Sybase-Übernahme: SAP auf den Spuren des Erzrivalen Oracle

Sybase-Übernahme: SAP auf den Spuren des Erzrivalen Oracle

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SAP will durch Zukäufe expandieren

von Michael Kroker

Experten und Insider erwarten, dass SAP es nicht mit dem Kauf des US-Softwarekonzerns Sybase bewenden lässt: Welche Übernahmeziele für den Walldorfer Software-Konzern noch interessant sein könnten.

Dass SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner Journalisten nicht sonderlich mag, ist bekannt. Da wundert es nicht, dass Plattner sich nun von jemandem interviewen lässt, der ihn laut Ankündigung „am besten kennt“: von sich selbst. „Hasso über Hasso“ heißt die kleine Video-Montage, die seit einigen Tagen im Internet kursiert. Plattner, ordentlich frisiert, in Anzug und Krawatte, befragt Plattner, den Tech-Freak, mit längerem Haar, schwarzem Rollkragenpullover und brauner Strickjacke.

Kenner hätten einen solchen Auftritt eher Plattners Erzrivalen Larry Ellison, dem Chef des amerikanischen SAP-Konkurrenten Oracle, zugetraut. Doch, Zufall oder Fügung: Dass die 66-jährige deutsche Software-Ikone plötzlich Gedanken an seinen US-Gegenspieler wach ruft, wirkt wie ein Zeichen zu passender Zeit.

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Der deutsche Vorzeige-Software-Riese aus dem badischen Walldorf hat mit der Ankündigung am späten Mittwochabend, den US-Softwarekonzern Sybase für rund 5,8 Milliarden Dollar schlucken zu wollen, für einen Paukenschlag gesorgt. Und glaubt man Stimmen aus Walldorf, soll dies nicht nur ein einmaliger Trommelwirbel gewesen sein: „Dem dürften in den kommenden 18 Monaten noch weitere Übernahmen folgen“, sagt ein gut informierter SAP-Insider aus dem Umfeld des Aufsichtsrates. „Das betrifft Zukunftsfelder wie Cloud und Mobile Computing sowie Social Media, aber auch die eine oder andere Großübernahme.“ Mehr noch: Angeblich soll in Walldorf sogar bereits eine Liste existieren, auf dem potenzielle weitere Ziele notiert sind.

Komplette Kehrtwende

Mit anderen Worten: SAP steht vor einer kompletten Kehrtwende und kopiert die Strategie des ärgsten Widersachers Oracle, der bereits seit Jahren wächst, indem er wie wild andere IT-Firmen übernimmt. „Wir haben immer gesagt, dass Übernahmen in unser Portfolio passen müssen; einfach nur Markt zuzukaufen oder wie Oracle ins Hardware-Segment einzusteigen war und ist nicht unser Ziel“, so die offizielle SAP-Stellungnahme zu weitergehenden Kaufplänen.

Bis zur Ankündigung des Sybase-Deals war Deutschlands einzige Softwareschmiede von Weltrang vor allem durch eigenes zusätzliches Geschäft gewachsen. Nur einmal machten die Walldorfer mit einer wirklich großen Akquisition von sich reden – dem Kauf des französischen Datenanalyse-Softwareherstellers Business Objects im Oktober 2007 für 6,8 Milliarden Dollar. Den Deal hatte der damalige weltweite Vertriebschef Léo Apotheker eingefädelt, der später zum Vorstandsvorsitzenden aufstieg.

Danach erlahmte der Übernahmeeifer schnell wieder. Zwar soll Apotheker, nachdem er im April 2008 zum Co-Chef und im Mai 2009 zum alleinigen SAP-Herrscher aufgerückt war, mehrfach mit potenziellen Kaufkandidaten verhandelt haben. Letztlich hat einen solchen Schritt aber stets der eigentliche starke Mann bei SAP verhindert – Chefaufseher Plattner.

Erzrivale Oracle segelt vor SAP her

Mit dieser Enthaltsamkeit ist es nun vorbei. Auslöser für den Kurswechsel ist ganz offenkundig der Rauswurf Apothekers, den Plattner an einem Wochenende Anfang Februar im SAP-Aufsichtsrat durchsetzte. Allerdings gab sich die neue Doppelspitze um den 48-jährigen Amerikaner Bill McDermott und den 44-jährigen Jim Hagemann Snabe zunächst bedeckt und deutete bei ihren wenigen öffentlichen Auftritten keinen grundsätzlichen Kurswechsel an.

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