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ThyssenKrupp: Schleichender Ausverkauf der Werften

von Andreas Wildhagen

ThyssenKrupp wirft Ballast ab - dazu gehört der Containerschiffbau der Emdener Nordseewerke. Dabei sah es lange so aus, als wolle sich der Stahlkonzern auf keinen Fall von seinen Werften trennen.

Die Nordseewerke in Emden: Der Quelle: dpa
Die Nordseewerke in Emden: Der Mutterkonzern ThyssenKrupp will sich von der Werft trennen Quelle: dpa

Noch vor vier Wochen stand das ThyssenKrupp-Management wie eine eins hinter seinen Werften. Doch angesichts eines Verlustes in Höhe von zwei Milliarden Euro im Gesamtkonzern, der vor allem aus der fehlenden Stahlnachfrage herrührt, gibt es für solche Treueschwüre nun kein Halten mehr. Nun sollen das Zivilgeschäft der ThyssenKrupp-Werft Nordseewerke Emden verkauft werden - an eine bisher gänzlich unbekannte Firma. Das Westerwälder Familienunternehmen Siag Schaaf Industrie AG aus Dernbach will Teile für Offshore-Windkraftanlagen in Emden bauen lassen - nicht als Kunde, sondern als Unternehmer. Deswegen will Siag den zivilen Teil der Werft, in dem Containerschiffe gebaut wurden, für einen bisher unbekannten Kaufpreis übernehmen. 700 von insgesamt 1450 Beschäftigten sollen übernommen werden. In den nächsten Jahren werden 40 Millionen Euro investiert, verspricht die Firma.

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Der Militärschiffbau ist in Emden auf der Kippe

Von den Werftanlagen verbleiben die Ausrüstungskais für Fregatten der Bundesmarine bei ThyssenKrupp. Der Konzern hat auch hier vor Wochen beteuert, dass er sich zum Militärgeschäft bekennt. Nun steht laut Konzerninsidern folgende Lösung im Raum: Der Militärschiffbau in Emden wird nach Kiel abwandern. Dort betreibt der Technologiekonzern die Werft HDW (Howaldwerke Deutsche Werft), wo ebenfalls bisher Containerschiffe und Militärgerät auf Kiel gelegt wurden. Wichtigstes Erzeugnis sind die brennstoffbetriebenen U-Boote, die dort vom Stapel laufen. Diese können fast lautlos in Küstengewässern gegen Terroristen und andere Eindringlinge von den Küstenschutzpatrouillen eingesetzt werden.

Die U-Boote waren bisher ein erfolgreiches Geschäft der Werftbetreiber von ThyssenKrupp. "Der Konzern wird in Kiel seinen Militärschiffbau konzentrieren", sagt ein Konzerninsider. Das heißt: Was bisher im Marineschiffbau in Emden lief, wird dann in Kiel hochgezogen. Und am Ostseestandort wird ebenfalls der Containerschiffbau eingestellt - die Anlagen veräußert. Auch in Kiel könnte ein Offshore-Dienstleister einsteigen, mutmaßt nun ein Werftinsider.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 11.09.2009, 13:38 UhrAnonymer Benutzer: Wildhagen

    auch für Kiel soll sich nun bald ein Käufer für den zivilen Schiffbau finden. Das ist natürlich der Ausverkauf einer Ur-branche. Denn Schiffbau gehört zu den vaterländischen Pflichtbranchen so wie Erzabbau, Kohle, Stahl und brotbäckereien. Erzabbau gibt es schon lange nicht mehr in Deutschland, die deutschen Schiffbauer kann man bald als Puppen im bremer Überseemuseum bestaunen.

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