Telekom: Afrikanischer Mobilfunk ist heißer Kandidat

Telekom: Afrikanischer Mobilfunk ist heißer Kandidat

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Ein Mann nutzt ein Mobiltelefon bei einer Folklore-Veranstaltung in Sambia

Ausgerechnet der arme Kontinent Afrika ist der Zukunftsmarkt im Mobilfunk. Doch Deutsche-Telekom-Chef René Obermann zögert mit einem Engagement.

Wer bitte? Phuthuma Nhleko? Mehrmals musste der Chef der südafrikanischen Mobilfunkgesellschaft MTN seinen Namen buchstabieren, bis die drei H an den richtigen Stellen platziert waren – und auch dann blitzte der 47-Jährige bei den viel beschäftigten Vorstandsvorsitzenden der großen europäischen und amerikanischen Telefongesellschaften regelmäßig ab. Gesprächstermine? Wozu? Für die meisten war Afrika noch vor wenigen Monaten ein verarmtes Niemandsland ohne nennenswerte Festnetz- und Mobilfunkinfrastrukturen, das nur für Hasardeure interessant sein kann. Von den etablierten Konzernen wollte niemand eine Expansion in diese – mitunter von (Bürger-)Kriegen und Naturkatastrophen geplagten – Länder riskieren.

Heute ist Nhleko der hoch angesehene Mobilfunkkönig von Afrika. Und kein Vorstandschef schlägt mehr ein Gesprächsangebot aus. Denn MTN besitzt genau das, wovon alle großen Telekom-Konzerne in den gesättigten europäischen Handymärkten träumen: ein Mobilfunkimperium mit Tochtergesellschaften in 21 Schwellen- und Entwicklungsländern, das von Südafrika bis in den Nahen Osten und nach Afghanistan reicht. Gerade mal ein Viertel aller Einwohner telefoniert per Handy. Rund 500 der 800 Millionen Afrikanern lassen sich also möglicherweise noch für den Mobilfunk begeistern. Davon will sich MTN eine dicke Scheibe abschneiden. „Wir werden inzwischen sehr ernst genommen“, sagt Nhleko und genießt den Aufstieg in die erste Liga der großen Mobilfunkbetreiber.

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Das riesige Wachstumspotenzial macht Aufsteiger MTN zum derzeit heißesten Übernahmekandidaten im weltweiten Mobilfunkgeschäft. Marktführer wie China Mobile und die britische Vodafone haben schon ein Auge auf den Senkrechtstarter aus Südafrika geworfen und den Börsenwert durch Übernahmespekulationen auf über 25 Milliarden Euro getrieben. Anfang Mai wagte sich der nächste Interessent aus der Deckung. Indiens Handyriese Bharti Airtel will für knapp 20 Milliarden Dollar die Mehrheit an MTN übernehmen und einen afro-asiatischen Mobilfunker mit einem Börsenwert von mehr als 50 Milliarden Euro und über 120 Millionen Handykunden schaffen.

Neben China Mobile würde Bharti Airtel eine zweite Mobilfunk-Supermacht in Asien/Afrika schaffen, die schnell an der Deutschen Telekom vorbeizieht. Schon jetzt gewinnt MTN über 20 Millionen Kunden pro Jahr und damit doppelt so viele wie die Telekom-Tochter T-Mobile. Zusammen würde die fusionierte Bharti Airtel-/MTN-Gruppe 40 bis 50 Millionen Kunden pro Jahr anlocken.

Schneller als viele Konkurrenten hat MTN-Chef Nhleko begriffen, dass der Mobilfunkmarkt in Afrika nach anderen Regeln funktioniert. Das geringe Einkommen vieler Afrikaner sorgt zwar dafür, dass der Umsatz pro Kunde deutlich niedriger ist. Die Umsätze – und auch die Gewinne – steigen trotzdem, weil die schiere Masse diesen Nachteil mehr als ausgleicht. Selbst Bewohner von Armenvierteln greifen zum Handy, wenn sie beim Straßenhändler an der Ecke gegen Vorkasse für wenig Geld eine Prepaid-Karte kaufen können und die Einheiten alleine oder gemeinsam mit Freunden und Familienmitgliedern abtelefonieren können.

Bei der Deutschen Telekom klingeln die Alarmglocken. In den zehn am schnellsten wachsenden Handymärkten kann T-Mobile lediglich mit ihrem US-Geschäft eine Top-Ten-Platzierung vorweisen. In den Expansionsplänen der Telekom spielen die Schwellen- und Entwicklungsländer bisher nur eine Nebenrolle. Obermann will zuerst seine Marktposition in Europa und den USA durch Übernahmen stärken, bevor er Neuland in Asien und Afrika betritt.

Intern melden sich die ersten Kritiker zu Wort. „Sollen wir wirklich zuschauen, wie die Konkurrenz die attraktivsten Märkte besetzt?“, fragt ein Stratege in der Bonner Konzernzentrale. MTN-Chef Nhleko empfiehlt jedenfalls einen Kurswechsel: „Wenn europäische Telekomkonzerne zusätzliches Wachstum brauchen, dann sollten sie ernsthaft über ein stärkeres Engagement in Afrika nachdenken.“

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