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Telekommunikation: Knoten in der Warteschleife

von Jürgen Berke

Um die kostenlose Warteschleife ist ein politischer Streit entbrannt. Eine neue Gesetzesvorschrift stößt auf große Vorbehalte in der Industrie. Die betroffenen Unternehmen sprechen von Chaos und großen wirtschaftlichen Einbußen.

Telefon Quelle: Fotolia
Telefon Quelle: Fotolia

Die Bundesregierung erfüllte einen lang gehegten Wunsch der Verbraucherschützer. Die bei Hotlines und anderen telefonischen Servicediensten so lästigen Warteschleifen müssen ab dem kommenden Jahr kostenlos sein. Abzocken durch Gebührenfallen bei 0900er-Nummern soll dann nicht mehr möglich sein. Das jedenfalls sieht der vom Bundeskabinett verabschiedete Entwurf eines neuen Telekommunikationsgesetzes vor, das noch in diesem Jahr von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden soll.

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Doch die gute Idee stellt die Service-Branche vor große Probleme. Denn ungelöst ist nach wie vor, wie denn solch eine Gesetzesvorgabe technisch umgesetzt werden soll.  Darauf wies gestern der Deutsche Verband für Telekommunikation und Medien (DVTM) bei  einem Treffen mit Bundestagsabgeordneten hin. Vor allem in der gesetzlich verordneten Frist von zwölf Monaten sei die Umstellung nicht zu schaffen, warnt DVTM-Vorstandsvorsitzender Renatus Zilles in einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Das dadurch entstehende Chaos könnte der Branche schweren wirtschaftlichen Schaden  zufügen.

Kritik am Gesetzesentwurf

Rückendeckung bekommen die im DVTM zusammengeschlossenen Unternehmen vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (Wik) in Bad Honnef.  Auch Wik-Geschäftsführer Karl-Heinz Neumann hält die im aktuellen Gesetzentwurf aufgenommen Regelungen für nicht ausreichend, um die kostenlose Warteschleife innerhalb von zwölf Monaten zu realisieren. Dies ist das Ergebnis  einer  Machbarkeitsstudie.  "Der Gesetzgeber nimmt dem Verursacherprinzip folgend die Diensteanbieter in die Verantwortung , ohne ihnen jedoch die Möglichkeit zu geben, dieser Verantwortung gerecht zu werden", kritisiert Neumann. "Den Diensteanbietern müsste die Preissetzungshoheit über die von ihnen angebotenen Dienstleistungen gewährt werden."  Doch das sei  im vorliegenden Gesetzentwurf nicht der Fall. 

Service-Wirtschaft setzt 13 Milliarden Euro um

Völlig ungelöst sei, wie bei Anrufen aus den Mobilfunknetzen eine kostenlose Warteschleife funktionieren soll. Die Gebühren für Anrufer vom Handy seien deutlich höher, ohne dass dieser Preisaufschlag durch höhere Übertragungskosten in Mobilfunknetzen gerechtfertigt ist.

Der DVTM schlägt deshalb vor, die bereits im Festnetz übliche nachgelagerte Abrechnung (Fachjargon: Offline-Billing) auch im Mobilfunk einzusetzen. Mit dieser Abrechnungsart können kostenlose Wartschleifen für alle Netze eingerichtet werden, ohne dass die Betreiber eine neue Technik implementieren müssen. Da alle Mobilfunkbetreiber über Tochterunternehmen im Festnetz verfügen und diese Abrechnungsart bereits im Festnetz praktizieren, meint der DVTM, könne dieses Verfahren vergleichsweise einfach und schnell auch im Mobilfunk eingeführt werden. „Diese Lösung ist innerhalb der von der Politik geforderten zwölf Monate umsetzbar“, sagt der DVTM-Vorstandsvorsitzende Zilles. Allerdings blockierten die Mobilfunkbetreiber nach Ansicht des DVTM bislang diesen Vorschlag, weil sie Umsatzeinbußen befürchten.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Servicerufnummern wird oft unterschätzt. Allein in den Unternehmen, die solche Servicerufnummern einsetzen, sind  300.000 Menschen tätig. Mittel- und unmittelbar erwirtschaften diese Beschäftigten ein Umsatzvolumen von 13 Milliarden Euro.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.10.2011, 23:43 UhrAnonymer Benutzer: Wo bleibt der Service ?

    Mir ist aus Kunden- bzw. Verbrauchersicht total egal, welche Kosten dem Unternehmen entstehen.
    ich bin Kunde...ich bin auch derjenige, der das Unternehmen bezahlt! Also bitteschön- soll sich das Unternehmen Gedanken machen...Egal ob ich von Mobiltelefon aus oder von meinem Festnetztelefon aus anrufe, als Verbrauche sollte ich,wenn ich schon warten muss nicht auch noch bezahlen müssen! Kleiner Vorschlag zur Güte: 2 Nummern, eine direkte Nummer, bei der ich nicht warten muss, gerne eine 0180er und eine 0800-Nummer, bei welcher ich eventuell einige Minuten warten muss.

  • 19.10.2011, 14:01 UhrAnonymer Benutzer: eipott

    12(!) Minuten in der Warteschleife einer 0180-5...Nummer. Es geht um eine Reklamation. Der erste Satz der CallCenter-Mitarbeiterin nach Schilderung des Falles: Da kann man jetzt gar nichts tun. Man möge doch bitte am Montag wieder anrufen. Die Forderung, das Unternehmen (nicht das CallCenter, leider bedienen sich Unternehmen ja fast nur noch Fremdfirmen, anstatt selbst einen echten Kundendienst zu bieten) solle sich am Montag bis 17 Uhr melden, ansonsten werde der Rechtsweg beschritten, wird beschieden mit dem Hinweis, man gebe dies so weiter. An wen, diese Auskunft erhält man nicht. Da sich bis Mittwoch niemand gemeldet hat, ist davon auszugehen, daß gar nichts weitergegeben worden ist, sondern die ganze Angelegenheit wohl dem Papierkorb einverleibt worden ist. Aus Gründen wie diesen bin ich seit langem gegen jegliche Form der Kunden"betreuung" per CallCenter. Unternehmen haben meines Erachtens die Pflicht, sich der zahlenden Kunden diensteifrig im eigenen Haus anzunehmen und sie nicht abzuschieben in irgendwelche CallCenter, denen in der Regel Kundenprobleme nicht sehr wichtig sind. Geht sie das Ganze letztendlich ja gar nichts an. Seitdem es sogenannte Service-Nummern gibt, seitdem gibt es praktisch keinen echten Service mehr.
    Wenn ein Unternehmen mit zahlenden Kunden die Erlöse aus Mehrwert-Nummern benötigt, macht es offensichtlich etwas falsch oder es will radikale Gewinnmaximierung. beides geht in jedem Fall zu Lasten (Zeit, Geld, Nerven) des Verbrauchers.

  • 18.10.2011, 16:50 UhrAnonymer Benutzer: CallCenterWilli

    ich kenne den inbound. Unsere Auftraggeber brauchen Geld - auch für unseren geringen Lohn. Dennoch: bezahlt werden sollte allein die Dienstleistung und nicht die Wartezeit. Wer das nicht im Gesetz berücksichtigt, hat keine Ahnung von dem Prozess, den er gesetzlich regeln will. Schnellschüsse sind zwar typisch aber nicht wünschenswert.

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