Terrorismus: Die Schließung von Sicherheitslücken würde Milliarden kosten - und wenig bringen

Terrorismus: Die Schließung von Sicherheitslücken würde Milliarden kosten - und wenig bringen

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Pakete liegen auf einer Transport-Rutsche

von Christian Schlesiger und Silke Wettach

Der Versuch, sämtliche Sicherheitslücken in den weltweiten Lieferketten zu schließen, würde die Logistikbranche Milliarden kosten. Der Erfolg wäre trotzdem bescheiden.

Die Entdeckung des US-Militärs in der Frachtzone des Bagdader Flughafens war schlimmer als alle Befürchtungen. Zwei Hunde, die tot in ihren Transportboxen lagen, waren vollgestopft mit hochexplosivem Sprengstoff — einschließlich Zünder.

Die Tiere waren nur deshalb vor dem Abflug gestorben, weil die Terroristen die Wunden schlecht zugenäht hatten, wie die anschließende Autopsie ergab. Die Internationale Organisation für Zivile Luftfahrt (ICAO), eine Behörde der Vereinten Nationen, warnte daraufhin alle UN-Mitgliedstaaten in einer Sicherheitsnote vor der neuen animalischen Terrormethode.

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Auch wenn unklar bleibt, wohin die tödliche Fracht gehen sollte: Der Tierversuch im Zweistromland, der am vergangenen Dienstag über die französische Tageszeitung "Le Figaro" an die Öffentlichkeit drang, ist eine Steigerung der Bedrohung, die seit dem Fund explosiver Paketbomben bei den amerikanischen Expressversendern FedEx und UPS vor eineinhalb Wochen in der Welt ist.

Und er enthält für die Logistikunternehmen eine höchst unerfreuliche Botschaft. Terrorexperten, Behörden und Politiker schlagen weltweit Alarm und fordern, die offenkundigen Sicherheitslücken zu schließen. Im Extremfall könnte das die Unternehmen zehn Milliarden Euro und mehr kosten.

Auch wenn UPS und FedEx US-Konzerne sind, betroffen von teuren zusätzlichen Sicherheitsanforderungen wären ganz stark auch deutsche Unternehmen wie die Expresstochter DHL der Deutschen Post,

Frachtflieger wie Lufthansa Cargo und zahlreiche Mittelständler wie Fiege und Dachser. Denn die hiesige Logistikbranche ist mit einem Umsatzvolumen von rund 200 Milliarden Euro pro Jahr die heimliche Paradedisziplin Deutschlands und gilt laut Weltbank sogar als Weltmeister ihres Fachs.

Jede Sicherheitslücke, die Terroristen ausnutzen, trifft damit automatisch auch die exportorientierte deutsche Industrie als Ganzes.

Laxe Kontrollen bei Gütern

Für viele Regionen ist Deutschland "die Drehscheibe Nummer eins", sagt Christian Kille von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS. In keinem anderen Land werden so viele hochwertige Produkte etwa aus dem Nahen Osten umgeschlagen wie hier. Das zeigt der jüngst veröffentlichte "Import-Seismograf Deutschland" der Bundesregierung.

Fest steht, dass die Sicherheitslücken, über die derzeit eine Taskforce des Bundesinnenministeriums diskutiert, niemand wegdiskutieren kann.

Am meisten erschüttert die Öffentlichkeit: Fast die Hälfte des Luftfracht-Aufkommens weltweit wird in Beipack-Containern an Bord von Passagiermaschinen transportiert. Bei Gütern jedoch ist die Kontrolle weniger scharf als bei Fluggästen, die einzeln durch den Metalldetektor geschoben werden.

Entsprechend hart fällt das Urteil derer aus, die die Waren durch die Lüfte fliegen. „Wir glauben, dass die derzeitigen Sicherheitsstandards bei der Kontrolle von Luftfracht nicht ausreichen“, sagt Brian Gaudet, Sprecher der Internationalen Pilotenvereinigung IPA.

Die Logistiker selbst hören das überhaupt nicht gern und schweigen sich bisher mehrheitlich aus.

Die sonst so beredte Bundesvereinigung Logistik (BVL), ein Zusammenschluss von Unternehmen der Branche, feiert lieber ihr 10.000. Mitglied, als dass sie sich über die neuen Herausforderungen äußert.

Vereinsvorsitzender Raimund Klinkner, im Hauptberuf Chef des Münchner Autozulieferers Knorr Bremse, verweigert bis heute beharrlich jede Stellungnahme. Zu groß ist bei seinen Mitgliedsunternehmen offenbar die Sorge, mit einer Äußerung ihres obersten Repräsentanten entweder als Verharmloser gebrandmarkt zu werden – oder aber den Anstoß für höhere und teurere Sicherheitsauflagen zu geben.

Doch die dürften kommen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wird am Montag dieser Woche gemeinsam mit seinen europäischen Fachkollegen Vorschläge für eine Sicherheitsoffensive im Frachtverkehr in Europa diskutieren.

Ideen gibt es reichlich: von einer europäischen Luftsicherheitsbehörde über die Übertragung der Kontrolle auf die Bundespolizei bis hin zur verpflichtenden Kontrolle jedes einzelnen Frachtstücks am Flughafen.

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