuchen es Yahoo & Microsoft quasi gemeinsam. Es scheint mir jedenfalls eine Entscheidung des "geringeren Übels" zu sein. Yahoo behalten ihre Eigenständigkeit, auch wenn Microsofts "bing" nun zum Einsatz kommt. Und die Redmonder sind ein nicht zu unterschätzender Partner. Ob es die klügste Entsscheidung gewesen ist, kan ich persönlich nicht beurteilen, aber es könnte ein Weg in die richtige Richtung bezüglich ernsthafter Konkurrenz zu Google sein. Ob es gelingt, das wird die Zeit und das entsprechende Nutzerverhalten zeigen...

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