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Thyssen-Krupp-Patriarch Berthold Beitz: 99 - und kein bisschen leise

von Martin Murphy und Wolfgang Reuter Quelle: Handelsblatt Online

Seit 59 Jahren prägt Berthold Beitz mit Thyssen-Krupp einen der prominentesten Industriekonzerne der Republik. Heute ist der erfahrene Wirtschaftsmann 99 Jahre alt geworden. Und erneut muss er eine Konzernkrise meistern.

Berthold Beitz ist in Deutschland als erfolgreicher Wirtschaftsführer angesehen. Quelle: dpa-dpaweb
Berthold Beitz ist in Deutschland als erfolgreicher Wirtschaftsführer angesehen. Quelle: dpa-dpaweb

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, hat einst Udo Jürgens gesungen. Und es mag viel Wahres dran sein, an dem Schlagertext. Doch was ist 33 Jahre später?

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Berthold Beitz ist heute 99 Jahre alt geworden - 59 davon verbrachte er bislang im Dienste von Krupp. Anlass genug, die Erfolge, den Mut und die Zivilcourage dieses außergewöhnlichen Mannes zu würdigen. Beitz selbst jedoch sträubt sich gegen verklärende Blicke in die Vergangenheit, redet nicht gern darüber, dass er während der Nazi-Diktatur in Galizien Tausende von Juden vor dem Tod bewahrte. Oder darüber, dass er in den 1970er-Jahren als Generalbevollmächtigter den Konzern rettete, indem er den Staat Iran in den Aktionärskreis holte.

Berthold Beitz

Der Vorsitzende der Krupp-Stiftung ist 98 Jahre alt und beherrscht noch immer den ThyssenKrupp-Konzern, häufig auch durch informelles Intervenieren. Sein wichtigster Mann im Konzern ist Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der unumschränkter Taktgeber im Unternehmen ist und früher schon Vorstandsvorsitzender von Krupp und ThyssenKrupp war. Keiner kennt das Unternehmen an der Spitze so gut wie Cromme, der mit Beitz ein gehärtetes Duo bildet, an dem keiner vorbeikommt. Beitz gab jüngst eine Biographie heraus, die er vor Drucklegung absegnete. Infolgedessen ist fast nur Positives über ihn dort zu lesen, wenig Selbstkritisches. Eine überragende Position nimmt Beitz in der Nazizeit ein. Er ist zwar kein Widerstandskämpfer, rettet aber - ähnlich wie Oskar Schindler - hunderten von Juden das leben, in dem er sie als Direktor der Kapathen-Öl in Russland anstellt und somit vor dem Tod bewahrt.

Bild: AP

Der Blick muss sich nach vorn richten - das gebietet seine Rolle. Der Jubilar ist Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der 25,3 Prozent an Thyssen-Krupp gehören, somit einer der mächtigsten Manager in der deutschen Wirtschaft. Und Thyssen-Krupp ist eines der kränksten Unternehmen im Dax.

Keine Frage: Der Ankerinvestor, die Stiftung, ist gefordert - und mit ihr Berthold Beitz, der Verwalter des Krupp-Erbes. Dieses zu schützen, das hatte er dem letzten Krupp, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, einst versprochen.

Beitz hat dieser Aufgabe sein Leben gewidmet. Wie ernst er sie nimmt, zeigte sich im vergangenen Dezember, als er den langjährigen Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz aus seinem engsten Kreis verstieß. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn persönlich sehr schätze, dass ich mich aber vor allem Alfried Krupp verpflichtet fühle“, sagte Beitz damals.

Offiziell wollte er damit lediglich der öffentlichen Kritik an der Konzernführung wegen des Desasters in Brasilien ein Ende setzen. Doch die eigentliche Ursache wiegt schwerer: Beitz sah sich von Schulz wegen der Kostenexplosion beim Bau des neuen Stahlwerks getäuscht.

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