ThyssenKrupp-Chefwechsel: Feierstimmung für Ekkehard Schulz

ThyssenKrupp-Chefwechsel: Feierstimmung für Ekkehard Schulz

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ThyssenKrupp-Vorstandsvorsitzender Ekkehard Schulz

von Andreas Wildhagen

Thyssenkrupp-Chef Ekkehard Schulz setzt in seinen letzten Amtstagen auf Zeremonielles. Seine Aufsichtsrats-Ambitionen bleiben hingegen offen.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp ist gerade aus dem tiefsten Konjunkturtal heraus und hat den Milliardenverlust des vergangenen Geschäftsjahres hinter sich gelassen, da kommt Feierstimmung auf. Überall organisieren die Konzernstrategen jetzt Zeremonien, in deren Mittelpunkt der langjährige Konzernchef Ekkehard Schulz steht. Die Schauplätze sind ein Abendrestaurant in Miami, das Werksgelände im US-Bundestaat Alabama, ein Verladekai im Binnenhafen Duisburg-Ruhrort und die Kanzel einer Duisburger Kirche, von der herab Konzernlenker Schulz am vergangenen Wochenende predigte und sich dabei im Kirchenschiff fotografieren ließ.

Hintergrund: ThyssenKrupp-Chef Schulz verlässt im Januar nach der Hauptversammlung den Chefsessel des Revierkonzerns. Eigentlich wollte er nahtlos auf einen anderen Prestigejob wechseln, den des Aufsichtsratsvorsitzenden von RWE - wie ThyssenKrupp mit Hauptsitz in Essen. Es wäre ein extrem ehrenvoller, fast schon glanzvoller Weggang des 69-jährigen Hütteningenieurs gewesen. Doch aus dem RWE-Posten wird nichts, da dort der Multiaufsichtsrat und frühere Bayer-Chef Manfred Schneider mindestens ein weiteres Jahr als Chefkontrolleur bleiben soll. Die Kommunen, Hauptaktionäre von RWE, haben zu Schneider ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis gewonnen. Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp kann Schulz auch nicht werden, da dort Gerhard Cromme, der Architekt der Fusion von Krupp, Hoesch und Thyssen, noch viele Jahre agieren wird. Nicht einmal der Sitz eines einfachen Aufsichtsratsmitgliedes ist Schulz zur Stunde ganz sicher. Wenige Wochen vor seinem Ausscheiden aus dem Vorstand hat der Großaktionär, die Krupp-Stiftung, noch immer nicht erklärt, dass Schulz im Januar in den Aufsichtsrat wechseln soll, wenn der frühere Siemens-Chef Heinrich Hiesinger als Vorstandschef das Steuerrad übernimmt.

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Die erste Bramme wird gefeiert

Dafür wird Ekkehard Schulz jetzt promotet, in vielen Einzel-Events, die sorgfältig inszeniert werden. Am 10. Dezember wird das Stahlwerk in Alabama teilweise in Betrieb genommen, dort wird Schulz selbstverständlich seinen vorletzten großen Blitzlichtgewitter-Auftritt zelebrieren, bevor er sich dann nach Weihnachten in der ThyssenKrupp-Hauptversammlung offiziell verabschiedet. Auf einem Zwischenstopp wichtiger geladener Gäste wird es noch ein Abendessen geben - zu Ehren auch von Ekkehard Schulz. Aufsichtsratchef Gerhard Cromme wird auch anwesend sein. Vorher, Ende Oktober, wird ein Schiff in Duisburg-Ruhrort erwartet, es kommt aus Brasilien und hat an Bord 10.000 Tonnen Brammen, das sind frisch geschmiedete Stahlklötze. Die erste Bramme, die am Duisburger Kaiufer gelöscht wird, soll kräftig gefeiert werden. Aus der Ankunft der ersten Bramme aus dem kürzlich erst in Teilbetrieb genommenen ThyssenKrupp-Werk Brasilien wird "sicher ein Presseenvent gemacht", heißt es im Umfeld des Konzerns. Dazu gibt es offiziell allerdings noch keine Verlautbarung.

Im Stahlgeschäft macht Schulz niemand etwas vor

Das Hafenfest gilt der Bramme, aber auch Ekkehard Schulz, unter dessen Ägide nicht nur der Bau der Stahlwerke Brasilien und Alabama in Angriff genommen wurden, sondern dem auch die Baukosten unter nicht ganz geklärten Umständen heftig entglitten sind. Mehrere Milliarden zusätzlich musste der sowieso von der schlechten Stahlkonjunktur gebeutelte Konzern aus seiner bereits knappen Kasse bezahlen - eine Fehlentwicklung dieser zwei Mega-Projekte, die anderen Topmanagern sicher den Kopf gekostet hätten. Doch Schulz steht für mehr als für dieses unglückliche Anlagenbau-Management.

Als altgedienter Thyssen-Manager, dem ansonsten niemand im Stahlgeschäft etwas vormacht, war er für den damaligen Krupp-Chef Cromme der Garant dafür, dass die Fusion der beiden Stahlgiganten vor zehn Jahren funktionierte. In der Stahlkonjunktur hat der Konzern soviel verdient wie nie in seiner Geschichte zuvor - auch das ist Schulz' Verdienst, der sich vorher bei Thyssen als harter Sanierer bewährt hatte. Umso erstaunlicher, dass dem Spitzenmanager, der im Laufe seiner Amtszeit sogar in in das Kuratorium der Krupp-Stiftung eingezogen ist, in seiner Pensionärs-Ära nicht noch höhere Weihen frühzeitig angetragen werden. Immerhin in einer Duisburger Kirche bestieg er eine Kanzel und sprach von der Moral der Manager. Dass Ekkehard Schulz dafür eintritt, hätte niemand in Zweifel gezogen, doch zur gehobenen Stimmung gehörte auch das Predigerwort.

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