Telekom-Spionageskandal: Schnüffeln mit Wissen der Chefs

Telekom-Spionageskandal: Schnüffeln mit Wissen der Chefs

Die Telekom und die Deutsche Bahn haben Spitzel beauftragt – und stehen dafür jetzt am Pranger. Deren Topmanager versichern nun reuig, dass alles restlos aufgeklärt und so etwas nie wieder vorkommen wird. Ach was. Spionage gehört längst zum Instrumentarium der Chefetagen. Wir haben uns durch die Archive geschnüffelt und die spektakulärsten Spionagefälle der letzten Jahre ausgespäht.

Hewlett Packard und das Leck

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Hewlett-Packard-Chef Mark Hurd (re.) mit der ehemaligen HP-Verwaltungsratsvorsitzenden Patricia Dunn

Da konnte die Führungsriege von Hewlett-Packard (HP) nicht tatenlos zusehen: Auf einen Schlag kannte halb Amerika die bislang geheime Langzeit-Strategie des Elektronikkonzerns. Genüsslich breitete das Magazin „Newsweek“ im September 2006 vertrauliche Details aus Verwaltungsratssitzungen von HP aus – für HP leider kein Einzelfall.

Seit Jahren waren immer wieder vertrauliche Details an die Presse gelangt. Doch dieser Newsweek-Artikel markierte eine neue Dimension des Geheimnisverrats. Der HP-Führung war schnell klar, dass die Informationen nur von einem der Verwaltungsratsmitglieder stammen konnten. Verwaltungsratschefin Patricia Dunn tat, was Manager offenbar häufiger tun: Sie beauftragte eine Privatdetektei damit, die Identität des „Maulwurfs“ offenzulegen. Leider vergaß Dunn aber, den Rest des Verwaltungsrats – mit Ausnahme von HP-Chef Mark Hurd – in ihren Plan einzuweihen.

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Erstaunliche Parallelen zur Telekom-Affäre

Der Fall HP weist einige Parallelen zur aktuellen Bespitzelungsaffäre bei der Telekom auf: Denn wie bei dem Telekom-Spitzelskandal ging es auch bei HP darum, ein Quelle für Journalisten trockenzulegen. Dazu mussten die Detektive auch an die Telefondaten von Journalisten herankommen. In der Wahl ihrer Mittel waren die Schlapphüte in Diensten von HP wenig zimperlich: Sie gaben sich gegenüber Telekom-Firmen als Verwaltungsratsmitglieder und Journalisten aus und erhielten so die Einzelaufschlüsselung der Anrufe.

Die HP-Spione führten ihren Auftrag erfolgreich aus und legten das Leck offen. Doch für HP entwickelte sich der Bespitzelungsauftrag zum größten Skandal in der 67-jährigen Firmengeschichte. Die Spionageaffäre kostete Verwaltungsratschefin Dunn und drei weiteren HP-Spitzenmanager den Job. Zudem zahlte HP 14,5 Millionen Dollar für die Einstellung eines Zivilverfahrens. In einer Stellungnahme wies HP damals ausdrücklich darauf hin, dass die Zahlung kein Schuldeingeständnis sei. Doch dieser Begründung wollten die meisten Berichterstatter nicht folgen.

Unfeine Revanche von Ex-Chefin Carly Fiorina

Wie im Fall Telekom brachte der Skandal auch den Konzernchef in Bedrängnis. HP-Chef Mark Hurd räumte im September 2006 ein, dass er von den Detektiven wusste. Seiner Karriere verpasste das einen Knick. Doch Hurd hielt sich bis heute im Sattel.

Die ehemalige HP-Chefin Carly Fiorina – die zufällig im selben Jahr wie Dunn gehen musste – revanchierte sich für den Skandal auf unfeine Art: Ende Oktober brachte sie ein Buch auf den Markt, in dem sie mit pikanten Details über den HP-Aufsichtsrat punktete. Ein dilettantisches, kindisches Gremium sei das gewesen, urteilte Fiorina. Ihr Buch trug übrigens einen passenden Titel: „Tough Choices“, zu deutsch „Schwierige Entscheidungen“.

Die stehen nun auch Telekom-Chef René Obermann bevor. Bislang betonte Obermann, in die Affäre nicht verwickelt zu sein. Für Außenstehende ist allerdings schwer vorstellbar, dass der langjährige Chef der Mobilfunk-Sparte nichts von den Spitzelaufträgen der Telekom-Spitze ahnte.

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