Technologie-Konzern: Siemens setzt auf Umwelttechnik

Technologie-Konzern: Siemens setzt auf Umwelttechnik

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Siemens: Umwelttechnik als eines der wichtigsten Wachstumsfelder

Konzernchef Peter Löscher hat bei Siemens aufgeräumt. Doch Probleme bleiben: die Affäre mit der Scheingewerkschaft AUB und unsicheres Wachstum.

Wie sich die Zeiten ändern. Als Peter Löscher am 24. Januar 2008, also vor ziemlich genau einem Jahr, seine erste Hauptversammlung als Siemens-Chef abhielt, standen die Zeichen auf Sturm. Die nur halb aufgearbeitete Schmiergeldaffäre und ein bevorstehender Konzernumbau würden, so die Erwartungen, für reichlich Unmut bei den 10.000 Aktionären in der Münchner Olympiahalle sorgen. Doch weit gefehlt – letztlich war es für den Österreicher sogar fast ein harmonischer Tag. In diesem Jahr könnte es gerade andersherum laufen. Zwar hat Löscher 2008 ein beachtliches Pensum durchgepeitscht und Siemens unter anderem den sehnlichst erwarteten Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC beschert. Dadurch sind zumindest die finanziellen Risiken des Korruptionsskandals größtenteils bewältigt.

Dennoch dürften auf dem Aktionärstreffen am Dienstag dieser Woche, das erneut in der Olympiahalle stattfindet, die kritischen Töne überwiegen.  Denn trotz seiner Aufräumarbeiten hat Löscher noch einige offene Baustellen. Zum einen droht ihn die Affäre um die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsräte (AUB) einzuholen, die Siemens in den Neunzigerjahren mit ins Leben gerufen hatte, um die Macht der IG-Metall im Konzern zu brechen. So will etwa der Verein der Belegschaftsaktionäre Löscher löchern, weshalb er am Personalchef von Siemens in Deutschland, Walter Huber, festhält, obwohl es begründete Hinweise gibt, dass Huber möglicherweise ein wichtiger Akteur im Umgang mit der Scheingewerkschaft war. „Wir erwarten, dass Siemens die AUB-Affäre mit dem gleichen Nachdruck angeht wie die Aufarbeitung des Korruptionsskandals“, sagt Manfred Meiler, Chef des Vereins der Siemens-Belegschaftsaktionäre.

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Zum andern schlittert Löscher in immer dunklere Konjunkturaussichten, wie der rückläufige Auftragseingang zeigt, den sein Finanzchef Joe Kaeser vor zwei Wochen meldete. Damit ist fraglich, wie Siemens auf Wachstumskurs bleiben will. Zwar bescheinigen Experten dem Geschäft mit Umwelttechnik eine große Zukunft, was Siemens zu Übernahmen anderer Anbieter nutzen könnte. Gleichzeitig aber will der neue amerikanische Präsident Barack Obama mit großangelegten staatlichen Subventionsprogrammen die US-Wirtschaft auf Umwelttechnik einschwören. Das dürfte Löschers grüne Ambitionen nicht eben erleichtern. „Bisher laufen die Geschäfte von Siemens noch gut“, sagt Roland Pitz, Aktienanalyst bei UniCredit in München. „Für das künftige Wachstum stellt sich aber die Frage: Was passiert, wenn die Konjunktur bis Ende dieses Jahres nicht anspringt?“

Tiefgreifender Konzernumbau bei Siemens ist weitgehend vollzogen

Noch bis vor Kurzem sah es so aus, als habe der 51-jährige Österreicher nach nunmehr rund anderthalb Jahren an der Spitze von Siemens die wichtigsten Problemfelder abgearbeitet. Der tiefgreifende Konzernumbau, den er kurz nach seinem Amtsantritt Mitte 2007 ankündigte, ist weitgehend vollzogen. Siemens konzentriert sich heute im Wesentlichen auf die drei großen Geschäftsfelder Industrie, Energie und Gesundheit. Im Frühjahr 2008 folgte ein weitreichendes Restrukturierungsprogramm, dem bis 2010 rund 17.000 Arbeitsplätze in Vertrieb und Verwaltung zum Opfer fallen und das 1,2 Milliarden Euro Einsparungen bringen soll.

Dabei nutzte Peter Löscher die Gunst der Stunde zur bilanzschonenden Altlastenbeseitigung: Weil der Verkauf des Autozulieferers VDO an Continental Anfang des Geschäftsjahres 2007/08 rund elf Milliarden Euro in die Konzernkasse gespült hatte, konnte er den allergrößten Teil der Sonderaufwendungen in die Gewinn-und- Verlust-Rechnung einstellen, ohne das Konzernergebnis des Gesamtjahres zu gefährden. Zu den außerordentlichen Belastungen, die Löscher auf diese Weise auffing, zählten nicht nur die Kosten des Konzernumbaus sowie die Trennung von den einstigen Telefonsparten SEN und SHC – alles zusammen Aufwendungen in Höhe von rund drei Milliarden Euro. 

Ein dicker Brocken sind auch die Strafzahlungen von einer Milliarde Euro infolge der Schmiergeldaffäre, die Löscher fast bis zur Unmerklichkeit abfedern konnte. Die insgesamt 800 Millionen Dollar (rund 600 Millionen Euro), die an die US-Börsenaufsicht fällig werden, und die knapp 400 Millionen Euro Geldbuße in Deutschland fallen im Verhältnis zu den elf Milliarden Euro Einnahmen durch den VDO-Verkauf kaum ins Gewicht. Offen sind derzeit nur noch die Schadensersatzforderungen von Siemens an die Adresse ehemaliger Vorstände und Aufsichtsräte, darunter auch die beiden früheren Konzernchefs Heinrich v. Pierer und Klaus Kleinfeld. Erst in der vergangenen Woche machten unbestätigte Gerüchte die Runde, der Konzern verlange allein von v. Pierer sechs Millionen Euro.

Doch mit dem Aktionärstreffen am Dienstag dieser Woche holen Löscher und seinen Oberaufseher Cromme die ungelösten Probleme ein. So erfolgreich beide den Schmiergeldskandal mit der SEC und den deutschen Strafverfolgungsbehörden abschlossen, so nachlässig wirkt im Vergleich dazu ihr Aufklärungseifer bei dem anderen Skandal, der den Konzern seit zwei Jahren durchzieht: die Hintergründe und -männer der jahrelang von Siemens gehätschelten Scheingewerkschaft AUB. „Auch dabei gab es ein ganzes Geflecht von Betroffenen – das bisher aber fast nicht durchleuchtet wurde“, sagt der Chef der Siemens-Belegschaftsaktionäre Meiler.

Die kritischen Anteilseigner aus den eigenen Reihen werden Löscher zum Beispiel fragen, wieso er Deutschland-Personalchef Huber seit Monaten den Rücken stärkt – denn der Mann stand nach Darstellung vieler Siemens- und AUB-Insider bei der beispiellosen Schaffung einer konzernfreundlichen Arbeitnehmervertretung in vorderster Reihe. Für den früheren AUB-Chef Wilhelm Schelsky etwa war Huber „meine Hauptanlaufstelle bei Siemens“.

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