Tiefsee-Ölleck: BPs Öl-Katastrophe wird immer schlimmer

Tiefsee-Ölleck: BPs Öl-Katastrophe wird immer schlimmer

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Ölkatastrophe am Golf von Mexiko

von Andreas Wildhagen

Das Öl-Leck der Katastrophe im Golf von Mexiko wird immer dramatischer. Die Boykottaufrufe von Grünenpolitikern greifen dennoch ins Leere: BP heißt in Deutschland Aral und wird mit der Katastrophe nicht identifiziert.

Wäre es nur die Öl-Katastrophe rund um die BP-Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko allein. Aber das eigentliche Drama ist die Ratlosigkeit, wie das Unterwasserloch zu stopfen ist. Jetzt muss die US-Weltraumbehörde Nasa ran. Aber wieso die Nasa? Weil sie eine Art Elite-Zirkel von Elite-Wissenschaftlern in den USA ist, denen die Lösung eines jeden Problems zugetraut wird? Nasa-Ingenieure erwiesen sich schon einmal als kaltblütig und kompetent, aber auf eigenem Wissensterrain. Bei dem fast verfehlten Eintritt von Apollo 13 in die Erdatompshäre wusste die Nasa wenigstens, welche Maßnahmen zu ergreifen waren, um das Verglühen der Astronauten im Weltraum mit allen Mitteln zu verhindern - auch wenn die vorgeschlagenen Lösungswege schwierig und unsicher waren. Das waren drei extrem aufregende Tage Anfang der siebziger Jahre. Es klappte schließlich.

Der Nasa-Nimbus muss noch mal herhalten. Nicht im All und auf der Umlaufbahn, wo sich die Weltraumbehörde auskennt wie in ihrer Westentasche, sondern 1600 Meter tief unterm Meeresspiegel. Und das ist unbekanntes Terrain für die Wissenschaftler. Sie hocken zusammen, die besten Wissenschaftlern, Geologen und Konstrukteure der Welt. Kein Rat, nicht einmal ansatzweise. Es scheint ein dramatischer Dauerzustand zu werden, der tägliche Austritt von Öl, tonnenweise - ohne Aussicht auf einen technisch machbaren Stop der Umweltkatastrophe, die schon 110 Kilometer Küste in Louisiana verschmutzt hat.

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Nasa soll für Wunder sorgen

Nun wird klar, dass BP über keinerlei Expertise mit Öllecks in einer so großen Tiefe verfügt. Die bisherigen Operationen erwiesen sich als fast hilflose Experimente. Der verantwortliche BP-Manager Bob Dudley sagte am Pfingstsonntag: Alles sei "katastrophaler" als angenommen. Ein Hilfeschrei? Nach der Nasa? Nach anderen Wunderheilern?

Der amerikanische Innenminister Ken Salazar sprach von einer "existentiellen Krise" von BP, den zweitgrößten Ölkonzern der Welt, der zugleich größter Ölförderer im Golf von Mexiko ist. BP lässt Flugzeuge über das Wasser fliegen, die eine Chemikalie versprühen. Doch die mache alles nur noch viel schlimemr, befürchten US-Umweltexperten. Zweiter Hilfeschrei von BP war die Ankündigung, eine halbe Milliarde Dollar zu spenden - nicht etwa für die Reinigung der Küste, nein viel fundamentaler, um zu "erforschen, wie die Folgen der Ölpest vermindert werden können". Geld für die Erforschung eines Problems, das bisher 28 Millionen Liter Öl ins Meer laufen ließ, und jeden Tag kommen weitere Ölmassen hinzu.

US-Innnenminister droht BP

US-Innnenminister Ken Salazar schimpft: "Wenn sie nicht tun, was sie tun sollen, werden wir sie aus dem Weg räumen". Viele deuten das als leere Drohung. Aber es könnte hart kommen für BP: Strafzahlungen in Milliardenhöhe, nach oben offen. Und amerikanische Gerichte haben schon gezeigt, dass sie hart zuschlagen, wenn sie Konzernen objektive Fehler nachweisen können. Texaco war so ein - wenn auch ganz anders gelagerter - Fall in den achtziger Jahren. Texaco wurde zerschlagen, Texaco gibt es nicht mehr. Texaco war einmal ein Ölkonzern, mit Tankstellen auch in Deutschland.

BP ist für deutsche Verbraucher nicht so ganz fassbar. Denn BP-Tankstellen gibt es nur noch eine Handvoll. Nachdem BP den größten deutschen Tankstellenriesen Aral von E.On kaufte, wurden die Tankstellen umgeflaggt, vom beruhigenden BP-Grün auf das kalte Blau von Aral, über 2000 an der Zahl.

BP beruhigt nicht mehr. Grünen-Politiker wie die Vorsitzende Claudia Roth ordern den Boykott von BP-eigenen Tankstellen in Deutschland. Leichter gesagt als getan. Der boykottwillige deutsche Autofahrer müsste dann um Aral einen Bogen machen. Das ist kompliziert zu verstehen. BP hat es verstanden, Aral als urdeutsche Eigenmarke (Aral-Tankstellen gibt es im Ausland so gut wie gar nicht) zu etablieren. Boykott-Aufrufe, wie sie noch Shell nach der Katastrophe von Brent Spar empfindlich getroffen haben, gehen also bei BP in Deutschland ins Leere. Der Boykott von fünf Tankstellen in Nordfriesland und Vorpommern bringt nichts, außer ein paar Lachern. Mit Aral identifiziert kein Autofahrer in Deutschland das Bohrloch der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon.

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