Telekom-Spitzelaffäre: Weshalb Ermittler Zumwinkel und Ricke im Visier haben

Telekom-Spitzelaffäre: Weshalb Ermittler Zumwinkel und Ricke im Visier haben

Bild vergrößern

Klaus Zumwinkel (links) und Kai-Uwe Ricke (rechts): Die Wohnsitze der beiden einstigen Topmanager wurden heute von Ermittlern durchsucht.

Die Justiz greift nach Deutschlands einstigen Topmanagern Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke. Ermittler haben ihre Wohnsitze in Italien und Deutschland durchsucht. wiwo.de erklärt, warum Ricke und Zumwinkel im Mittelpunkt der Telekom-Spitzelaffäre stehen.

Der eine hat nach einer Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung Deutschland den Rücken gekehrt, um den anderen ist es still geworden, seit er den Chefposten bei der Telekom an René Obermann übergeben hat. Nun hat die Vergangenheit den ehemalige Post-Chef Klaus Zumwinkel und der frühere Telekom-Boss Kai-Uwe Ricke wieder eingeholt.

Was die beiden so unterschiedlichen Manager-Typen eint, ist ihre nach wie vor ungeklärte Rolle bei der Telekom-Spitzelaffäre. Im Mai 2008 flog eine illegale Spitzelaktion auf, die der Telekom bis heute zusetzt: Weil immer wieder brisante Informationen an die Presse gelangten, hat die Telekom-Führungsspitze zwischen 2005 und 2006 die Verbindungsdaten von Aufsichtsräten, Betriebsräten und Journalisten ausgewertet.

Anzeige

Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel seit Mai 2008

Wie die WirtschaftsWoche im Mai 2008 aufdeckte, hatte die Bespitzelung bei der Telekom eine lange Tradition. So ließ die Telekom-Spitze im Dezember 1996  in 121 Fällen vermeintliche Hacker illegal abhören. Der interne Lauschangriff erfolgte ohne richterliche Anordnung oder Befugnis.

Mit der Abhöraktion Mitte der 1990er-Jahre haben Ricke und Zumwinkel nichts zu tun – wohl aber mit den Ausspähungen in den Jahren 2005 und 2006. Seit Auffliegen der Affäre wird gegen Ricke und Zumwinkel ermittelt. Vor vier Jahren waren beide am Höhepunkt ihrer Macht. Zumwinkel, der als Chef der Deutschen Post zu einem der meistgeachteten Manager Deutschlands aufgestiegen war, stand gleichzeitig dem Telekom-Aufsichtsrat vor. Kai-Uwe Ricke kämpfte damals um sein Verbleiben auf dem Telekom-Chefsessel.

Interner Bericht belastet Zumwinkel schwer

Im Mai 2008 erstattete die Deutsche Telekom Strafanzeige, um die Bespitzelungen der Jahre 2005 und 2006 zu untersuchen. Ein Bericht der Kanzlei Oppenhoff & Partner, den die Telekom nach wochenlanger Geheimhaltung erst Mitte Februar 2009 veröffentlicht hat, erhärtet den Verdacht, dass Zumwinkel die Auswertung der Verbindungsdaten selbst angeordnet hat. Dem Dossier zufolge hat der Leiter des Bereichs KS 3 der Konzernsicherheit, der in zwischen in Untersuchungshaft sitzende Klaus Trezschan, den Auftrag zu Ermittlungen direkt von Zumwinkel und dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke erhalten. Zumwinkel verband dies mit der strikten Anweisung, auch gegenüber Vorgesetzten Stillschweigen zu bewahren.

Der Verfasser des internen Berichts gehen davon aus, dass es einen direkten Kontakt zwischen Trezschan und Zumwinkel gab. Der normale Dienstweg sei nicht ausnahmseweise, sondern planmäßig umgangen worden. Unter den 60 Betroffenen der Bespitzelungsaktionen waren auch die WirtschaftWoche-Redakteure Jürgen Berke und Thomas Kuhn.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%