Thomas Winkelmann im Interview: "Ende der Schreihalspreise"

Thomas Winkelmann im Interview: "Ende der Schreihalspreise"

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Thomas Winkelmann, Chef des Billigfliegers Germanwings

Thomas Winkelmann, der Chef des Billigfliegers Germanwings, erwartet dramatische Änderungen in der Flugbranche.

Herr Winkelmann, der Ölpreis steigt und steigt, die Umweltgesetze verursachen höhere Kosten, und die Konjunktur kippt. Ist die Zeit der Billigflieger vorbei?

Thomas Winkelmann: Nein. Low-Cost-Linien wie uns wird es weiter geben, und wir werden weiterhin wachsen. Angesichts der zunehmenden weltweiten Arbeitsteilung werden die Menschen auch künftig reisen, vielleicht anders als bisher.

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Wie denn?

Bei Reisen von mehr als 300 Kilometern wird das Auto verlieren. Denn Fliegen bleibt weiterhin sehr wettbewerbsfähig.

Also bleibt alles beim Alten? 

Nein. Im Gegenteil: Wir stehen vor dramatischen Änderungen.

Welche ist die wichtigste?

Die „Schreihalspreise“ wie „null Euro“ oder „geschenkt“ wird es künftig bestenfalls begrenzt geben.

Fliegen wird teurer?

Fliegen bleibt billiger als noch vor 10 oder 20 Jahren, aber die heutigen Durchschnittspreise werden steigen, um die Kerosinkosten zu kompensieren. Es wird für Frühbucher aber weiterhin Schnäppchen geben.

Verlieren Sie ohne die Billigstangebote nicht viele Kunden?

Nein. Kunden erwarten eine klare Preisgestaltung. Den meisten ist klar, dass Flüge nicht verschenkt werden können. Zudem haben viele gemerkt, dass manche Angebote unseriös waren, weil aus dem vermeintlichen Gratisticket über Gebühren und Abgaben am Ende leicht eine 70-Euro-Reise wurde.

Wie lange halten Sie den Verzicht auf Billigsttickets durch? Ihre Branche leidet unter Überkapazitäten. Ryanair, Easyjet und Air Berlin bekommen in den nächsten Jahren Hunderte neue Flugzeuge. Dadurch verschärft sich der Wettbewerb.

Warten wir doch einmal ab, ob diese Ankündigungsflieger auch wirklich alle abheben. Welche Fluggesellschaft nimmt einen neuen Flieger, wenn es angesichts der hohen Ölpreise immer schwieriger ist, damit Geld zu verdienen?

Warum so pessimistisch? Alle Linien behaupten, ihre Flugzeuge seien besser ausgelastet denn je.

Die Flugzeuge sind voll. Aber voll heißt noch nicht profitabel. Viele Chartergesellschaften haben ihre Tickets lange im Voraus an Touristen oder Reiseveranstalter verkauft und dabei mit einem Ölpreis von 80 Dollar oder weniger kalkuliert. Jetzt ist er bei mehr als 130 Dollar. Und damit rechnen sich viele Flüge nicht mehr.

Was ist die Folge? Konsolidierung?

Sehr wahrscheinlich.

Spielen Sie da mit? Immerhin verhandeln Sie über eine Fusion mit Tuifly.

Das ist Sache unserer Eigentümer. Die Prüfung läuft noch.

Aber ohne Ergebnis. Warum?

Auch das ist Sache unserer Eigentümer. Aber ein solcher Schritt will gut überlegt sein, gerade angesichts der wachsenden Unsicherheit durch den hohen Ölpreis und die wackelige Konjunktur.

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