Thomas Cook: Wohin geht die Reise?

Thomas Cook: Wohin geht die Reise?

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Viel Platz am Strand. Urlauber meiden wegen der Unruhen die Strände von Tunesien

von Christian Schlesiger

Gewinnwarnung, Kursrutsch, Restrukturierung — jetzt ist auch noch Konzernchef Manny Fontenla-Novoa züruckgetreten. Europas zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook braucht dringend eine neue Wachstumsperspektive.

Manny Fontenla-Novoa mühte sich bis zum Schluss redlich um Imagekorrektur. Per Pressemitteilungen ließ der Chef von Thomas Cook in den vergangenen Tagen verkünden, dass der Reiseveranstalter in den russischen Markt einsteigt, einen Kredit über eine Milliarde Euro zu besseren Konditionen verlängert und seine Reisebüro-Präsenz in England ausbaut. Doch all die guten Nachrichten machten die negativen Folgen der Gewinnwarnung aus der Vorwoche nicht wett, wonach das operative Ergebnis wegen der Unruhen in Nordafrika zwölf Prozent unter Vorjahr liegen dürfte. Die Strafe der Märkte: Der Aktienkurs brach um fast ein Drittel ein – danach ging es weiter bergab.

Europas mit rund zehn Milliarden Euro Umsatz zweitgrößte Reiseveranstalter nach TUI steckt in der Klemme. Obwohl die Buchungen wegen besserer Konjunktur weltweit leicht steigen, muss sich der Traditionskonzern aus London derzeit vor allem um Schadensbegrenzung bemühen. Anleger irritiert, dass das Management eine wichtige Frage unbeantwortet lässt: Wie will der Veranstalter, der in Deutschland mit Neckermann und Öger Tours vertreten ist, in Zukunft wachsen?

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Zu spät in China

Thomas Cook, dessen Gründer und Namensgeber 1861 die Pauschalreise erfand, steht stellvertretend für das Debakel von Touristikkonzernen an der Börse. Die Unternehmen können selten die von Investoren geforderten Renditen liefern. Einst galt die Pauschalreise als lukrative Revolution, um Massen aus der Mittelklasse in die Ferne zu locken. Heute ist jeder überall gewesen und fordert Urlaub zum Schnäppchenpreis. Einen Ausweg versprechen neue Märkte und die Ausrichtung auf individuelle Bedürfnisse. Doch bei den Versuchen, hier mitzumischen, hinkt Thomas Cook oft hinterher:

Während TUI mit Joint-Venture-Partner und Großaktionär Alexej Mordaschow in Russland bereits seit mehr als einem Jahr 200 Reisebüros gemeinsam betreibt, geht Thomas Cook mit dem russischen Touristikunternehmen VAO Intourist erst im November dieses Jahres an den Start.Der zweite wichtige Markt China bleibt vorerst reines TUI-Gebiet. Konzernboss Michael Frenzel hält seit Juni eine Veranstalter-Lizenz in den Händen (WirtschaftsWoche 29/2011). Thomas Cook verfolgt derzeit noch keine Einstiegspläne.Neue Hotelkonzepte kommen spät. So stellte Fontenla-Novoa 2008 in Deutschland eine neue Marke vor, die ruhebedürftige Paare mit Wunsch nach gutem Essen und Wellness anspricht. „Sensido“ sollten die Häuser heißen. Doch TUI benannte ein ähnliches Konzept „Sensimar“ und präsentierte es ein paar Tage früher. Fontenla-Novoa taufte seine Hotels „Sentido“.

Experten halten „Sentido“ zwar für die richtige Strategie, doch von solchen Neuheiten gibt es zu wenige. „Der Urlaubsmarkt fächert sich auf in Reisende, die auf den Preis achten, und jene, die für ihre gehobenen Ansprüche auch Geld ausgeben“, sagt Touristikexperte Adrian von Dörnberg von der Hochschule Worms. Während TUI weitere Innovationen ankündigt und mit mehr als 100 Spezialanbietern individuelle Kundenbedürfnisse abgrast, „hinkt Thomas Cook deutlich hinterher, vor allem im oberen Segment“.

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