Tourismus: Trübe Aussichten für Hoteliers

Tourismus: Trübe Aussichten für Hoteliers

Bild vergrößern

Wohnteil der Präsidentensuite im Intercontinental Resort Berchtesgaden

Nach ein paar guten Jahren verhagelt die Wirtschaftskrise vielen deutschen Hoteliers das Geschäft: Betroffen sind vor allem teure Häuser in den Städten, weniger anfällig sind Ferienhotels.

Weltstars aus dem Showgeschäft gehören normalerweise zu den gern gesehenen Gästen eines Luxushotels: Sie sorgen für kostenlose Publicity auf den Gesellschaftsseiten der Tagespresse und bringen in kurzer Zeit viel Umsatz – meist logieren sie in teuren Suiten, reisen mit Entourage, bleiben mehrere Tage und feilschen seltener um den Preis als Unternehmen, die für ihre Vorstände ein Zimmer brauchen.

Als das Tourmanagement der US-Pop-Sängerin Anastacia im Juni für ihr Konzert in Düsseldorf eine standesgemäße Bleibe suchte, lief alles etwas anders: Der Breidenbacher Hof, nach der Neueröffnung vor fast eineinhalb Jahren wieder das erste Haus am Platz, verzichtete auf den prominenten Gast. Die Verkaufsabteilung mochte sich nicht auf den geforderten Rabatt einlassen und lehnte höflich, aber bestimmt ab. „Wir haben ein Serviceversprechen abgegeben, und das hat seinen Preis“, sagt Hoteldirektor Cyrus Heydarian. Beim Mitbewerber ein paar Hundert Meter weiter hatte die Anastacia-Truppe mehr Erfolg – der Star checkte im InterContinental ein.

Anzeige

Desaster im ersten Quartal

So viel Standfestigkeit wie im Breidenbacher Hof ist im deutschen Beherbergungsgewerbe derzeit eher die Ausnahme: Seit Beginn der Krise im vergangenen Herbst leidet gut die Hälfte aller Hotelbetreiber zwischen Flensburg und Berchtesgaden unter zum Teil drastischen Nachfrage- und Umsatzeinbrüchen, schlägt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Alarm. Zu den Verlierern gehören vor allem teure Geschäftsreisehotels, Krisengewinner sind Touristenunterkünfte und Billigketten.

„Im letzten Quartal 2008 sind wir insgesamt richtig abgeschmiert“, sagt Stephan Gerhard, Chef der Münchner Hotelberatung Treugast. Besserung ist vorerst nicht in Sicht: „2009 wird schlecht, 2010 schwierig – wir können froh sein, wenn wir 2011 wieder das Niveau von 2007 erreicht haben.“ Die meisten Hotelbetreiber reagieren mit Panik: „Sie senken ihre Preise und setzen damit eine Abwärtsspirale in Gang, die die Rentabilität gefährdet“, warnt Gisela Hank-Haase, Geschäftsführerin der Spezialberatung ghh Consult aus Wiesbaden. Wegen der Überkapazitäten an wichtigen Standorten und der in der Vergangenheit teilweise geringen Professionalität vieler Verkäufer (Branchenspott: „Prospektständer auf zwei Beinen“) sind die Durchschnittspreise in Deutschland, verglichen mit denen im Ausland, traditionell niedrig. So kostete 2008 ein Zimmer in Moskau 252 Euro, Genf erzielte 230 und Paris 181 Euro, hierzulande kamen die Hotelbetreiber nur auf knapp 86 Euro, ermittelte die Treugast. Entsprechend schmal sind die Margen.

In den vergangenen fünf Jahren lief es aber gar nicht mal so schlecht für die deutschen Hoteliers: Vor allem seit der Fußball-WM 2006 kamen mehr internationale Touristen – gut ein Fünftel der rund 45 Millionen Übernachtungen entfielen 2008 auf Gäste aus dem Ausland, vor zehn Jahren waren es nur gut 15 Prozent.

Gleichzeitig sorgte die Exportkonjunktur für steigende Zahlen im Geschäftsreiseverkehr. Hohe Zuwächse gab es auch im Kongressgeschäft: „Aufgrund des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses und der hervorragenden Infrastruktur sind deutsche Großstädte erste Wahl für Messen und Kongresse“, sagt Willy Weiland, langjähriger Direktor des Berliner InterContinental Hotels. Weilands Heimatstadt war 2008 mit mehr als 100.000 Teilnehmern die weltweit wichtigste Kongressdestination vor Barcelona und Paris.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%