Telekom-Prozess: Ex-Telekomchef Ricke kennt Zeitpunkt der Voicestream-Entscheidung nicht

Telekom-Prozess: Ex-Telekomchef Ricke kennt Zeitpunkt der Voicestream-Entscheidung nicht

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Der Ex-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke

Der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat sich als treibende Kraft für die Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens VoiceStream dargestellt. Im Anlegerschutzprozess vor dem Oberlandgericht Frankfurt am Main erklärte er allerdings, er könne die für den Prozess wesentliche Frage, wann die Entscheidung für die Übernahme gefallen ist, nicht beantworten, weil er damals zwar Chef der Telekom-Mobilfunksäule, aber nicht Mitglied im Konzernvorstand gewesen sei.

Bei dem Musterprozess vor dem Oberlandesgericht geht es um Schadenersatzforderungen von fast 17.000 enttäuschten Telekom-Aktionären. Zunächst soll geklärt werden, zu welchem Zeitpunkt die 34 Milliarden Euro teuere Übernahme von VoiceStream als beschlossen gelten konnte. Wäre das schon vor dem dritten Börsengang am 19. Juni 2000 der Fall gewesen, hätte das Unternehmen das im Börsenprospekt oder in einem Nachtrag mitteilen müssen, meinen die Kläger. Vom Telekom-Aufsichtsrat war die Übernahme am 23. Juli 2000 abgesegnet worden. Vollzogen wurde der Deal Anfang Juni 2001.

Ricke erklärte vor Gericht, weder über die Festsetzung des Preises von VoiceStream noch über die Zeitpunkte von Entscheidungen könne er genaue Angaben machen. Er sei zu dieser Zeit nicht Mitglied im Telekom-Vorstand und deshalb bei den Entscheidungen nicht zugegen gewesen. Zudem habe es eine klare Arbeitsteilung gegeben: Er, Ricke, sei ausschließlich für die operative Seite des Mobilfunkgeschäfts zuständig gewesen.

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Alles, was mit einer Übernahme und deren Modalitäten zu tun gehabt habe, sei Sache von Konzernvorstandsmitglied Jeffrey Hedberg gewesen. Ricke erklärte, VoiceStream sei erstmals im Herbst 1999 „auf dem Radarschirm“ von T-Mobile erschienen. Mitte März 2000 habe es in New York ein erstes Treffen gegeben. Er habe großes Potenzial im Mobilfunk in den USA gesehen, sei parallel aber auch mit der finnischen Gesellschaft Sonera im Gespräch gewesen, sagte Ricke.

Entscheidend für eine erfolgreiche Integration von VoiceStream sei aus seiner Sicht gewesen, dass das vorhandene und bewährte Management in den USA langfristig im Unternehmen bleibe. Die Entscheidung darüber sei erst in letzter Minute gefallen, sagte Ricke.

Weitere Klagepunkte werden eingeführt

Der Anwalt des Musterklägers, Andreas Tilp, kündigte unterdessen weitere Beweisanträge an. Das Landgericht Frankfurt habe einem Antrag der Kläger stattgegeben. Sie könnten nun in das Musterverfahren weitere Streitpunkte einbringen.

Dabei geht es um Vorwürfe wie Falschbilanzierung und Anlagebetrug, während bisher nur die Prospekthaftung Gegenstand des Verfahrens war. Tilp äußerte zudem die Hoffnung, dass die in den nächsten Wochen geplante Aussage des früheren VoiceStream-Chefs John Stanton mehr Aufschluss über die Abläufe geben könnte.

Morgens keine neuen Erkenntnisse bei Aussage eines Sommer-Mitarbeiters

Schon heute Morgen hatte ein enger Mitarbeiter von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer ausgesagt. Die Deutsche Telekom hat nach Angaben Max Hirschbergers bis kurz vor dem Kauf des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream die Übernahme der Konkurrenten Qwest betrieben.

Bis zu den entscheidenden Verhandlungen mit Qwest Mitte Juli 2000 seien alle anderen Gespräche nachrangig gewesen, sagte Hirschberger, ein enger Mitarbeiter des früheren Vorstandschefs Ron Sommer, heute als Zeuge vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.

Erst nachdem die Gespräche mit Qwest gescheitert seien, seien Verhandlungen mit dem VoiceStream-Management geführt worden. Ein Anfang Juni vorgelegtes, unverbindliches Übernahmeangebot für VoiceStream sei unterbreitet worden, um den Gesprächsfaden mit VoiceStream nicht abreißen zu lassen. Das Angebot sei so abgefasst worden, dass VoiceStream es nicht habe annehmen können, sagte Hirschberger, der für die Analyse des US-Mobilfunkmarkts zuständig war.

Rund 16 000 Anleger verlangen Schadenersatz in Höhe von 80 Millionen Euro für erlittene Kursverluste, weil sie sich vom Prospekt zum dritten Telekom-Börsengang im Juni 2000 nicht richtig informiert fühlen. Sie werfen der Telekom vor, den damals angeblich bereits feststehenden Kauf von Voicestream im Prospekt zum dritten Börsengang im Sommer 2000 verheimlicht zu haben.

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