ThyssenKrupp: Neuer Finanzchef soll Staatshilfen einwerben

ThyssenKrupp: Neuer Finanzchef soll Staatshilfen einwerben

Bild vergrößern

Ex-Conti-Finanzchef Alan Hippe

Ex-Conti-Finanzchef Alan Hippe könnte als Vorstand beim Stahlriesen ThyssenKrupp Staatshilfen salonfähig machen. Doch das Verhältnis zu seinem neuen Chef ist nicht ganz unbelastet.

Wenn Alan Hippe im Frühjahr bei ThyssenKrupp als Finanzchef startet, findet er sich in einer Branche wieder, deren Zukunftsaussichten sich in den vergangenen zwölf Monaten fast um 180 Grad gewendet haben. Noch im Sommer vergangenen Jahres strotzte der Stahlriese vor Kraft.

Sein Chef Ekkehard Schulz ließ gegenüber der Autoindustrie die Muskeln spielen: „Viele Kunden haben einen Jahresvertrag mit fest vereinbarten Preisen für 2008 mit uns. Wenn ihr diesen Vertrag beibehalten wollt, müsst ihr euch darauf einstellen, dass die Preise 2009 deutlich stärker steigen.“

Anzeige

Viele sahen darin einen Erpressungsversuch, den Schulz heute nicht mehr wagen würde. Die weltweite Stahl- und Autokonjunktur ist eingebrochen, ThyssenKrupp kündigte Kurzarbeit an, der Konzernchef wurde zum Bittsteller: Vor drei Wochen hatte Schulz in einem Interview sogar Staatsbürgschaften aus dem 100-Milliarden-Hilfsprogramm der Bundesregierung zur Absicherung internationaler Aufträge im Marinegeschäft gefordert.

Konkretisiert hat Schulz seinen Hilferuf zwar nicht, Insider gehen aber davon aus, dass er eine Unterstützung nicht auf das Marinegeschäft allein beschränkt sehen will: Die Idee der Staatsbürgschaften sei „generell“ zu verstehen, also nicht auf U-Boot-Lieferungen beschränkt. Schulz lapidar: „Wenn Finanzierungshilfen zur Verfügung stehen, würden wir sie auch annehmen.“

Das Verhältnis zwischen dem ThyssenKrupp-Chef und seinem zukünftigen Kassenwart Hippe gilt zwar als nicht ganz unbelastet – auch Hippes Ex-Arbeitgeber, der hannoversche Autozulieferer Continental, gehörte zu den Empfängern der bösen Briefe vom Sommer. Der Noch-Continental-Finanzchef, seit 2002 im Amt, soll sich intern über die nassforsche Art beschwert haben.

Einigkeit besteht aber zwischen den beiden, wenn es um staatliche Unterstützung etwa in Form einer Landesbürgschaft geht – nach dem Bittgang von Continental hat Hippe damit schon Erfahrung. ThyssenKrupp kann Steuermittel gut gebrauchen, und das nach interner Einschätzung in fast jedem Bereich.

Willkommen wäre staatliche Stütze zum Beispiel für die Zementwerke von ThyssenKrupp Technologies (Polysisus) in Afrika. Zumal solche Staatsbürgschaften ja nur „als Zwischenfinanzierung gedacht“ seien und nicht automatisch Steuergelder ins Unternehmen abfließen ließen. Dass das manchmal doch ganz schnell so kommen kann, zeigt die Marine-Tochter Blohm+Voss: Hätte ThyssenKrupp für den U-Boot-Auftrag an Griechenland eine staatliche Bürgschaft erhalten, würde der Steuerzahler nun mit 100 Millionen Euro zur Kasse gebeten, weil die Hellenen nicht zahlen.

Möglich, dass der neue Finanzchef bald selbst erklären kann, warum und wofür ThyssenKrupp Hilfe braucht: Dauert die Krise länger, könnte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme die Geduld verlieren und Hippe noch vor Schulz’ voraussichtlichem Ausscheiden 2011 auf den Chefsessel hieven.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%