Tourismusbranche: Unruhige Dekade für Anbieter von Studienreisen

Tourismusbranche: Unruhige Dekade für Anbieter von Studienreisen

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Studienreisen: Risikofreudige Kunden in ereignisreichen Zeiten

Naturkatastrophen und Kriege verhageln den Anbietern von Studienreisen das Geschäft. Doch ihre Kunden sind risikofreudig und solvent.

Wirbelsturm in Birma, Erdbeben in China, Terroranschläge in der indischen Touristenmetropole Jaipur – die aktuelle Katastrophen-Nachrichtenlage wirbelt die Pläne der Studienreiseveranstalter mal wieder durcheinander. Seit 9/11, den Anschlägen auf das World-Trade-Center in New York im Jahr 2001, zwingen uns immer mehr Ereignisse „zum Umplanen oder zur Absage von Reisen“, sagt Guido Wiegand, Managing Director bei Studiosus in München, dem deutschen Marktführer für Studienreisen.

Klimawandel, Kriege und andere Katastrophen machen aus dem laufenden Jahrzehnt eine „unruhige Dekade“, meint der Studiosus-Manager. Den Tiefpunkt erlebte die Branche 2003. Der Umsatz der sieben größten Anbieter sank infolge der Atemwegserkrankung SARS in China, des Golfkrieges und der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien auf unter 400 Millionen Euro. 2007 lagen die Einnahmen der sieben gut erholt über 500 Millionen. Noch einmal so viel Umsatz mit Studienreisen machen kleinere Veranstalter sowie Reisekonzerne. Thomas Gehlen vom Anbieter Windrose definiert den Tourismus für Bildungsbeflissene als „Reisen mit Inhalt“. Das klassische Konzept ist die Gruppenrundreise mit Reiseführer. Doch inzwischen gibt es auch Studienreisen für Familien oder Themen-Studienreisen. Der TUI-Ableger und Branchenzweite Dr.Tigges/Gebeco etwa hat 2008 unter das Motto „Religionen unserer Welt“ gestellt. Um „einen Einstieg in fremde Kulturen und Denkweisen“ zu ermöglichen – wechseln sich dabei etwa in Israel jüdische und islamische Reiseleiter ab.

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Das wohl Speziellste und Spartanischste sind Studienreisen mit Rotel-Tours. Das Unternehmen aus dem niederbayrischen Tittling tourt seit 1959 mit roten Bussen und Anhängern durch die Welt. Bis zu 42 Personen übernachten in dem Zusatzgefährt in Kabinen von Sarg-Größe. Abends helfen die Reisenden dem Busfahrer bei der Zubereitung des Essens, morgens unterstützen sie den Reiseleiter, der das Frühstück aus der Bordküche auf langen Klapptischen serviert. Mit rund 1950 Euro Umsatz pro Reiseteilnehmer rangiert Rotel hinter den führenden Studienreise-Spezialisten, die auf 2200 Euro kommen. Die Anbieter von Kreuzfahrten nehmen pro Passagier mit durchschnittlich 1900 Euro weniger ein. Ein weiteres Plus ist die Treue der Kunden. „70 Prozent unserer Reisenden sind Wiederholer“, sagt Studiosus-Manager Wiegand. Mit den vielfältigen Risiken etwa durch Terrorismus gingen sie „zunehmend rationaler“ um. Das sind gute Gründe, warum Thomas Cook und Rewe Touristik gern einen der inhabergeführten Konkurrenten übernehmen würden, insbesondere Studiosus/Marco Polo. Doch „wir sind unverkäuflich“, sagt Wiegand. Ob das so bleibt? Den Berliner Wettbewerber Windrose – innerhalb der Branche ist das der Luxus-Anbieter mit Preisen von bis zu 35.000 Euro für zwei Wochen Flug-Studienreise in Südamerika – hat gerade ein Finanzinvestor aus den Niederlanden übernommen.

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