Telekommunikation: Neue Köpfe bei E.On

Telekommunikation: Neue Köpfe bei E.On

von Andreas Wildhagen

Mit Telekom-Chef Rene Obermann und der Britin Denise Kingsmill ziehen frisches Know-How in den Aufsichtrat von E.On

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Telekom-Chef Rene Obermann ist jetzt im Vorstand von E.On

Dass Rene Obermann mit der Hauptversammlung am 5. Mai in den Aufsichtsrat von E.On einzieht, ist für viele Beobachter keine große Überraschung. Verblüffter waren viele Insider dafür bei der Ankündigung von E.On-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann, auch die Wahlengländerin Denise Kingsmill in das Kontrollgremium zu berufen. Mit Kingsmill, einer Baronesse, die dem britischen Oberhaus angehört und der Labour-Partei nahesteht. "Vom Oberhaus ins Oberstübchen von E.On", lästerte ein Brancheninsider. Kingsmill war früher Chefin der britischen Wettbewerbskommission und hat weitreichende Erfahrung mit dem angloamerikanischen Kartellrecht. Sie bringt neues Know-how in das Kontrollgremium. So kann E.On auch ohne den doch häufig sehr teuren Rat seiner Rechtsberater wie die internationale Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer auskommen.

Ehrgeizige Pläne erfordern Top-Know-How

Mit Obermann hat sich E.On einen Spitzenmanager der deutschen Industrie ins Haus geholt, der viel versteht von Deregulierung der Märkte. Nur leider funktioniert es im Strommarkt nicht so wie seit über einem Jahrzehnt bei der Telefonie. Doch eigentlich braucht E.On einen Mann wie Obermann im Aufsichtsrat nicht - streng genommen. Denn in den Wettbewerbs-, Kartell- und Deregulierungsabteilungen in der trutzigen Düsseldorfer E.On-Zentrale am Rhein, arbeiten bereits ehemalige Manager von Telefon- und Mobilfunkfirmen. E.On-Vorgänger Veba war man an einem solchen Telefonunternehmen beteiligt, hat sich äußerst profitabel vor einem Jahrzehnt davon getrennt und hat viele Manager im Haus behalten - einfach, um das Mangementgedächnis für die Telekommunikation im Haus zu behalten.

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Doch ehrgeizige Pläne wie die Einführung von intelligenten Stromzählern und neuen Marketingkonzepten, die smart grids, also intelligente Netze, für die Stromwirtschaft flächendeckend einführen wollen, machen Top-Know nötig. Kann man bald mit dem Handy den Stromverbrauch ablesen oder gar regeln? Das sind seit langem Fragen, die sich die Energiemanager stellen. Dafür brauchen Konzerne wie E.On allerdings auch mächtige Partner - die Telekom bietet sich an. Da ist dann Rene Obermann genau der richtige in Reichweite des Aufsichtsratslenkers - und auch des Vorstandschefs.

Die Annäherung von Stromversorgern und Telefonunternehmen ist neu. Nachdem sich zu Anfang des vorigen Jahrzehnts alle Versorger sich von ihren Telefongesellschaften trennten - auch RWE hatte sich mit der Veba einen Mobilfunker zugelegt - geht das Pendel nun wieder zurück. Stromkonzerne suchen das Know-how der Telefonunternehmen und entdecken die technischen Möglichkeiten ihrer Netze neu. Der E.On-Konkurrent RWE hat den Bau und die anschließende Vermietung von Glasfaser-Netzen als Zusatzgeschäft entdeckt und ist eine erste Kooperation mit Vodafone eingegangen. Für RWE gilt wie für E.On: Die Versorger könnten vorhandene Leerrohe und Schächte vermarkten.

Nun wird Obermann im E.On-Aufsichtsrat nicht das Leerrohr-Management übernehmen, aber seine Berufung in den Aufsichrat sind ein Symbol für die enormen Marktchancen und die Potenz einer Kooperation zwischen Telefon- und Energieunternehmen im noch stockenden Stromwettbewerb in Deutschland.

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