Thyssen-Krupp: Berthold Beitz bereitet sein Erbe vor

Thyssen-Krupp: Berthold Beitz bereitet sein Erbe vor

, aktualisiert 21. November 2011, 07:13 Uhr
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Der Vorsitzende des Kuratoriums der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz (rechts), und der Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme.

von Martin MurphyQuelle:Handelsblatt Online

Berthold Beitz bereitet das Feld: Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung schwört seinen designierten Nachfolger Gerhard Cromme auf die Firmentradition ein. Damit neigt sich eine unvergleichliche Ära dem Ende entgegen.

EssenBei der 200-Jahr-Feier von Krupp bewies Berthold Beitz einmal mehr, was für ein gewiefter Taktiker er ist. In seiner Eröffnungsrede ließ der Vorsitzende der Krupp-Stiftung eine Passage mit den Dankesworten an Gerhard Cromme kurzerhand unter den Tisch fallen. Erst nachdem Bundespräsident Christian Wulff und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ihre Lobeshymnen auf den Industriekonzern beendet hatten, holte Beitz das scheinbar Versäumte nach.

„Alfried Krupp gab uns einen Auftrag, den Namen Krupp hochzuhalten. Ich weiß, auch Sie, lieber Herr Cromme, fühlen sich diesem Auftrag verpflichtet“, sagte der 98-Jährige vor 180 Gästen in der Villa Hügel, dem alten Stammsitz der Familie Krupp. Der Name Krupp, das ist für Beitz und viele Menschen an Rhein und Ruhr ein auskömmliches Miteinander von Eigentümern und Mitarbeitern. „Der moralische Kapitalismus muss die Grundlage unseres wirtschaftlichen Handelns sein“, sagte Beitz.

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Vor dem Hintergrund des laufenden Konzernumbaus sind diese Worte brandaktuell. Um die Schulden von rund sechs Milliarden Euro zu senken und Spielraum für Akquisitionen zu erhalten, will Thyssen-Krupp sich von Beteiligungen trennen, die ein Viertel des Konzernumsatzes von zuletzt 42 Milliarden Euro ausmachten. Rund 35000 Mitarbeiter werden von der Umstrukturierung betroffen sein.

Dass Beitz in seiner kurzen Rede Cromme in die Pflicht nimmt, ist Kalkül. Cromme ist nicht nur Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp. Bedeutender ist, dass er Beitz’ ausgemachter Nachfolger an der Spitze der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist. Diese ist mit 25,3 Prozent größter Aktionär des Ruhrkonzerns, gegen den Großaktionär geht in dem Industriekonglomerat nichts.

Während Beitz das Vertrauen der Belegschaft genießt, sind viele bei Cromme skeptisch. Dem früheren Krupp-Vorstandschef lasten Mitarbeiter die in den 1980er-Jahren beschlossene Schließung des Stahlwerks in Rheinhausen an. Auch hinter der Drohung der Konzernführung im Krisenjahr 2009, wonach Entlassungen nicht ausgeschlossen seien, vermuteten viele Betriebsräte Cromme.

Mit dem Vorsitz der Krupp-Stiftung wird Cromme eines Tages den wohl prestigeträchtigsten Posten übernehmen, der in der deutschen Industrie zu vergeben ist. Dass es Krupp seit 200 Jahre gebe und scheinbar mühelos jegliche Veränderung überdauert habe, beruhe auf zwei Werten: Langfristigkeit und Gemeinwohl. In guten wie in schlechten Zeiten sorge die Firma für ihre Mitarbeiter, sagte Cromme. Statt auf kurzfristige Gewinne ziele die Kultur von Krupp auf „nachhaltig stabilen Fortbestand“.

Cromme fand damit offenbar die richtige Erwiderung zu den Worten von Beitz, ließ sich der Firmenpatriarch doch nach dessen Ausführungen zu einer seltenen Geste hinreißen: Er umarmte Cromme.


Quelle:  Handelsblatt Online
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