Telekommunikation: Welche Konsequenzen der Telekom aus dem Spitzelskandal drohen - Seite 3

Telekommunikation: Welche Konsequenzen der Telekom aus dem Spitzelskandal drohen

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Nur war das Objekt der Neugier damals fast noch brisanter. Denn die Schlapphüte in Diensten der Post spionierten schamlos die Staatsgewalt aus, nämlich die heutige Bundesnetzagentur, eine Behörde des Bundeswirtschaftsministeriums. Die fördert seit der Aufspaltung der früheren Bundespost in einen Brief- und Paketbeförderer sowie in eine Telefongesellschaft seit 1998 den Wettbewerb, indem sie die Preise der einstigen Monopolisten festlegt und Konkurrenten auf den Markt lässt.

Diese vom Gesetzgeber erwünschten Aktivitäten störten Zumwinkel offenbar dermaßen, dass seine Leute Spitzel auf Schlüsselfiguren der Behörde ansetzten. Zu den „Zielpersonen“, wie dies im Geheimdienstjargon heißt, zählten Präsident Klaus-Dieter Scheurle, dessen damaliger Pressesprecher sowie zwei Spitzenbeamte. Der eine von ihnen war zuständig für die Festsetzung des Briefportos, der andere – mit Namen Christian Boettcher – entschied über die Beschwerden von Wettbewerbern über die Post.

Am heftigsten ausgespäht wurde nach heutigen Erkenntnissen Boettcher, der über dem ganzen Skandal seinen Dienst bei der Bundesnetzagentur hinschmiss und sich als Rechtsanwalt niederließ. Offiziell ließ Zumwinkel erklären: „Wir verurteilen das auf das Schärfste und distanzieren uns in aller Form davon.“ Inoffiziell, in einem persönlich-vertraulichen Schreiben an den heutigen Netzagentur-Präsidenten Matthias Kurth, das der WirtschaftsWoche vorliegt, leistete er dagegen Abbitte. Zusammen mit dem damaligen Post-Finanzchef Edgar Ernst, einem langjährigen Weggefährten aus früheren gemeinsamen Zeiten bei der Unternehmensberatung McKinsey, bedauerte Zumwinkel „außerordentlich“, dass es zu der „Beobachtung von Herrn Boettcher“ gekommen sei. Und wörtlich fügte er hinzu: „Wir entschuldigen uns dafür.“

Boettcher war nicht der Einzige, vor dem die Post-Spitze den Kotau machte. Denn zu den elf „Zielpersonen“ auf der Spürliste zählte, was bisher unbekannt ist, auch der Hamburger Anwalt Ralf Wojtek, der für den US-Paketdienst und Post-Rivalen UPS arbeitete und heute dem Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste vorsteht. Der Hanseat hatte Zumwinkel immer wieder Unverdauliches eingebrockt, darunter eine Beschwerde bei der EU-Kommission, durch die die Post schließlich im Jahr 2002 572 Millionen Euro an unerlaubten Subventionen zurückbezahlen musste. Als Wojtek von der Existenz seines Namens auf der Spürliste erfuhr, schaltete er die heutige Bundesnetzagentur ein. Am Ende wurde auch ihm eine Entschuldigung der Post zuteil.

Dass Zumwinkel von solchen Machenschaften, wie er beteuert, selbst nichts gewusst habe, hat nach Meinung von Experten System. Denn brisante Aufträge an Untergebene – ob Informationlecks zu schließen oder Geschäfte mit korrupten Staaten – funktionieren in deutschen Chefetagen allem Anschein nach fast immer nach dem Vogel-Strauß-Prinzip: Kopf in den Sand und andere machen lassen. „Ein Vorstand sagt und fragt in solchen Fällen nie ,Wie‘“, meint ein langjähriger Konzernberater. Um sich rechtlich abzusichern, bestellten Top-Manager vielmehr bei angesehenen Anwaltskanzleien gern juristische Expertisen. Gemessen an den Schadensersatzforderungen, die ein Vorstand andernfalls riskiere, koste derlei „praktisch nichts“.

Obermann muss sich vorsehen. Wenn er nicht alle Altlasten vollständig wegräumt, braucht nur wieder irgendeine Datenpanne passieren, und schon ist er weg vom Fenster. Für die Telekom ist das totale Reinemachen lebenswichtig: Die Kunden steigen zu Reisen in die vollständig vernetzte Welt nur ein, wenn es keine Schwachstellen mehr gibt.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.07.2008, 09:11 UhrAnonymer Benutzer: ElBrute

    So ein blödsinn, der zb von @ Redmaster verzapft wird! Es geht in erster Linie nicht um den Wechsel zu einem - leistungsfähigeren - Mitbewerber der Telekom.
    Den Skandal macht folgendes aus: Die Prophezeiung unserer Politiker, in der modernen Anti - Terror - Gesetzgebungswelt würden nur die auf Daten zugreifen, die von Amts wegen dazu berufen wären, ist ein Märchen. Wo Daten sind, da sind begehrlichkeiten. Ob es die schrittweise Einschränkung des Grundgesetzes ist, ob unsere auch durch blut erkämpften Freiheitsrechte den bach `runtergehen, ob es sich um paranoide und perfide Methoden à la DDR handelt - die Schäubles und solche, die vergessen haben, was GESTAPO und STASi angerichtet haben, sind unter uns. Nur dumm, dass die Telekom als Unternehmen das tut, was laut Schäuble & co nie möglich wäre: Spitzelei ohne Recht und Gesetz. Wer so naiv ist und glaubt, der Staat würde das nicht tun, was die Telekom sich da geleistet hat, der hat da etwas nicht mitbekommen.

    Abhören ohne Rechtsgrundlage oder so? Aber sowas würde ja unser Staat nie tun... gut... ein paar Querköpfe von der Telekom vielleicht, aber dann ist´s auch gut, schliesslich müssen wir ja Terroristen abwehren, da muss man im deutschen Volke wachsam sein und vorbereitet und abhörwillig und ausserdem werden eh nur ein paar schwerkriminelle Terroristen abgehört, bei denen man von vroeherein weiss, dass sie böse sind und ... bla bla bla

  • 26.06.2008, 11:46 UhrAnonymer Benutzer: REdmaster

    So ein blödsinn, der hier verzapft wird! ich wechsele doch nicht einen Anbieter, bei dem ich zufrieden bin, nur weil er "Wirtschaftsspionage" begangen hat. Natürlich ist das eine ernste Sache, aber glaubt der Normalverbraucher wirklich, dass er im Fokus der Sicherheitsabteilung eines Großunternehmens steht?

    Hat irgend jemand sein Siemens-Telefon weggeworfen? Hab bisher von keinem gehört, dass er auswandern wird, wenn die Vorratsdatenspeicherung in der EU/Deutschland in Kraft tritt. Diese stellt die Vorkommnisse bei der Telekom bei weitem in den Schatten!

  • 22.06.2008, 11:16 UhrAnonymer Benutzer: redsocks

    Das Vertrauen in die Firma T geht soweit, dass bereits MA der T bei anderen Anbietern Leistungen einkaufen und monatlich Geld bei der Konkurrenz lassen. Ganz zu schweigen vom Aktien besitz. Das war Geldverbrennung par Excellance für sehr viele MA bei T. Diese haben eh die Schn.... voll und die Loyalität kratzt so kurz über dem Nullpunkt. Was ist aus dem ehemaligen Vorzeigeunternehmen von D geworden? Traurig. Dank den hervorragenden und gut bezahlten Topp- Managern. Eine handvoll Hausfrauen hätten dies besser hingekriegt........

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