Tourismus: Alltours-Chef Verhuven: "In schwierigen Zeiten wird man kreativ"

Tourismus: Alltours-Chef Verhuven: "In schwierigen Zeiten wird man kreativ"

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Willi Verhuven, Sprecher der Geschäftsführung von alltours.

Willi Verhuven, Chef des Reiseveranstalters Alltours, sprach mit wiwo.de über die Vermeidung von Preiskämpfen, die neue Urlaubs-Zurückhaltung und mutige Entscheidungen.

WirtschaftsWoche: Herr Verhuven, die Branche hat Angst vor einem Preiskampf und immer wieder fällt Ihr Name, wenn es darum geht, wer diesen anzetteln könnte. Wann werden Sie die Preise senken?

Verhuven: Ich plane keine Preissenkungen. Die Buchungen für das Sommergeschäft liegen rund zehn Prozent unter dem Vorjahr. Es reicht, wenn ich über den Nachfragerückgang Geld verliere, da muss ich nicht noch durch Preissenkungen und Extra-Werbemaßnahmen zusätzliches Geld verlieren.

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Werden Sie nachziehen, wenn jemand anderes die Preise senkt?

Es wird keinen Preiskampf geben, weil es sich keiner erlauben kann. Wer den Preiskampf anfängt, überlebt die Krise nicht.

Verzichten die Deutschen in diesem Jahr auf ihren Urlaub?

In der Wintersaison lagen wir bei Umsatz und Gästezahl im Vergleich zum Vorjahr ganz leicht im Plus. Das Sommergeschäft ist natürlich schwieriger. Aber noch gibt es mehr Verbraucher, die mehr Geld haben als im Vorjahr. Deutschland hat heute rund 650.000 weniger Arbeitslose als 2007. Die Kaufkraft ist insgesamt höher als vorher. Dauerhaft werden wir profitieren.

Aber die Zurückhaltung bei der Reiseplanung ist doch beängstigend. Haben Sie keine Angst, auf Kapazitäten sitzen zu bleiben?

Die jetzige Zeit ist für alle sehr belastend. Doch gerade in der Krise bekommt der Urlaub eine neue Priorität. Erholung wird wichtiger. Die Buchungen werden noch anziehen. Außerdem haben wir rund 15 Prozent der geplanten Hotelbetten und Flugplätze reduziert. Das müsste ausreichen.

Sie sind für Überraschungen bekannt. Welche planen Sie in diesem Jahr?

Für Ostern haben wir zehn Sondermaschinen gebucht, die Alltours-Urlauber exklusiv zu den Kanaren, auf Mallorca und in die Türkei fliegen. Vielleicht auch nach Ägypten, da sind wir noch nicht sicher. So wollen wir unsere Kapazitäten frühzeitig in den Markt bringen. Wir scheuen das Risiko, im Last-Minute-Geschäft Geld zu verlieren.

Wollen Sie in der Krise Marktanteile gewinnen?

Wir machen keine außerordentlichen Anstrengungen, um Marktanteile zu gewinnen. Unser Ziel ist wirtschaftliche Stabilität, um nach der Krise wieder voll durchzustarten. Ich bin davon überzeugt, dass wir profitieren, weil wir das preisgünstigste Produkt anbieten. In schwierigen Zeiten wird man zudem kreativ.

Inwiefern?

Man trifft mutige Entscheidungen, die man so nie treffen würde. Es kommt alles auf den Prüfstand. Wir werden beispielsweise in der kommenden Saison die Kataloge verkleinern, um Kosten zu sparen. Gleichzeitig reduzieren wir das derzeitige Werbevolumen um 3,5 Millionen Euro. Es ist schon äußerst interessant, wo man überall sparen kann. Manchmal bekomme ich fast ein schlechtes Gewissen, wie leichtfertig in guten Zeiten das Geld durchläuft.

Trifft es auch die Mitarbeiter?

Leider lassen sich sozial unattraktive Entscheidungen nicht vermeiden. Wir werden etwa 100 Reiseleiter und Animateure weniger beschäftigen. Aber das geht ohne Entlassungen.

Zielgebiete wie Griechenland, zum Teil auch Spanien leiden besonders stark unter dem Nachfragerückgang. Befürchten Sie nicht, dass die dortigen Hoteliers ihrerseits mit günstigen Angeboten die deutschen Urlauber umgarnen?

Ohne Reiseveranstalter kriegen die das nicht hin.

Aber Veranstalter, die in England oder Russland ihre Kapazitäten nicht loswerden, könnten auf die Idee kommen, es in Deutschland zu versuchen.

Hotels, die auf den englischen Markt spezialisiert sind, können nicht ohne Weiteres auf dem deutschen Markt angeboten werden. Die Standards sind zu unterschiedlich. Die Deutschen mögen ganz anderes Essen und bevorzugen mehr Service.

TUI hat einen speziellen Reisekatalog für Homosexuelle herausgebracht. Das hätte man eher von Ihnen erwartet. Ist Ihnen TUI zuvor gekommen?

Man vermutet oft Nischen, wo keine sind. So ein Katalog ist heute nicht mehr zeitgemäß. Vor zehn Jahren hätte man das machen können. Unsere Angebotspalette deckt möglichst viele Urlaubsinteressen ab - von Familie über Sport bis Romantik. Da findet jeder etwas, auch jene, die nach Mykonos, Ibiza oder Playa del Ingles reisen wollen.

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