Technologiekonzern: Großbaustelle ThyssenKrupp

Technologiekonzern: Großbaustelle ThyssenKrupp

Bild vergrößern

ARCHIV - Der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, beantwortet am Mittwoch (13.05.2009) in Düsseldorf die Fragen von Journalisten. ThyssenKrupp gibt am Freitag (14.08.2009) seine Geschäftszahlen für die ersten neun Monate (Oktober bis Juni 2008/2009) bekannt. Foto: Federico Gambarini dpa/lnw (c) dpa - Bildfunk

von Andreas Wildhagen

Der Stahl- und Technologiekonzern legte heute die Zahlen für das zweite Quartal vor. Es geht aufwärts, aber im Kriechgang - und mit vielen bangen Fragen.

Für Ekkehard Schulz, noch Vorstandschef von ThyssenKrupp, wird es heute nachmittag ein heikler Termin. Nach der Aufsichtsratssitzung des Unternehmens erläutert der 68-jährige Ingenieur die Zahlen, die heute morgen bereits veröffentlicht wurden. Danach sieht es zwar für ThyssenKrupp in der Tendenz gut aus, es warten aber Berge von Problemen und handfesten Risiken auf den Schulz-Nachfolger, der vorige Woche vom Aufsichtsrat auserkoren wurde. Siemens-Topmanager Heinrich Hiesinger, 49, soll ab Oktober in den Vorstand von ThyssenKrupp zum Warmlaufen einziehen und dann zum 21. Januar 2011 den Posten von Schulz übernehmen.

Es scheint, als ob Ekkehard Schulz - seit elf Jahren Vorstandschef -  mit wiederhergestellter Managerehre die Kommandobrücke verlassen kann. Denn das Stahl- und Technologieunternehmen (Fahrstühle, Rolltreppen, Anlagenbau) machte im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro. Die Probleme waren auch durch eklatantes Mißmanagement selbst gemacht.

Anzeige

Nun sieht es etwas besser aus: Nach dem Unternehmensbericht stieg der Auftragseingang im vergangenen Quartal um 36 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro an. Das Unternehmen erzielte zugleich einen Gewinn vor Steuern von 191 Millionen Euro, nach einem Fehlbetrag in Höhe von 455 Millionen Euro vor Jahresfrist. Schulz verspricht nun für das Gesamtjahr 2009/10 einen Gewinn "in niedriger dreistelliger Millionenhöhe". Ob er es schafft?

Bange Fragen und schwere Altlasten für ThyssenKrupp

Er bekommt vorsichtige Rückendeckung von den Verbänden, deren Volkswirte echolotgenau in die Stahlkonjunktur horchen - mit entsprechenden Abweichungen durch Störgeräusche wie Griechenlandhilfe, Euroschwäche, Inflation und was sonst noch kommen kann. Sie stellen fest, dass sich die Aufträge für Stahlprodukte im ersten Jahresviertel 2010 gegenüber dem - allerdings extrem schwachen - Vorjahresquartal in etwa verdoppelt haben. Das klingt gut. Das Auftragsplus dürfte zum Teil auch dadurch bedingt sein, dass Händler und Stahlverarbeiter ihre Läger langsam wieder auffüllen, nachdem sie erst einmal nicht mehr bei ThyssenKrupp bestellt haben, sondern ihre Hochregale abverkauft haben. Kurzarbeit und Stillegung von Hochöfen waren die Folge.

Das leicht rosig wirkende Bild für ThyssenKrupp wird jedoch ganz erheblich von bangen Fragen und schweren Altlasten unterlaufen. Die können die Bilanz der Ära Schulz doch noch vermasseln. Dem heute tagenden Aufsichtsrat soll die Schlussrechnung der noch im Bau befindlichen Stahlwerke in Brasilien und Alabama (USA) vorgelegt werden. Dort waren die Kosten aufgrund von Rechenfehlern im Vorstand massiv aus dem Ruder gelaufen. Immer neue Korrekturen mussten die Controller vornehmen. Erst im Januar mussten sie wieder nach oben fortschreiben.

Das brasilianische Stahlwerk beläuft sich jetzt auf 5,2 Milliarden Euro. Die Planzahl betrug 3,5 Milliarden Euro. Das Werk in Alabama kostet zehn Prozent mehr als dem Aufsichtsrat versprochen. Die dafür verantwortlichen Manager im Vorstand sind nicht mehr da, sie wurden abrupt herauskomplimentiert. Aber Ekkehard Schulz, der das Ganze zu verantworten hat, ist noch da - und putzt nun die erheblichen Bilanz-Beulen aus. Bis Januar hat er noch Zeit.

Dringend notwendig gewordene Fusionen im Edelstahl - ein finnischer Edelstahlproduzent signalisierte sogar Interesse an einer Übernahme des ThyssenKrupp-Edelstahlsektors - scheiterten bisher an Bedenken der Kartell-Aufsichtsbehörden. Bei Aufzügen kommt der Konzern aus seiner Weltmarktposition auf Nummer Drei nicht hinaus, weil es keine Kaufgelegenheiten gibt. Nirgendwo sonst rangiert ThyssenKrupp nach Umsatz und Gwinn in Europa, geschweige denn auf den Weltmärkten, unter den ersten drei Anbietern. Schon früh hat Berthold Beitz, der Vorsitzende der Krupp-Stiftung, die Gefahr gesehen, dass ThyssenKrupp feindlich übernommen wird.

Die Stiftung, mit 25,3 Prozent größter Einzelaktionär im Konzern, sicherte sich Sperrminoritäten und Einfluss, so dass ThyssenKrupp zu einer uneinnehmbaren Burg geworden ist. "Eigentlich könnte ThyssenKrupp nur noch mit Siemens fusionieren", spottete dieser Tage ein einflussreicher Arbeitnehmervertreter des Konzerns. Und der neue Chef Hiesinger ist ein Ziehsohn des Aufsichtsratschefs beider Konzerne, Gerhard Cromme. Der hat schon gewaltige Fusionen (Krupp, Hoesch, Thyssen) hinter sich.   

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%