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Telekommunikation: Telekom: Obermann plant radikalen Netzumbau

von Jürgen Berke

Mit einem radikalen Netzumbau will der Telekom-Chef René Obermann Milliarden Euro sparen – auf Kosten der Wettbewerber.

Der Druck auf Telekom-Chef Quelle: dpa
Der Druck auf Telekom-Chef René Obermann steigt: Zwar ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Spitzel-Affäre nicht gegen den Manager, dennoch hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ihn und weitere Kollegen andere Telekommunikationsanbieter für Montag ins Ministerium bestellt Quelle: dpa
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Die Deutsche Telekom steht vor dem größten Netzumbau ihrer Unternehmensgeschichte. Bis 2014 will Obermann weite Teile Deutschlands mit Glasfasernetzen modernisieren, die traditionelle Telefonvermittlung durch nahezu vollautomatische Internet-Techniken ersetzen und rund 7000 der insgesamt 7900 Schaltstellen im gesamten Bundesgebiet schließen. Das geht aus einem vertraulichen Papier hervor, das Telekom-Vorstand Timotheus Höttges, zuständig für die Festnetzsparte T-Home, Konkurrenzunternehmen vorgelegt hat. Demnach will die Telekom bis 2014 ihre Netzstruktur drastisch straffen und dadurch Personal- und Übertragungskosten in Milliardenhöhe einsparen. Die Telekom-eigenen Kupfer- und Glasfaserkabel mit derzeit mehr als 1,8 Millionen Kilometern Gesamtlänge sollen dann nur noch in 900 hochmodernen, zentralen Hauptverteilern zusammenlaufen, die alle Verbindungen zwischen den Kunden der Telekom und der Konkurrenten schalten. Gleichzeitig würde die Telekom damit jenen Konkurrenten, die in eigene Infrastruktur investieren, die Wettbewerbsgrundlage entziehen.

Unternehmen wie die Vodafone-Tochter Arcor, Telefónica und QSC besitzen zwar eigene Leitungen. Für den Zugang zu den Hausanschlüssen – die sogenannte letzte Meile – nutzen sie aber rund 4000 Schaltstellen der Telekom und erreichen so mittlerweile 70 Prozent der deutschen Haushalte. Doch damit könnte Schluss sein, wenn die Telekom ihre Pläne verwirklicht und Schaltstellen schließt. Einen Teil der Technik verlagert der Konzern in die bundesweit über 325.000 Verteilerkästen, die an den Straßenrändern stehen. Dort gibt es aber keinen Platz für konkurrierende Anbieter. Auch einen Parallelbetrieb von altem und neuem Netz sieht der Telekom-Plan nur für eine kurze Übergangszeit vor. Sobald nur noch sieben Millionen Haushalte die traditionellen Analog- oder ISDN-Anschlüsse nutzen, will die Telekom das alte Netz komplett abschalten und die Kunden „zwangsmigrieren“, wie es bei der Telekom-Festnetzsparte T-Home heißt. Derzeit nutzen noch 29 Millionen Haushalte das alte Netz.

Die Telekom versteht ihre Umbaupläne als „erstes Diskussionspapier“ für weitere Gespräche mit den Konkurrenten und der Bundesnetzagentur, die für Ende August terminiert sind. Trotzdem sind die Wettbewerber alarmiert. „Die Telekom zieht alle Vorteile aus dem Netzumbau“, kritisiert etwa Netcologne-Chef Werner Hanf. „Und den Konkurrenten werden alle Nachteile aufgebürdet.“ Ihnen würden Wertberichtigungen von rund einer Milliarde Euro drohen, zeigen Berechnungen von Netcologne. Denn viele Infrastruktur-Investitionen würden sich bis zur Schließung der Schaltstellen nicht amortisieren. Dagegen kann die Telekom auf Sondererlöse von bis zu 3,5 Milliarden Euro hoffen – durch einen Verkauf der dann frei werdenden Immobilien-Standorte. Die Organisationen der Konkurrenten, der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten und der Bundesverband Breitbandkommunikation, fordern deshalb längere Übergangsfristen von mindestens sieben Jahren oder Ausgleichszahlungen an die betroffenen Unternehmen. Die Telekom lehnt dies ab.

Netcologne hat inzwischen schon einen „Antrag auf Anordnung von Entgeltaufschlägen“ bei der Bundesnetzagentur gestellt. Für jedes Gespräch, das bei Netcologne-Kunden künftig ankommt, fordert sie von der Telekom 0,8 Cent pro Minute.

29 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.11.2008, 13:21 UhrAnonymer Benutzer: Offenbach

    ich frage mich warum immer auf den beamten rumgeprügelt wird, sie waren diejenigen die den Konzern aufgebaut und geprägt haben und sollen jetzt abgeschoben werden. Wenn der Regulierer nicht sooft zu Ungunsten derTelekom entschieden hätte sähe das Spiel anders aus.
    Telekom subventioniert unfreiwillig die anderen Anbieter da man ihr die Preise diktiert.

  • 21.10.2008, 21:56 UhrAnonymer Benutzer: heiner

    Ja, die Telekom. bin Rentner und habe T-Aktien. Als Dividende
    möchte ich 7 % vom Unternehmen haben. billig telefonieren
    möchte ich auch. Die Mitarbeiter sollen aber auch gut verdienen
    und es soll auch keiner entlassen werden.

    So, sehr geehrter Herr Overmann, nun legen Sie mal los !

  • 24.08.2008, 14:42 UhrAnonymer Benutzer: redsox

    Zielführend ist der Aufbau der iP-netzbasierenden, breitbandigen Server Vermittlung als alternative Technik zu der heutigen digitalen SWFD Technik für iSDN und analoge Ports allemal. bedenkt man den Aufwand der Pflege und Schaltung in diesen Netzen durch eigenes Personal, ist dies nicht betriebswirtschaftlich umsetzbar.Ergo, neue technik, Leute weg! Die betrifft die Technik Netze GmbH wie die Technical Services GmbH. Also die Techniker vor Ort. Ein Subunternehmer erhält zukünftig für die unterstützende Montage beim Kunden zb. 30Euros. Die Vorhaltung eigenen Personals für solche Tätigkeiten ist sehr teuer. Die Reduktion bis 2014 in die iP basierte Telekom Welt kostet summasummarum 25 Tsd Mitarbeiterinnen/en den Job. Ergo muss ab sofort mit den Maßnahmen begonnen werden. Ab sofort müssen die MA raus. So oder so. Wer freiwillig geht, bekommt Geld. Wer nicht freiwillig geht, bekommt den Knüppel in die beine. Der Staat hat seine Versorgungspflicht gegenüber den beamten im Unternehmen Telekom zu gewährleisten. Die beamten berufen sich mit Recht darauf. Nicht zu beziffern ist der Schaden, wenn die Leute in die Krankheit getrieben werden. Wir wissen, beamte bekommen unter beibehaltung der bezüge, wenn notwendig, drei Jahre oder länger ihre volle besoldung im Krankheitsfall. Auch dies wird seitens des Vorstandes einkalkuliert. Monitäre Rückstellungen federn dies ab.
    Die Telekom wird in allen ihren Sparten tranchiert und filettiert. Und ist letztendlich "gegessen" und verspeist. Ziel: ohne MA Geld verdienen, damit die begehrlichkeiten von blackstone & Co, befriedigt werden. Volkswirtschaftlich eine Schande.

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