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Tourismusbranche: Teure Schiebereien beim Verkauf von Pauschalreisen

von Christian Schlesiger und Henryk Hielscher

Eine Reisebüroinhaberin legt sich mit dem Tourismusriesen Thomas Cook an. Der Fall bringt fragwürdige Geschäfte der ganzen Branche ans Licht.

Reiseveranstalter Thomas Cook Quelle: dpa
Reiseveranstalter Thomas Cook Quelle: dpa

Das Einschreiben erreichte Marija Linnhoff am 24. Juli. Vier Zeilen, zwei Unterschriften, dazu die nüchterne Botschaft in der Betreffzeile: „Kündigung des Agenturvertrages Nr. 103138“.

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Der knappe Brief ist der vorläufige Höhepunkt eines fast vierjährigen Kampfes der Sorte David gegen Goliath, den die deutsche gesamte Reisebranche mit wachsender Spannung verfolgt. Denn Absender des Schreibens ist Thomas Cook aus Oberursel bei Frankfurt am Main, Deutschlands zweitgrößter Reiseveranstalter und Tochterunternehmen des insolventen Handelskonzerns Arcandor. Die Empfängerin wiederum ist die Inhaberin eines kleinen Reisebüros aus Iserlohn im Sauerland, die dort seit 2005 ein Reisebüro mit zwei Mitarbeitern betreibt.

System auf dem Prüfstand

Vordergründig geht der Streit um Schadensersatz in Höhe von 109.000 Euro, den die resolute Sauerländerin von Thomas Cook unter anderem wegen entgangener Provisionen und Falschberatung verlangt. Der Konzern lehnt einen für die Kauffrau akzeptablen Vergleich bislang strikt ab.

In Wirklichkeit steht in der Auseinandersetzung aber das komplette System, wie die großen Reiseveranstalter in Deutschland ihre Pauschalurlaube verkaufen, auf dem Prüfstand. Denn wirtschaftlicher Druck und überholte Provisionsmodelle zwingen die Reisebüros immer mehr dazu, sich zweifelhafter Verkaufsmethoden zu bedienen. Leidtragende sind die Kleinen und Ehrlichen der Branche, die bei der ganzen Chose nicht mitmachen oder nicht zum Zuge kommen. Aber auch die Konsumenten zahlen drauf, weil sie sich allzu oft mit überteuerten Angeboten zufriedengeben müssen.

David gegen Goliath

Dass jetzt ausgerechnet eine Reisebüroinhaberin aus der Provinz das System ins Wanken bringen könnte, ist die Folge eines Zufalls. Linnhoff, inzwischen 46 Jahre alt, hatte Reisebürokauffrau gelernt und 2005 entschieden, sich in der Tourismusbranche selbstständig zu machen. Dazu übernahm sie als sogenannte Franchisenehmerin ein Holiday-Land-Reisebüro von Thomas Cook in Iserlohn. Das heißt, sie wurde Inhaberin des Ladens und profitierte vom Namen der Kette und dem Know-how von Thomas Cook. Dafür zahlte sie fortan eine Franchisegebühr an den Reiseriesen.

Das Geschäft schien Erfolgversprechend. Linnhoffs Vorgänger hatte nach eigenen Angaben etwa 300.000 Euro pro Jahr alleine über den Verkauf von Thomas-Cook- und Neckermann-Reisen, die beide zu Arcandor gehören, eingenommen. Diesen Betrag setzte Linnhoff in ihrem Geschäftsplan für die Folgejahre an. Ein Mitarbeiter von Thomas Cook habe die Angaben ihres Vorgängers bestätigt, sagt Linnhoff – was Thomas Cook auf Anfrage weder bestätigt noch dementiert. Mit der Unterschrift beider Seiten unter den Franchisevertrag war der Einstieg Linnhoffs jedenfalls perfekt.

33 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.04.2011, 13:51 UhrAnonymer Benutzer: Richard

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  • 05.09.2009, 17:04 UhrAnonymer Benutzer: www.astrotravel.de

    Wir beraten unsere Kunden neutral und veranstalterübergreifend, wir sprechen Empfehlungen aus, aufgrund eigener Erfahrungen und Rückmeldungen unserer Stammkunden. Gerade das ist, als kleines unabhängiges Reisebüro, unser Credo: Eine neutrale und objektive beratung, individualität und NAchhaltigkeit, also Qualität und nicht der schnelle Euro.

    ich sehe hier auch keinen image GAU, sondern lediglich einen oberflächlich recherchierten Artikel mit reisserischen Überschriften auf biLD-Zeitungs-Niveau, dem es an substanziellen inhalten und verwertbaren informationen für die Verbraucher fehlt.

    So hätte man die Kunden zum beispiel darauf hinweisen können, dass Reisebüros dazu verpflichtet sind die günstigsten Anbieter zu nennen. Statt dessen empfiehlt man fast schon die buchung im internet. internetanbieter unterliegen den gleichen Sachzwängen, dem gleichen Kostendruck wie Reisebüros, nur mit dem Unterschied, dass die grossen Portale bestimmte Anbieter einfach ausblenden, wenn diese zu geringe Vergütungen zahlen.
    Wo wir gerade bei Onlineportalen sind: Man könnte sich auch mal mit den, auf diesen Seiten häufig zu findenden, plakativen "Preisgarantien" beschäftigen. Natürlich findet man kein identischen Angebo,t zur gleichen Zeit, zu einem günstigeren Preis, aber auch kein teureres!! Onliner wie Reisebüros sind nur Vermittler, die Preishoheit liegt beim Reiseveranstalter. Ein und dieselbe Reise, kostet daher online genau soviel, wie im Reisebüro und auch der Lastminute Schalter am Flughafen hat keinen anderen Preis. Aus meiner Sicht, ist eine solche "Tiefstpreisgarantie" bauernfängerei, da es nur einen Einheitspreis gibt.
    Aber das nur am Rande.

    Ralf-Gunnar Ludwig

  • 05.09.2009, 14:43 UhrAnonymer Benutzer: Reiseman

    Wer hört denn auf das gequatsche des Eigentümers.
    Zeig mir deine bilanzen und die lass ich durch meinen Steuerberater prüfen. Dann sag ich dir was ich für dein Laden zahle.
    Es sind auch nicht die Großen die die Umsätze verschieben, es sind die kleinen. Die großen diktieren die Umsätze, die bei den Reisebüros immer weniger werden und statt Euros als Provision ein Punktesytem das Provisionssystem ablöst.
    Der DRV schaut dabei zu und positioniert sich mehr und mehr zu den Großen. Genauso wie er zugeschaut hat als die 0% Provision bei der Flugvermittlung eingeführt wurde. ich glaube es ist die einzige branche der Welt wo man eine halbe Million Euros an eine Firma vermittelt und keinen Cent dafür bekommt.

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