Technologie: IBM will die Welt verbessern - und so Milliarden verdienen

Technologie: IBM will die Welt verbessern - und so Milliarden verdienen

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IBM - Unternehmen mit Vision?

Von Schreibmaschine und Großrechner über PC bis zur IT-Beratung: Kein Technologiekonzern hat sich so schnell so stark verändert wie IBM. Mit ihrer Vision von einem besseren Planeten versprechen die Amerikaner nun, die Welt lebenswerter zu machen – ein Milliardengeschäft.

Wie eine Reliquie ruht die erste Festplatte der Welt unter Glas auf einem Flur des IBM-Almaden-Forschungszentrums im Silicon Valley. So groß, breit und schwer wie ein Motorrad kann der Prototyp von 1954 doch nur 100 Kilobyte speichern – rund 50 Seiten Text. Seine nur ein Tausendstel so großen Nachfahren fassen ganze Bibliotheken. Mit dem Speichern von Daten startete die Informationsrevolution. Doch die von IBM erfundene Festplatte ist dort heute ein Relikt: Der Technologiekonzern baut seit mehr als fünf Jahren keine mehr.

Im gleichen Gebäude forscht heute der deutsche Wissenschaftler Winfried Wilcke an Materialien, die zehnmal mehr Energie speichern sollen als Lithium-Ionen-Akkus. Ein anderes Team arbeitet an Membranen, die Trinkwasser besser reinigen und Meerwasser effektiver entsalzen. Wie bei Festplatten und Computerchips geht es hier um die Kontrolle ultrafeiner Oberflächen. „Im Grunde führen wir unsere langjährige Arbeit fort, nur mit anderen Produkten“, sagt Chefforscher Chandrasekhar Narayan, der seit 25 Jahren für IBM arbeitet.

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Neues Image für IBM

Sauberes Wasser, bessere Energiespeicher, weniger Verkehr, bessere Gesundheitsversorgung: Was wie ein Parteiprogramm voller wohlklingender Wahlversprechen tönt, ist das neue Leitbild von IBM, dem mit 103,6 Milliarden Dollar Umsatz nach Hewlett-Packard zweitgrößten IT-Unternehmen der Welt. Es ist der finale Schwenk des einst von Hardware geprägten Konzerns zum global tätigen Dienstleister. Kein anderer Technologiekonzern hat sich in so kurzer Zeit so radikal verändert.

Sein Lenker Sam Palmisano stellt den Giganten als Weltverschönerer mit grünem Anstrich auf. IBMs Zehntausende Berater, Wissenschaftler und Ingenieure sollen mit moderner Technik einen menschenfreundlicheren Planeten schaffen – natürlich nicht aus mildtätigen Motiven, sondern um damit viel Geld zu verdienen. „Es ist das wichtigste Vorhaben in meinen 35 Jahren bei IBM“, sagt Palmisano feierlich. Und zugleich sein Vermächtnis: IBM schickt seine Manager mit spätestens 62 Jahren in den Ruhestand, was Palmisano noch knapp vier Jahre an der Spitze gibt.

Knallhartes Geschäft

Der Konzern, der trotz seiner Größe eher hinter den Kulissen werkelt, drängt damit ins Licht der Öffentlichkeit und will sich ein moderneres Image verpassen – weg vom kryptischen Integrator aus der Computerindustrie zu einem global aufgestellten Experten für das Lösen der Menschheitsprobleme.

Das klingt zunächst theatralisch, nach Technikgläubigkeit, gewürzt mit einer Prise Altruismus. Vor allem aber ist es ein knallhartes Geschäft. Es geht um die Expansion der Computerbranche in alle Lebensbereiche. Sie soll IBM in der nächsten Dekade neue Umsatzmilliarden in die Kassen spülen. Das Wachstum wird deutlich über den einstelligen Raten liegen, mit dem IBMs traditionelles Geschäft derzeit zulegt. Grund ist die rasante Ausbreitung der Informationstechnik (IT). Längst stecken Prozessoren nicht mehr nur in Laptops, Mobiltelefonen und Autos, sondern auch in Haushaltsgeräten und Fahrbahnen. „Im nun beginnenden Zeitalter sind viele Milliarden Geräte und Sensoren über das Internet vernetzt“, sagt Palmisano im Gespräch mit der WirtschaftsWoche – seinem ersten Interview in Deutschland überhaupt.

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