Telekommunikation: Verdacht: Telekom-Manager gründeten eigene Shops für Provisionsbetrug

Telekommunikation: Verdacht: Telekom-Manager gründeten eigene Shops für Provisionsbetrug

von Michael Kroker und Jürgen Berke

Telekom-Manager haben Callcentern und anderen Vertriebspartnern nicht erlaubten Zugriff auf Kundendaten gewährt und das Provisionssystem des Konzerns durch Gründung eigener Callcenter und Handyshops ausgenutzt, die verdeckt auf den Namen von Verwandten liefen.

Das geht aus Unterlagen der Bonner Staatsanwaltschaft und aus streng vertraulichen Unterlagen der Telekom hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

In dem internen Abschluss-Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zu einem Datenskandal bei der Handyshop-Kette dug werden zudem zwei führende Manager der Telekom-Tochter T-Mobile genannt, die wussten, dass Vertriebspartner iZugriff auf Kundendaten hatten.

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Der Bericht, den die WirtschaftsWoche einsehen konnte, nennt unter anderem den damaligen für den Handel zuständigen T-Mobile-Bereichsleiter Sascha Hancke, heute Vertriebschef des koreanischen Handy-Herstellers LG. Telekom-Vorstand Manfred Balz hat deshalb in seinem 34-Punkte-Plan zur Bewältigung der Datenaffäre vorgeschlagen, im Vertriebsmanagement die Rotation einzuführen.

Der frühere T-Mobile-Manager Hancke soll nach dem vertraulichen PwC-Bericht „Kenntnisse“ davon gehabt haben, dass die von Debitel übernommene Handyshop-Kette dug auch über Callcenter DSL-Anschlüsse vermarktete.

Die dug-Manager hatten alle 400 Shops, die vor allem in Ostdeutschland aktiv waren, mit den notwendigen Kennungen und Zugangscodes ausgestattet und die dann an Callcenter weitergereicht. Davon könnte unter anderem Hancke gewusst haben, so PwC in dem Bericht. Als PwC die betroffenen Manager befragen will, untersagt die Telekom die Gespräche.

Auf Anfrage der WirtschaftsWoche räumt die Telekom ein, dass einzelne T-Mobile-Mitarbeiter Kenntnis vom vertragswidrigen Verhalten des Vertriebspartners hatten. „Ein Mitarbeiter wurde abgemahnt, ein anderer hat das Unternehmen zwischenzeitlich verlassen“, heißt es offiziell.

Der heutige LG-Manager Hancke hat die Vorwürfe gegenüber der WirtschaftsWoche zurück gewiesen: „Die Revision konnte bei mir kein Fehlverhalten feststellen“, so Hancke. Es sei sogar seine Initiative gewesen, dass einer seiner Mitarbeiter eine Abmahnung bekommen hätte.

Ausuferndes Vertriebssystems

Aus Unterlagen der Bonner Staatsanwaltschaft und streng vertraulichen Dokumenten der Telekom geht zudem hervor, dass Manager das ausufernde Vertriebssystems des Konzerns ausgenutzt haben, um selbst von Provisionszahlungen für Neukunden und Vertragsverlängerungen zu profitieren.

Aus den Akten der Staatsanwaltschaft geht hervor, dass Manager unter dem Namen von Verwandten eigene Shops und Callcenter gründeten, um selbst DSL-Anschlüsse zu verkaufen.

Dabei zweigten sie die Provisionen ihres Arbeitgebers Telekom in die eigene Tasche ab und beteiligten sich damit, so der Verdacht der Staatsanwalt, am Provisionsbetrug.

Um solche Methoden künftig zu verhindern, enthält der 34-Punkte-Plan von Telekom-Vorstand und Chefaufklärer Manfred Balz auch den Vorschlag, im Management das Rotationsprinzip einzuführen. Balz hat laut WirtschaftsWoche dem Vorstand vorgeschlagen, dass alle Key-Accounter im Vertrieb nach wenigen Jahren ihre Position wechseln müssen.

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