Szenariotechnik: Masterplan für unsichere Zeiten

Szenariotechnik: Masterplan für unsichere Zeiten

Bild vergrößern

Dank Szenariotechnik können Chancen frühzeitig erkannt werden.

Das dicke Ende der Krise kommt noch, glauben viele Manager und warten ab – mit Szenariotechnik könnten sie sich aktiv auf die Zukunft vorbereiten und auch für unsichere Zeiten planen.

Mit der Krise ist Bernd Drouvens Job komplizierter geworden. Der Vorstandschef des Hamburger Kupferherstellers Aurubis – ehemals Norddeutsche Affinerie – muss dafür sorgen, dass ihm in Europa nirgendwo der Ofen ausgeht und zugleich weltweit neue Öfen kaufen. Drouven weiß: Aus der Konsolidierungswelle in der Kupferindustrie gehen die Hamburger nur gestärkt hervor, wenn sie weltweit wachsen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Aurubis-Tochter Prymetall in Stolberg – ein Kupferverarbeiter – jüngst Kurzarbeit anmelden musste, weil Aufträge aus der Automobilindustrie wegbrachen. Also lautet Drouvens Motto: „Wir sind finanziell gut aufgestellt. Andere Unternehmen, die weniger wirtschaftlich stabil sind als wir, werden im Verlauf der Krise über einen Verkauf nachdenken müssen. Das sind Chancen, die wir sorgfältig beobachten.“ Aus Europas größtem Kupferhersteller will der 54-Jährige eine der weltweit führenden Kupferhütten machen und auf den künftigen Wachstumsmärkten in Asien, Südamerika, Süd- und Osteuropa mitmischen.

Anzeige

Ein Spagat, der nicht einfacher wird, wenn täglich neue Krisenmeldungen eintrudeln, sich der Kupferpreis innerhalb eines Jahres mehr als halbiert und in immer mehr Industriezweigen die Aufträge einbrechen. „Um da die Übersicht zu behalten und sich auf die für das Unternehmen wirklich wichtigen Veränderungen zu konzentrieren, haben wir verschiedene denkbare Zukunftsszenarien entwickelt, mit denen wir jetzt regelmäßig unseren Handlungsspielraum neu ausloten können“, sagt Drouven.

„Szenarien zu entwickeln, um das laufende Geschäft abzusichern und sich den Kopf für Strategien freizuhalten, verschafft Unternehmen in Krisenzeiten größere Planungssicherheit und hilft ihnen, sich auf böse Überraschungen vorzubereiten“, sagt Manfred Hader, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger. Die Strategieberatung hat ein vierstufiges Planungsverfahren entwickelt, mit dem Top-Manager anhand von Extremszenarien die Risiken in ihrer Finanzplanung lokalisieren und sich auf schlimmst- wie bestmögliche Entwicklungen vorbereiten können.

Gespür für Signale entwickeln

Der Dreh- und Angelpunkt des Verfahrens besteht darin, aus den Hunderten von geschäftsrelevanten Faktoren die wichtigsten Treiber auszuwählen und sich auf diese zu konzentrieren. „Auch mit der Szenariotechnik lässt sich die Zukunft nicht voraussehen“, sagt Martin Eisenhut, Industriegüter-Experte bei Roland Berger. Aber sich mit Extremszenarien und den möglichen Spielarten dazwischen zu beschäftigen, helfe dabei, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Zudem könnten Manager damit ein besseres Gespür für Signale entwickeln, die anzeigen, in welche Richtung die Realität tatsächlich geht. Eisenhut: „Außerdem lassen sich stets Maßnahmen identifizieren, die auf jeden Fall sinnvoll sind und sofort angepackt werden sollten. Statt blind im Nebel zu stochern, können Unternehmen so gezielt ihre Zukunft aktiv in die richtigen Bahnen lenken.“

Kupfer-Manager Drouven identifizierte darum gemeinsam mit den Führungskräften seiner Kupferhütten in Deutschland, Belgien, Bulgarien, Italien und der Schweiz, sowie seinen Vorstandskollegen und Finanzplanern die wichtigsten Treiber für Kupferherstellung, -recycling und -verarbeitung an den Aurubis-Standorten in Europa. Wie lasten wir unsere verschiedenen Hütten bei möglichen Auftragsrückgängen oder plötzlichen Auftragsschüben am effizientesten aus? Ab wann lohnt es sich, Aufträge zu kostengünstigeren Aurubis-Hütten zu verlagern? Fressen die Logistikkosten dann die Kostenvorteile in der Produktion auf?

Fragen, die Drouven und sein Führungsteam für die kommenden schweren Monate im Vorfeld abgeklärt haben. Werden irgendwann demnächst konkrete Schwellenwerte erreicht – zum Beispiel bei den Logistikkosten, bei der Verfügbarkeit von Rohstoffen wie Altkupfer oder bei den Preisen der eigenen Produkte –, kann der Vorstand den dazu passenden Maßnahmenkatalog aus der Schublade ziehen und sofort handeln.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%