Technologiekonzern: Löscher beschleunigt Konzernumbau bei Siemens

Technologiekonzern: Löscher beschleunigt Konzernumbau bei Siemens

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Siemens-Logo in München: Der Technologieriese kommt beim Konzernumbau offenbar gut voran.

Siemens-Chef Peter Löscher kommt mit seinem angekündigten Konzernumbau offenbar gut voran. Laut einem Pressebericht verhandelt Siemens beim Verkauf der Telefonsparte SEN vorrangig mit dem US-Investor the Gores Group. Beim geplanten Stellenabbau wird es in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben. In der Korruptionsaffäre macht Siemens ernst - und will frühere Vorstände verklagen.

Verkauf, Stellenabbau, Klagen gegen Vorstände: Die weitreichenden Konzernumbau-Pläne von Siemens-Chef Peter Löscher gewinnen an Fahrt. Beim seit langem angekündigten Verkauf der Telefonanlagen-Sparte SEN zeichnet sich nun ein neuer Favorit ab: Nach einem Pressebericht verhandelt Siemens vorrangig mit dem US-Investor The Gores Group über die zum Verkauf gestellte Telefonanlagen-Sparte SEN.

„Im Moment ist man mit Gores am weitesten“, zitiert die „Financial Times Deutschland“ aus Finanzkreisen. Dagegen lägen die Gespräche mit der New Yorker Beteiligungsgesellschaft Cerberus derzeit auf Eis. Siemens habe sich nicht näher äußern wollen, so die FTD. Man sei in weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit mehreren Interessenten, habe ein Siemens-Sprecher lediglich frühere Aussagen wiederholt.

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Monatelang hatte Cerberus als Favorit auf Käuferseite gegolten. Unzählige Termine zur Vertragsunterzeichnung habe Cerberus aber durch immer neue Forderungen platzen lassen, zitiert die FTD aus Verhandlungskreisen. „Das sind abgezockte Jungs. Die nutzen aus, dass sich Siemens von dem Geschäft unbedingt trennen will.“

Siemens hatte bereits mitgeteilt, dass durch den Verkauf von SEN ein „erheblicher Verlust“ erwartet wird. SEN schreibt seit Jahren rote Zahlen. Siemens will das Geschäft nach den schlechten Erfahrungen mit der Pleite der ehemaligen Handysparte BenQ Mobile zuerst in Eigenregie sanieren und es dann verkaufen. Insgesamt stehen bei Siemens Enterprise Communications, so der volle Name der SEN abgekürzten Sparte, 6800 der 17 500 Stellen auf dem Spiel.

Standortgarantie bis 2010 und Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen

Beim geplanten Abbau von mehr als 5.000 Stellen in Deutschland soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Darauf habe man sich mit der Siemens-Konzernleitung geeinigt, teilten die IG Metall und der Siemens-Gesamtbetriebsrat gestern  mit. Zudem verpflichte sich der Konzern, bis Ende September 2010 keine Standorte zu schließen oder zu verlagern.

Siemens kündigte für heute eine Erklärung an. „Mit der Zusicherung, dass der Konzernumbau ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt, kommt Siemens der wichtigsten Forderung der IG Metall nach“, sagte deren Erster Vorsitzender Berthold Huber. Stattdessen solle vor allem durch Altersteilzeit und freiwilliges Ausscheiden von Mitarbeitern Personal abgebaut werden. Siemens verpflichte sich auch, Umschulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten und zu finanzieren.

Der Konzern sei auch von seinen Plänen abgerückt, die Einheit Segment Industrie Montage Services (SIMS) mit rund 1.200 Mitarbeitern zu verkaufen, hieß es. Im Bereich Verkehrstechnik solle es zu einem größeren Stellenabbau kommen, Werksschließungen in Deutschland schloss Siemens laut den Arbeitnehmervertretern aber aus. Im Gegenzug wollen diese noch im August den Maßnahmen zustimmen.

Ein Interessensausgleich und Sozialplan solle bis 15. August erarbeitet werden, hieß es. Die Arbeitnehmer betonten aber zugleich, bis zu einem Ende August angestrebten Beschluss des Siemens-Gesamtbetriebsrates erwarte man noch schwierige Verhandlungen. Es gebe aber eine tragfähige Gesprächsgrundlage.

Siemens will weltweit 17.000 Stellen streichen, allein in Deutschland sollen 5.250 Jobs wegfallen. Bayern ist davon am stärksten betroffen. Die bayerische Wirtschaftsministerin Emilia Müller begrüßte die Einigung zwischen Konzern und Arbeitnehmervertretern. „Für Bayern ist es wichtig, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und die Folgen eines eventuellen Stellenabbaus für die betroffenen Mitarbeiter so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, erklärte sie.

Siemens bereitet Klage gegen Ex-Vorstände vor

Siemens macht Ernst. In Branchenkreisen heißt es, der Aufsichtsrat des Unternehmens wolle am kommenden Dienstag beschließen, ehemalige Mitglieder des Vorstandes, darunter die beiden früheren Chefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld, wegen der Korruptionsaffäre auf Schadenersatz zu verklagen.

Radikaler könnte der Bruch mit der eigenen Vergangenheit kaum ausfallen. Doch abgesehen von der symbolträchtigen Absage an unsaubere Geschäftspraktiken könnte es den betroffenen Managern finanziell an den Kragen gehen. „Die Erfolgsaussichten sind durchaus gut“, sagt der auf Haftungsfragen spezialisierte Düsseldorfer Anwalt Michael Hendricks. „Die Frage war nicht, wie hoch die Forderung ausfällt, sondern dass man es überhaupt tut“, sagt ein Unternehmenskenner.

Der Aufsichtsrat habe schon allein aufgrund der Gesetzeslage tätig werden müssen, um selbst Schadenersatzansprüchen aus dem Weg zu gehen. Der durch die Affäre entstandene materielle Schaden sei ohnehin kaum wiedergutzumachen, geschweige denn der Image-Verlust. Etwa 1,3 Milliarden Euro hat Siemens bislang für die Aufarbeitung der Affäre ausgegeben, davon allein rund 650 Millionen Euro an Honoraren für Anwälte und Wirtschaftsprüfer. Von Seiten der US-Börsenaufsicht SEC droht obendrein ein Bußgeld in Milliardenhöhe.

„Den Schaden wird Siemens niemals ersetzt bekommen, aber sie müssen machen, was machbar ist“, sagt auch Anwalt Hendricks. Zu klären gelte es auch, inwieweit eine Art Haftpflichtversicherung für Mitglieder des Vorstandes, Directors and Officers Insurance genannt, greift. Bei Vorsatz zahle die Versicherung nicht, wohl aber bei grober Fahrlässigkeit. In jedem Fall müsse sich Siemens auf lange Verhandlungen einstellen. „Das wird Jahre dauern.“

Und selbst wenn die Versicherung einspringe, werde die Deckungssumme wahrscheinlich nicht ausreichen. In Deutschlands größtem Schmiergeldskandal geht es um dubiose Zahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, die vermutlich größtenteils zur Bildung schwarzer Kassen im Ausland eingesetzt wurden. Siemens wirft dem Vernehmen nach den früheren Vorständen vor, Hinweisen auf schwarze Kassen im Unternehmen nicht konsequent genug nachgegangen sein. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt in die gleiche Richtung. Pierer hat stets seine Unschuld beteuert, ebenso sein Nachfolger Klaus Kleinfeld. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher jedenfalls hatte relativ schnell klar gemacht, dass er seine Vorgänger nicht mit Samthandschuhen anfassen will.

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