Telekom-Prozess: Ex-Chef Ricke will keine Spitzelaufträge erteilt haben

Telekom-Prozess: Ex-Chef Ricke will keine Spitzelaufträge erteilt haben

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Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Kai-Uwe Ricke, kommt am Freitag (22.10.10) in Bonn mit seinem Anwalt Rainer Hamm (r.) im Prozess um die Telekom-Spitzelaffaere in das Landgericht. Ricke soll als Zeuge aussagen. Der 48-jaehrige Manager ist eine Schluesselfigur in dem Verfahren. Er soll angeblich den Auftrag gegeben haben, eine undichte Stelle im Telekom-Aufsichtsrat zu finden. Dadurch soll die ganze Affaere ausgeloest worden sein.

von Jürgen Berke

Gedächtnislücken ziehen sich wie ein roter Faden durch den Spitzelprozess – und warum sollte sich das am heutigen Verhandlungstag ändern. Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke will keine Spitzelaufträge erteilt haben.

Die dritte Strafkammer des Landgerichts Bonn hatte den wohl prominentesten Zeugen geladen.

Und der ehemalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, gegen den ursprünglich auch selbst ermittelt worden war, erschien tatsächlich. Braungebrannt betrat der 48-Jährige, der inzwischen in der Schweiz lebt, pünktlich um 9.00 Uhr den Gerichtssaal.

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Doch bei den entscheidenden Fragen musste der ehemalige Telekom-Chef passen oder stiftete sogar zusätzliche Verwirrung: So etwa bei der spannenden Frage nach den Teilnehmern und dem Verlauf der Sitzung am 20. Januar 2005, die direkt nach Erscheinen der „Capital“-Ausgabe mit streng geheimen Mittelfristplanung einberufen worden war.

Alle konnten sich bisher daran erinnern, dass der Hauptangeklagte Klaus Trzeschan in Vertretung seines erkrankten Bereichsleiters bei diesem Termin die Konzernsicherheit vertreten hat..

Nur Ricke nicht: Er habe ein „gutes visuelles Gedächtnis und eine deutliche Erinnerung, dass Herr St. teilgenommen hat.“ Selbst als der Vorsitzende Richter Klaus Reinhoff ein Attest verlas, dass St. in der fraglichen Zeit krank geschrieben war – Ricke ließ sich nicht umstimmen.

Trzeschan hat an dieser Sitzung nicht teilgenommen und deshalb auch gar keinen Auftrag bekommen, die Indiskretionen aufzuklären. Punkt.

Das erste Mal habe er Trzeschan erst mehrere Wochen später getroffen und dabei den Eindruck gewonnen, dass er „ein sehr seriöser Beamter sei, dem man voll vertrauen konnte“.

Ricke räumte allerdings ein, dass mehr Misstrauen angebracht gewesen wäre. „Den Schuh zieh ich mir an“, sagte der Ex-Telekom-Chef. „Rückblickend hätte ich bösgläubiger sein müssen.“

Das Gericht wunderte sich vor allem, dass er die eidesstattliche Versicherung, mit der ein angeblicher Maulwurf in der „Capital“-Redaktion den ehemaligen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Wilhelm Wegner als Informanten belastete, nie gesehen hat. Dabei war dies auch für Ricke das zentrale Beweisstück. „Ich habe mir ehrlich gesagt über die Methoden nicht wirklich Gedanken gemacht“, sagt Ricke. „Ich habe Herrn Trzeschan vertraut.“

Dass der auch bei seinen Ermittlungen Verbindungsdaten von Journalisten, Aufsichtsräten und Betriebsräten ausgewertet, davon habe er nichts gewusst. Das sei auch nie Gegenstand von Gesprächen gewesen. Die Zuschauer in halb gefüllten Gerichtssaal schauen sich fragend an: „Kommt wirklich ganz oben in der Chefetage so wenig an? Oder will Ricke seinen Kopf geschickt aus der Schlinge ziehen?“

Der ehemaligen Bundesinnenminister Gerhard Baum, der die betroffenen Arbeitnehmervertreter im Spitzelprozess vertritt, wirft Ricke eine Verletzung seiner Aufsichtspflichten vor. So könne man ein Unternehmen wie die Deutsche Telekom nicht führen, sagte Baum nach der Zeugenvernehmung.

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