ThyssenKrupp: Umbau nach Siemens-Manier

ThyssenKrupp: Umbau nach Siemens-Manier

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Gleiche Welten. Gesamtkonzern und Industriesparten von ThyssenKrupp und Siemens. Für die Gesamtansicht auf das Bild klicken.

von Michael Kroker und Andreas Wildhagen

Erst brachte Gerhard Cromme Siemens auf Kurs. Jetzt hievt er einen Topmann von dort an die Spitze von ThyssenKrupp, um nach gleichem Muster den Stahlriesen zu sanieren. Das Ziel heißt Umbau zum Technologiekonzern. Davon gibt es jetzt schon genaue Vorstellungen im Aufsichtsrat.

Den unabdingbaren Besuch bei Berthold Beitz, 96, in Essen-Bredeney, auf dem Hügel 15, hat er schon hinter sich – Heinrich Hiesinger, 49, Dr. Ing., Siemens-Vorstand für die Sparte Industrie und frisch erkorener designierter Chef von ThyssenKrupp.

Dort, wo sich das prächtige Schloss, die „Villa Hügel“ erhebt, das einst der Gründerfamilie Krupp als Wohnhaus diente, sitzt der Mann, ohne den nichts läuft bei Deutschlands Stahl- und Revierkonzern Nummer eins. Er, Beitz, der frühere Testamentsvollstrecker des Industriellenclans, zieht von einem gegenüberliegenden Trakt aus die Fäden bei dem Industriekonglomerat aus den beiden ehemaligen Stahlschmelzen Krupp und Thyssen.

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Und Beitz macht sich Sorgen. ThyssenKrupp, von dem Übervater nur „Firma“ genannt, gehört zusammen mit dem Münchner Siemens-Konzern zu den deutschesten unter den deutschen Unternehmen – mit einem gewichtigen Unterschied: Siemens prosperiert trotz Finanz- und Wirtschaftskrise, ThyssenKrupp dagegen darbt und stottert.

Der über 40 Milliarden Euro Umsatz schwere Dax-Konzern mit 187.000 Mitarbeitern scheint an einem Tief- und Wendepunkt, der das Unternehmen in seinen Grundfesten zu erschüttern droht, wenn nicht bald jemand entschlossen und radikal umsteuert. In dieser Notlage hat Beitz sich für eine Ringlösung erwärmt, die in der deutschen Industriegeschichte ihresgleichen sucht.

Klare Ringlösung

Seit 2001 ist Cromme Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp. Seit April 2007 bekleidet er die gleiche hochrangige Position bei Siemens in München – nicht ganz freiwillig. Eine dramatische Korruptionsaffäre bei Siemens mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro an Schmiergeldern, die weltweit in schwarzen Kassen versickerten, trieb Ex-Konzernchef Heinrich v. Pierer aus dem Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden und Cromme als dessen Nachfolger in die Rolle des neuen Siemens-Oberaufsehers.

Zuerst wechselte Cromme v. Pierers Günstling Klaus Kleinfeld an der Siemensspitze gegen den damals in der Öffentlichkeit völlig unbekannten General-Electric-Manager Peter Löscher aus. Dann trimmte er zusammen mit dem Österreicher Siemens auf ThyssenKrupp – straff und zentralistisch. Denn die vermeintlich moderne dezentrale Organisation von Siemens hatte das undurchsichtige System schwarzer Kassen begünstigt.

Jetzt schlägt das Pendel von der Isar zurück an die Ruhr in Essen, wohin es ThyssenKrupp vom gegenwärtigen Konzernsitz in Düsseldorf demnächst hinzieht. Die Vorstände Edwin Eichler (Stahl), Olaf Berlien (Technologie) und Alan Hippe (Finanzen) müssen ihre Hoffnungen auf die Nachfolge von ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz begraben. Stattdessen soll es nun Hiesinger richten.

Was der Siemens-Mann in Crommes und Beitz’s Auftrag mit ThyssenKrupp vorhat, so viel zeichnet sich jetzt schon ab, wird in eine Richtung münden, die Siemens den Erfolg bescherte. Hiesinger steht als Chef der Siemens-Industriesparte, die für sich genommen so groß ist wie der ThyssenKrupp-Konzern als Ganzes, für den Schwenk zu mehr Technologie und Zukunftsmärkten, die überall auf der Welt gerade entstehen. Diese Gewichtsverlagerung bedeutet auch etwas mehr Distanz zum Stahlgeschäft, das immer noch zähflüssig ist, die Krise noch längst nicht überwunden hat und demnächst durch eine Rohstoffkrise und eine extreme Verteuerung des Erzes, wichtigster Grundstoff für die Stahlschmelze, gebeutelt wird.

Der Richtungswechsel bei ThyssenKrupp, der eigentlich erst im Januar 2011, wenn Hiesinger die Nachfolger von Schulz, der das Amt seit 1999 innehat, vorgenommen werden soll – zeichnet sich jetzt schon sehr konkret ab. Im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp gibt es dazu ein Papier, das die Wünsche der Kontrolleure – allen voran Gerhard Cromme – in klare und wie gewohnt strikt verbindliche Worte fasst. Das Papier liegt der WirtschaftsWoche vor. Wörtlich ist darin vom „Megatrend Infrastruktur“ die Rede. Auch Siemens hat mit gleicher Nomenklatur denselben Markt für Infrastrukturdienstleistung, wie Bau und Betrieb von Straßen, Kraftwerken und Hospitälern erkannt.

Es klingt nicht nur so, es ist Realität: Die Siemens-Strategie, sich in den Infrastrukturmärkten der Welt auszubreiten, gilt ab sofort auch für ThyssenKrupp. Siemens ist Vorbild für den Revierkonzern. Beide Unternehmen marschieren dicht an dicht in dieselbe Richtung.

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