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TGV: Mit Hochgeschwindigkeit ins Abseits

von Gerhard Bläske

30 Jahre nach dem Debüt fährt Frankreichs Staatsbahn ihr Paradestück, den Tempo-300-Flitzer TGV, wirtschaftlich in den Keller.

Guillaume Pepy Quelle: Andreas Licht für Wirtschaftswoche
Guillaume Pepy Quelle: Andreas Licht für Wirtschaftswoche

Selbst kurze Strecken legt Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy normalerweise im Flugzeug zurück. Doch vor wenigen Tagen machte er eine Ausnahme. Im Führerstand eines TGV raste er über einen neuen, 140 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsabschnitt zwischen Dijon und Belfort im Osten des Landes. Die 2,3 Milliarden Euro teure Strecke lässt auch Südwestdeutschland deutlich näher an Lyon und das Mittelmeer heranrücken. Nach der offiziellen Eröffnung versicherte Sarkozy im ultramodernen neuen Bahnhof von Belfort, künftig so viel in das Eisenbahnnetz zu investieren wie nie zuvor. Allein vier neue TGV-Abschnitte für 15 Milliarden Euro sind derzeit in Planung oder schon im Bau.

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Paris hat kein Geld

Doch verkehrte Welt – am wenigsten kann sich über das Versprechen Guillaume Pepy freuen, der Chef der staatlichen französischen Eisenbahngesellschaft SNCF. Ausgerechnet deren Vorzeigeschnellzug TGV dürfte zu den Leidtragenden des gigantischen Schienenausbauprogramms zählen. Paris hat keine Mittel für die Subventionierung neuer, eher abgelegener Strecken. Die staatliche Schienenweg-Gesellschaft Réseau Ferré de France (RFF) ächzt unter 30 Milliarden Euro Schulden, die SNCF sitzt auf einem Schuldenberg von neun Milliarden Euro. Da bleibt Pepy nur zu akzeptieren, dass die RFF seine Cashcow, den TGV, kräftig melkt.

Keine Anhebung der Tarife

Bis 2012 muss Frankreichs oberster Eisenbahner für die Nutzung des Schienennetzes durch den TGV 40 Prozent mehr an die RFF überweisen als 2008. 2013 sollen es noch einmal 7,4 Prozent mehr werden. Da diese Trassengebühren zwischen 30 und 50 Prozent der Kosten des TGV-Betriebs ausmachen, drückt die Erhöhung unmittelbar die Rentabilität – und zwar gleich um mehrere Prozentpunkte, weil etwa bei Personal oder anderen Fixkosten nicht entsprechend gespart werden kann. Um gegenzusteuern, müsste Pepy die Ticketpreise kräftig anheben. Doch davor steht der Staat, der aus sozialen Gründen große Tarifanhebungen verhindert.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.12.2011, 10:35 UhrAnonymer Benutzer: ALIDA

    Die Eisenbahner jedoch - mit Ihrer Familie, auch Groseltern und Freundin - (inkl. Missbrauch ca. 1 Million Berechtigte) fahren das ganze Jahr quasi gratis. Sie gehen viel früher in Rente als die anderen Franzosen, mit viel höheren Renten - der soziale Schwache Mindestlohnempfänger zahlt für den Eisenbahner mit in die Rentenkasse ein. Selbst der französische Rechnungshof mahnt, doch nicht so grosszügig zu sein.

    Der Kundenservice antwortet nur per Brief - Bearbeitungszeit 4 Wochen. Bei den Fahrkarten wird oft "gemauschelt". Stuttgart - Karlruhe in dem gemeinsamen Joint-Venture Alleo mit der DB kostet ca. 50 Euro bei der SNCF - wo der Preis nicht ganz 25 Euro in der zweiten Klasse für eine einfache Fahrt beträgt.

    Frankreich möchte den "progrès - Fortschritt" vermitteln, die Revolutionsideen "Einheit, Freiheit, Brüderlichkeit" auf die anderen Länder übertragen. So funktioniert das nicht.

    Association ALIDA für Gerechtigkeit im Schienenverkehr
    association.alida@gmail.com

    Attention, Lost of Confidence, Interest to stand up, Desire to act, Action

  • 06.12.2011, 10:33 UhrAnonymer Benutzer: ALIDA

    Alida Kritik Teil 2

    Die Führungsspitze der SNCF kommt seit jeher von der Ecole Nationale d'Administration (ENA) - die letzten PDGs waren Gallois, Idrac und Pepy. Wirtschaftliche Basismodelle - wie Prozesskostenrechnung, Teilkostenrechnung - werden an der ENA kaum unterrichtet. Der französische Rechnungshof kritisiert, dass keine verlässlichen Zahlen über die Rentabilität von Strecken vorliegen. Andererseits sind die "énarques" in fast allen wichtigen Verwaltungspositionen präsent. Die Subventionen der SNCF steigen in der Ära Pepy stark an - jetzt bereits über 10 Milliarden geschätzt. Die sozialen Probleme in den Vororten haben mit Anne-Marie-Idrac und Guillaume Pepy neue Ausmasse angenommen. Eilzüge und Schnellzüge ohne Reservierungspflicht werden gestrichen und durch viel teurere reservierungspflichtige TGV-Züge ersetzt. Zug verpasst - teures Ticket weg. Keine Ermässigungen, wie Bahncard 50, Ländertickets etc. Kinder frei bis 4 Jahre - nicht wie bei den anderen Bahnen bis 6 Jahre. Kinder bis 12 oder 14 Jahre nicht im Preis der Eltern inbegriffen - das Kinderabteil im TGV kostet Aufpreis.

    Ein Reservierungssystem, welches nur 2 Umsteigeverbindungen anzeigen kann,zwingt die Fahrgäste teilweise zu mehreren 100 km Umweg (z. B. Le Puy - Cahors via Paris). Auf TGV-Strecken werden oft einfach keine Fahrkarten für die parallellaufenden Eil- und Schnellzüge verkauft (z. B. Paris - Lille/Arras oder Paris - Metz/Nancy/Strasbourg) - wer nicht das Geld hat TGV zu fahren, bleibt zu Hause. Viele Bahnhöfe werden einfach nicht ins System eingegeben (z. B. Chelles Gournay - auch grössere Bahnhöfe).

  • 06.12.2011, 10:30 UhrAnonymer Benutzer: Alida

    Kommentar ALIDA Teil 1 Association ALIDA für Gerechtigkeit im Schienenverkehr association.alida@gmail.com

    Ein interessanter Bericht. Hochgeschwindigkeit über 300 km ist teuer (Energieverbrauch, Materialabnutzung etc.). Bei einer Reisezeit über 4 Stunden ist die Bahn gegenüber dem Flugzeug nicht wettbewerbsfähig. Dies zeigt auch die Strecke Frankfurt - Paris / München - Paris. Paris - Lyon war ein Erfolg. Z. B. Paris - Bordeaux oder andere Strecken weniger, da der Verkehr in das kleinere Bordeaux weniger ist. Die Frage stellt sich: wo sollen die Fahrgäste herkommen, welche den TGV Rhin-Rhône innerhalb einer Reisezeit von 4 Stunden nehmen? Strasbourg - Lyon fährt ein Zug jede 3 Stunden, das kann nicht ausreichen, im Umkreis von 4 Stunden Fahrzeit liegen keine grossen Ballungsräume.

    Konkurrenz ist nach wie vor verboten. Kritische Elemente - wie der Senator Hubert Hänel vor einiger Zeit oder jetzt der Senator Francis Grignon, Ersteller eines Berichtes über die eventuelle vorsichtige Konkurrenzöffnung, werden in die SNCF "berufen". Innerfranzösischer Passagierzustieg, z. B. Paris - Lyon Richtung Italien für die italienische FS oder Paris - Strasbourg für die DB Richtung Deutschland ist verboten und macht die internationale Konkurrenz praktisch nicht möglich.

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