Tablet-PC: Microsoft bläst zur Aufholjagd

Tablet-PC: Microsoft bläst zur Aufholjagd

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Microsoft-Chef Steve Ballmer

von Michael Kroker

Microsoft-Chef Steve Ballmer gesteht massiven Nachholbedarf bei Tablets und Smartphones ein. Die Aufholjagd gegen die weit vorausgeeilte Konkurrenz von Apple und Google soll noch in diesem Jahr beginnen.

Die weltweite Partnerkonferenz von Microsoft ist eine Großveranstaltung – doch mit US-typischem Understatement, was den Dresscode betrifft: „Business casual“ ist angesagt, was bedeutet: Anzüge und Krawatten können im Schrank bleiben. Daran hält sich auch Microsoft-Boss Steve Ballmer während seiner Keynote zur Konferenz-Eröffnung. Leger im violett-blau gestreiften Polohemd und einer dunkelblauen Hose tritt er vor die rund 3000 Zuhörer im Auditorium des Verizon Centers in  der US-Hauptstadt Washington. Dort und im benachbarten Conference Center haben sich insgesamt rund 9500 Microsoft-Partner eingefunden – die größte Teilnehmerzahl seit dem Start der Konferenz im Jahr 2003.

Auf der Bühne redet sich Ballmer gewohnt schnell in Rage – und zeigt einen ungewohnten Anflug von Selbstkritik: „Es stimmt, wir haben einen gesamte Smartphone-Generation mit Windows Mobile verpasst“, so Ballmer beinahe zerknirscht. Denn der Marktanteil von Microsofts Handy-Betriebssystem befindet sich seit Monaten im freien Fall: Laut den jüngsten Zahlen des US-Marktforschungshauses Comscore rangiert Apple mit seinem iPhone bei rund 25 Prozent – fast doppelt so viel wie Microsofts 13,2 Prozent. Mehr noch, jetzt verspüren Ballmers Leute auch noch den Atem des anderen Erzrivalen Google im Nacken: Deren Smartphone-Plattform Android ist in jüngster Zeit stark gewachsen und kommt nunmehr bereits auf 13 Prozent.

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Namentlich erwähnt Ballmer die weit vorausgeeilte Konkurrenz nicht. Doch ihm ist bewusst, dass Microsoft im Handysegment jetzt liefern muss, will er dieses wachstums- und umsatzträchtige Segment nicht völlig aufgeben. „Dieses Jahr ist wegen unseres neuen Handy-Betriebssystems Windows Phone 7 extrem wichtig. Dessen ersten Beurteilungen waren sehr positiv“, schwört Ballmer seine Geschäftspartner ein. Windows Phone 7 ist eine weitgehende Neuentwicklung im Vergleich zum früheren Windows Mobile; erste Smartphones sollen ab Oktober auf den Markt kommen. „Wir werden alle nur erdenkliche Energie in dieses Geschäft stecken.“

Wie geschnitten Brot

Gleiches gilt für ein weiteres Segment, das Microsoft bisher weitgehend der Konkurrenz überlassen hat: Das der Tablet-PCs. Zwar versucht Microsoft schon seit dem Jahr 2002, Computer mit berührungsempfindlichem Bildschirm ohne Tastatur an den Mann zu bringen – doch bisher lagen derartige Geräte von Computerherstellern wie Hewlett-Packard, Dell, Lenovo oder Toshiba eher wie Blei in den Regalen. Bis – wieder einmal – Microsofts inzwischen vielleicht ärgster Wettbewerber kam und das Geschäft komplett neu aufrollte: Apple. Anfang April brachte die Mac-Company ihren Tablet-Comuter iPad auf den Markt. Der verkauft sich seitdem wie geschnitten Brot. Den Marktstart außerhalb der USA musste Apple wegen der starken Nachfrage in der Heimat um vier Wochen verschieben. Ende Juni verkündete die Steve-Jobs-Company dann, man habe innerhalb von 80 Tagen drei Millionen iPads losgeschlagen.

Offenbar ist Microsoft-Boss Ballmer nicht gewillt, dem Erfolg des Erzrivalen weiterhin untätig zuzuschauen – auch wenn das iPad namentlich nicht über seine Lippen kommt: „Ich weiß, Sie wollen wissen, was auf diesem Gebiet kommt“,  so Ballmer. „Und ich kann Ihnen versprechen: In den nächsten zwölf Monaten kommen eine ganze Reihe von Tablet-PCs von Herstellern wie Acer, Dell, Samsung, Toshiba und vielen anderen auf den Markt.“ Dabei soll es verschiedenste Formen und Größen geben – Tablets mit und ohne Tastatur, mit Touch-Eingabe oder mit Docking-Station.  „Wir verspüren eine größere Energie, einen größeren Elan und einen größeren Schub als jemals zuvor. Wir werden Innovationen vorantreiben – und wir werden wettbewerbsfähig sein.“

Das klingt schon fast wie eine Durchhalteparole, gerichtet an seine Partner, an seine Mitarbeiter – und nicht zuletzt an ihn selbst. Kein Wunder: Denn vor allem wegen der Flops bei Handys und im Internet-Geschäft gegen Google ist auch Ballmers Stellung längst nicht mehr unumstritten – manche Beobachter fordern bereits seinen Rauswurf. Alles andere als ein Erfolg bei Tablet-PCs und Smartphones könnte sich zum wirklichen Problem auch und gerade für den seit nunmehr zehn Jahren amtierenden Microsoft-Chef auswachsen.

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