Telekommunikation: Telekom erwartet dramatischen Einbruch im traditionellen Telefongeschäft

Telekommunikation: Telekom erwartet dramatischen Einbruch im traditionellen Telefongeschäft

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Telekom-Chef René Obermann

von Jürgen Berke

Der Konzern erwartet einen dramatischen Einbruch im traditionellen Telefongeschäft. 60 Prozent der traditionellen Telefonumsätze könnten bis 2012 verschwinden. Das alte Telefonnetz verliert schneller an Bedeutung als erwartet.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Telefongeschäft das Rückgrat der Deutschen Telekom. Noch im Geschäftsjahr 2007 steuerten die Kunden der Sparte T-Home, die nur über traditionelle Analog- oder ISDN-Anschlüsse telefonieren, knapp die Hälfte des Festnetzumsatzes in Deutschland in Höhe von damals 20 Milliarden Euro bei. Jetzt bricht genau dieser Umsatz weg – schneller als von der Telekom befürchtet.

Das geht aus der jüngsten Mittelfristplanung hervor, die der Konzern für die Prognosen zur Verschmelzung von T-Home und T-Mobile vor der außerordentlichen Hauptversammlung am 19. November erstellte. Demnach drohen der Telekom „starke Rückgänge in den klassischen Marktsegmenten Telefonieanschlüsse und -verbindungen“. Die internen Prognosen zeigen, das rund 60 Prozent der traditionellen Telefonumsätze bis 2012 aus der Bilanz verschwinden. Statt 9,3 Milliarden Euro wie im Geschäftsjahr 2007 spülen die Telefonkunden im Jahr 2012 nur noch 3,6 Milliarden Euro in die Kasse.

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Damit verliert das alte Telefonnetz deutlich schneller an Bedeutung als erwartet. Der Grund: Ein Großteil der 28 Millionen Haushalte mit langsamen Analog- und ISDN-Anschlüssen wechselt schon in den nächsten Jahren zu den schnelleren Breitbandanschlüssen (DSL, Kabel, Glasfaser). Dort aber liefern sich so viele Anbieter Preiskämpfe, dass der Breitbandboom nur einen Teil der Verluste im Telefongeschäft ausgleichen kann. Bis 2012 rechnet die Telekom dort mit einem eher geringen Marktwachstum von 7,1 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf 9,8 Milliarden Euro im Jahr 2012.

Vorbereitung auf tiefe Einschnitte

Der Siegeszug der Breitbandanschlüsse eröffnet der Telekom allerdings die Chance, früher als bisher geplant den teuren Parallelbetrieb von alter und neuer Technik im Festnetz zu beenden und viele Vermittlungsstellen eher abzuschalten. Die neuen, für die Breitbandanschlüsse entwickelten internetbasierten Universalnetze lassen sich nahezu vollautomatisch ohne den bisherigen Personalaufwand betreiben. Vor allem ein technischer Außendienst ist bei einmal eingerichteten Anschlüssen fast nicht mehr erforderlich.

In einer im Intranet veröffentlichten Antwort an einen besorgten Mitarbeiter bereitet Friedrich Fuß, der für das Festnetz zuständige Bereichsvorstand, seine Techniker auf tiefe Einschnitte vor: „Durch verstärkte Automatisierung, eine größere technische Stabilität sowie die zunehmende Sättigung des DSL-Marktes werden die Arbeitsmengen im Innen- und Außendienst deutlich zurückgehen.“ Konzernchef René Obermann will im Februar alle Details des neuen Sparprogramms vorstellen.

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29 Kommentare zu Telekommunikation: Telekom erwartet dramatischen Einbruch im traditionellen Telefongeschäft

  • 3 mal hoch auf Voice over iP - der trend ist nicht mehr zu bremsen und wird auch in der mobilfunk branche noch etliche arbeitsplätze kosten, die teure vermittlungstechnik hat ausgedient, und mal wieder auf kosten der arbeitskräfte und sprachqualität.

    Es muß endlich ein umdenken beginnen, und für jede technik die arbeitsplätze vernichtet auch steuern erhoben werden, und jeder der seinen arbeitsplatz durch industrialisierung verliert soll auf lebensende ein grundgehalt beziehen.

    Technik die arbeitsplätze vernichtet ist kein fortschritt, nicht solange der mensch darunter leiden muß, der abbau der mittelschicht geht schreitend voran!

  • genau so ist es richtig. Wieso zockt die DT ihre Kunden preislich so unverschämt ab? Das ist die Quittung!

  • @pepe

    Wenn ich Theorie mal weiterdenke, dann würden wir heute noch Leute von Staats wegen bezahlen, dafür dass sie keine Plattenspieler mehr bauen dürfen oder keine Holzräder mehr verkaufen. bei den Hufeisen würde der Trend gerade drehen: die von Staats wegen bezahlten Hufschmiede wäre weggestorben, die Lasten entfallen und jetzt braucht es wieder mehr Hufschmiede, die aber jemand ablehnt weil er keine neuen Rentenlasten aufbauen will.

    Verdeutlicht auch nur ansatzweise, wie rückwärts gerichtet so eine Denkweise ist?

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