Telekommunikation: China greift Europas Kommunikationsmarkt an

Telekommunikation: China greift Europas Kommunikationsmarkt an

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China greift an

von Jürgen Berke

Targeting. Das englische Wort bedeutet Anpeilen, Angreifen und Ausschalten. Mit dieser Strategie wollen chinesische Unternehmen weltweit Zukunftsmärkte erobern. Vorreiter ist der bis vor Kurzem unbekannte Netzausrüster Huawei, der mit brachialen Methoden arbeitet.

Mit einer bisher nicht gekannten Aggressivität greifen zwei Neulinge, die noch vor Kurzem völlig unbekannten Unternehmen Huawei und ZTE, die europäischen Marktführer beim Bau von Telekommunikationsnetzen an. Nicht nur der finnisch-deutsche Netzausrüster Nokia Siemens Networks, auch der schwedische Marktführer Ericsson und die französisch-amerikanische Alcatel-Lucent fühlen sich ein ums andere Mal überrollt – von Dumpingpreisen, Niedriglöhnen und Milliardenstaatskrediten, mit denen Huawei und ZTE ihnen einen Großauftrag nach dem anderen wegschnappen.

Der Angriff von Huawei auf die Bel­etage der Branche hat weitreichende Folgen. Einer der wichtigsten Zukunftsindustrien in Europa mit insgesamt 200 000 Beschäftigten droht der Absturz. Bereits im vergangenen Jahr mussten Ericsson, Nokia Siemens Networks und Alcatel-Lucent ihre Kapazitäten stutzen und mehr als 10 000 Arbeitsplätze abbauen. Mehrfach haben sich Vorstände von Ericsson und Nokia Siemens Networks mit dem Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, getroffen, um Schutzmaßnahmen zu diskutieren. Doch bislang will die EU-Kommission nicht einschreiten.

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Viel Zeit bleibt Brüssel nicht, denn bald werden die nächsten Milliardenaufträge vergeben. Nach der Mobilfunkauktion, die am 12. April starten soll, wollen die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica/O2 und die zur niederländischen KPN gehörende E-Plus noch schnellere Mobilfunknetze bauen. Huawei rechnet sich beste Chancen aus, die bislang vorherrschende Technik von Ericsson und Nokia Siemens Networks mit Billigofferten aus dem Feld zu kicken. Mindestens einen, wenn nicht sogar zwei oder drei Großaufträge wollen die Chinesen ergattern.

Angriff mit Kampfpreisen

Huawei macht Offerten, die eigentlich keiner ausschlagen kann:

Die Chinesen arbeiten mit Kampfpreisen in Form von Rabatten „in der Größenordnung von 30 bis 40 Prozent“, sagt Mark Natkin, Chef der Beratungsfirma Marbridge Consulting in Peking. Um diese Beträge liegen die Angebote dann unter den Angeboten westlicher Wettbewerber. Huawei erkauft sich so systematisch den Eintritt in neue Märkte und neue Marktanteile.Staatliche Exporthilfen wie der im vergangenen Jahr vergebene Kredit der landeseigenen China Development Bank in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar erlauben Huawei die Gewährung großzügiger Zahlungsfristen. Damit helfen sie ihren Auftraggebern, den Telekommunikationsanbietern, die angesichts klammer Banken nur schwer Kredite für den Aufbau neuer Infrastruktur erhalten würden.Huawei schickte sogar eigene Techniker mit Touristenvisum nach Europa, die sich an keine Tarifverträge und Arbeitsschutzvorschriften halten müssen. Die Chinesen schufteten bis spät in die Nacht und wurden nach drei Monaten von frischen Trupps aus der Heimat abgelöst.

Geheimdienstler runzeln die Stirn

Auch deutsche Geheimdienstler runzeln die Stirn, wenn der Name Huawei fällt, und warnen vor dem Einsatz in sicherheitskritischen Bereichen. Durch Hintertüren in den von Huawei gelieferten Netzbauteilen könnten chinesische Spione in die Netze eindringen und sich – ohne dass es auffällt – Firmengeheimnisse beschaffen. Beweise gibt es bisher nicht.

Auffällig ist aber, dass Huawei seine Ziele sehr genau anpeilt. Dort, wo es viel auszuspähen gibt, machen die Chinesen besonders aggressive Angebote. Als einer der Ersten setzte das Deutsche Forschungsnetz (DFN), das Universitäten und Forschungseinrichtungen miteinander verbindet, Technik von Huawei ein – und ließ sich nicht davon abbringen, als das Kanzleramt Sicherheitsbedenken vorbrachte: Der Preis war einfach zu gut.

Mit welchen aggressiven Methoden Chinas Unternehmen expandieren, lesen Sie in der neuen Ausgabe der WirtschaftsWoche ab 22.3. im Kiosk

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