ThyssenKrupp: Grauer Stahl-Panther

ThyssenKrupp: Grauer Stahl-Panther

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Ekkehard Schulz, Vorstandsvorsitzender der ThyssenKrupp AG

ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz demonstriert auf der Hauptversammlung in Bochum, dass er Sieger im Ring bleibt.

Nachfolgekandidaten gab es schon genug, sie stehen allesamt an der Spitze der ThyssenKrupp-Bereiche, ob nun Stahl, Industrie oder Handel. Aber ganz oben hat sich ein Mann etabliert, in dessen Alter andere längst auf Balkon oder Terrasse sitzen und Kreuzworträtsel lösen. Ekkehard Schulz, 66, Vorstandschef des Stahl- und Technologiekonzerns ThyssenKrupp wird weitermachen – bis ins Jahr 2011 hinein, dann ist er 71. „Ich hoffe nicht, dass Sie zu einer Art Adenauer im Unternehmen werden“, sagte heute ein Aktionär auf dem Aktionärstreffen, mit dem ThyssenKrupp traditionell die Hauptversammlungssaison in Deutschland einläutet. Die Kronprinzen müssen warten, das zermürbt. Wer im Jahr 2011 Mitte Fünfzig ist, der ist eigentlich schon zu alt für den Job – im Durchschnitt der deutschen Industrie wohlgemerkt, nicht für den Stahlriesen aus dem Ruhrgebiet.

Denn dort hat immer noch Berthold Beitz das Sagen, und Beitz ist stolze 94 Jahre alt, bei bester Gesundheit und immerhin so agil, dass er Schulz kürzlich in das Kuratorium der Krupp-Stiftung berief. Die war bisher eigentlich nur eingefleischten Kruppianern vorbehalten. Schulz aber hat bis 1999 sein gesamtes Berufsleben als Stahlmanager bei Thyssen verbracht. 1999 fand die Fusion mit Krupp statt, und der Hütteningenieur Schulz wurde ausersehen, zunächst in einer Doppelspitze mit dem jetzigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme das Konglomerat zu führen. Der Mann, der seit 1972 bei Thyssen arbeitete – er startete als Vorstandsassistent bei Thyssen Niederrhein in Oberhausen – führt das Unternehmen seit 2001 allein.

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Als der schnörkellos sprechende Zweimetermann das Ruder beim Technologiekonzern übernahm, sah es für die Zukunft des Stahls nicht gut aus. Generationen von Stahlmanagern hatten das graue Metall eher als Krisengut wahrgenommen. Einbrechende Preise, viel zu große Stahlwerke auf der ganzen Welt und ein Methusalem-Image, das wenig zukunftsträchtig zu sein schien, machten viele Stahlmanager müde. Sie wirkten genervt von ihrem eigenen Produkt. Man überließ es regierungsamtlichen Stellen und Politikern, über den Stahl nachzudenken. Lösung wurden in den Amtsstuben zumeist in Stillegungen und Fusionen gefunden. Die Schließung des Stahlwerks Rheinhausen, so etwas wie eine Krupp-Arbeitskathedrale seit 1908, ließ das Ruhrgebiet erzittern. Dagegen ist die Schließung von Nokia in Bochum nur Kleinkram.

Schulz fing also als Krisenmanager an, dann begann sein unsagbares Glück. Die Stahlkonjunktur lief weltweit auf Hochtouren, und das über Jahre. Sie hält immer noch an, bei steigenden Preisen, nur der Edelstahl macht nicht mit. Er vermieste das erste Quartal des ThyssenKrupp-Konzerns. 300 Millionen Euro weniger Gewinn musste Schulz heute bekannt geben. Für das Gesamtjahr aber prognostiziert er einen Umsatz von 53 Milliarden Euro und über 3 Milliarden Euro Gewinn. Gegenüber jenen Zeiten, als Schulz das Ruder im Konzern übernahm, ist das eine wahre Schlaraffenland-Zukunft.

Nun setzt der Panther noch mal zum Sprung an. Seine Vertragsverlängerung ist für sein Berufsleben, das bisher goldgerändert war, nicht ganz risikolos. Denn bricht die Stahlkonjunktur in den kommenden Jahren ein – so lange wie bisher hielt noch keine Hausse des Metalls aus – wird der Hütteningenieur wieder dort sein, wo er startete. Als Krisenmanager, als Verkünder von Hiobsbotschaften. Als Sanierer. Der Konzern ist mittlerweile derart vom Stahlgeschäft abhängig, dass ein Einbruch der Stahlkonjunktur existenzgefährdend wäre.

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