Telekom: Obermanns Brechstange

KommentarTelekom: Obermanns Brechstange

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Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann

von Jürgen Berke

Medienwirksam befördert Telekom-Chef René Obermann nach einem Jahr Nichtstun drei Frauen in den Vorstand und gibt damit dem öffentlichen Druck nach.

Es ist wie so oft bei der Deutschen Telekom. Erst passiert lange gar nichts – und dann packt ein Konzernchef mit der Brechstange das heiße Eisen an. Ex-Chef Ron Sommer ist auf diese Weise mit der weltweiten Expansion gescheitert, weil er viel zu schnell und viel teuer in den USA und Großbritannien Mega-Übernahmen einfädelte. Nachfolger Kai-Uwe Ricke gab so viel Macht an die operativen Einheiten ab, dass viele Führungskräfte auf seiner Nase herumtanzten und die Konzernzentrale fast gar nichts mehr zu sagen hatte.

Und der jetzige Chef René Obermann wollte nach seinem Aufstieg in den Chefsessel im November 2006 so schnell verlorene Marktanteile in Deutschland zurückgewinnen, dass seine Gefolgsleute es mit dem Schutz der Kundendaten nicht so genau nahmen und bei der Telefonakquise mit dubiosen Callcentern zusammenarbeiteten.

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Vom Männerclub zum Damenzirkel

Jetzt deutet sich die nächste Überreaktion an. Gleich drei Frauen stehen vor dem Sprung in den Telekom-Vorstand. Die Posten des Rechtsvorstandes (bisher Manfred Balz), des Personalvorstandes (bisher Thomas Sattelberger) und des Europa-Vorstandes (nach dem Wechsel von Guido Kerkhoff zu ThyssenKrupp vakant) will Obermann mit starken Frauen besetzen. Zwei Personalien - die Besetzung des Europavorstands und die des Personalvorstands stimmten die Kontrolleure auf ihrer Sondersitzung am Montag zu. Eine weitere Entscheidung - die Nachfolge des Rechtsvorstandes Balz - wird noch in diesem Jahr folgen.  Als erster Dax-Konzern wird die Telekom drei von acht Vorstandsposten mit Frauen besetzen. Die Telekom glänzt damit mit einer Frauenquote von über 30 Prozent und bringt andere Unternehmen damit in Zugzwang. Mitten in der Frauen-Fußball-WM gibt es sicher keinen besseren Zeitpunkt für die Verbreitung dieser Nachricht.

Vor gut einem Jahr hatte Obermann freiwillig das Ziel ausgegeben, dass die Deutsche Telekom bis Ende 2015 den Frauenanteil im mittleren und oberen Management auf diese Quote steigert. Doch die Enttäuschung war groß, als in den ersten zwölf Monaten nach dieser vollmundigen Ankündigung kaum etwas passierte. Der Vorstand war weiter ein reiner Männerclub. Auch in den engsten Führungszirkel, dem 67-köpfigen Business Leader Team, schafften es maximal fünf oder sechs Frauen. Obermann musste einsehen, dass dies zu wenig war, um als vorbildlicher Frauenförderer andere Dax-Konzerne mitzureißen.

Dem Druck der Politik gibt Obermann mit dem überraschenden Personalvorschlag jetzt nach. Die gute Nachricht. Mit der McKinsey-Direktorin Claudia Nemat übernimmt eine Frau sogar den zweitwichtigsten Vorstandsposten mit operativer Verantwortung. Als Europa-Chefin soll Nemat nach dem Rückzug aus den USA alle internationalen Aktivitäten der Deutschen Telekom verantworten. Den Posten hätte Obermann unter normalen Umständen nur einem langjährigen Weggefährten anvertraut. Doch was ist bei der Deutschen Telekom in diesen Tagen schon normal.

Politischer Einfluss wächst

Die schlechte Nachricht:  Mit der Berufung der ehemaligen baden-württembergischen Bildungsministerin Marion Schick (CDU) als neuen Personalvorstand wächst der politische Einfluss auf die Deutsche Telekom. Aufsichtsratsmitglieder äußern Zweifel, ob die Telekom damit das richtige Signal an die Finanzmärkte sende. Denn auch um die Nachfolge von Rechtsvorstand Balz ist ein heftiges Tauziehen zwischen den politischen Parteien entbrannt. Die Regierungskoalition würde gerne die Staatssekretärin im Justizministerium, Birgit Grundmann (FDP), in den Vorstand hieven. Die Opposition schickt mit der ehemaligen Justizministerien Brigitte Zypries (SPD) eine eigene Kandidatin ins Rennen.

Auf YouTube, dem Video-Portal im Web, machte die McKinsey-Beraterin Nemat erst kürzlich Werbung für mehr Frauen in den Vorstandsetagen:  „Unternehmen bringen eine bessere finanzielle Leistung, wenn man gemischte Teams an der Spitze hat.“ Hoffentlich klappt das auch bei der Deutschen Telekom. Denn die kann Besserung gut gebrauchen.

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