Touristik-Branche: TUI-Vorstand Böttcher: "Entwarnung kann ich nicht geben"

Touristik-Branche: TUI-Vorstand Böttcher: "Entwarnung kann ich nicht geben"

Bild vergrößern

Volker Böttcher, Vorsitzender der Geschaftsführung der TUI Deutschland

TUI-Chef Volker Böttcher sprach mit wiwo.de über Kapazitätsanpassungen, Frühbucherrabatte und ein Restpotenzial von 25 Millionen reisewilligen Deutschen.

WirtschaftsWoche: Herr Böttcher, die Buchungen bei TUI sind Anfang Januar um elf Prozent eingebrochen. Hält die Misere weiter an?

Böttcher: Die ersten drei Wochen des Jahres waren schwierig. Danach hat sich die Situation etwas verbessert. Gerade in der letzten Woche waren wir mit den Buchungseingängen zufrieden. Genaue Zahlen darf ich nicht nennen, weil wir börsennotiert sind. Aber Entwarnung kann ich nicht geben.

Anzeige

Wie stark haben Sie Ihre Kapazitäten für das Sommergeschäft angepasst?

Wir haben etwa 14 Prozent reduziert - sowohl bei den eigenen Flugkapazitäten als auch bei fremden Airlines. In Deutschland haben wir zum Beispiel zwei Flugzeuge aus dem Markt genommen, die wir nun in Belgien einsetzen, wo sie gegen ältere Maschinen ausgetauscht werden.

Wie alle Reiseveranstalter hat auch TUI Frühbucherrabatte verlängert. Wie stark drückt das auf die Rendite?

Das belastet unsere Marge nicht. Momentan stehen wir flächendeckend in Nachverhandlungen mit Fluggesellschaften und Hoteliers. In einigen Zielgebieten wie Griechenland bieten uns die Hoteliers Nachlässe an. Wir können die Hotelbetten preiswerter einkaufen und geben die Ersparnis über Frühbucherrabatte weiter an den Kunden. Für uns ist das ergebnisneutral.

Wie lange geht das noch gut?

Wir drehen zurzeit an drei Stellschrauben, um die Marge zu halten. Erstens: Wir reduzieren die Flugkapazitäten. Zweitens: Wir stimulieren mit gezielten Sonderaktionen den Markt. Drittens: Wir überprüfen unsere interne Kostenstruktur. Wir sind zudem überzeugt, dass sich der Markt erholen wird.

Warum?

Weil viele noch kurzfristig buchen werden. Unsere Marktforscher sehen noch ein Restpotenzial von 25 Millionen Reisewilligen. Das zeigt mir nur: Deutschland sitzt auf gepackten Koffern.

Wie groß ist die Gefahr eines Preiskampfes?

Den kann ich derzeit noch nicht erkennen. Jeder Veranstalter passt seine Kapazitäten an. Das reduziert den Druck auf den Preis. Ich glaube, die Branche ist insgesamt etwas vernünftiger geworden. Klar ist, das 2009 auf ein Spätbucherjahr hinaus läuft.

Wettbewerber wie Rewe Touristik planen mit vergleichsweise höheren Kapazitäten und wollen wachsen. Müssen Sie da nicht aufpassen, dass TUI nicht ins Hintertreffen gerät?

Die Marktanteile sind zweitrangig. Notfalls verzichte ich auf ein oder zwei Prozent Marktanteil, um das Ergebnis zu halten. Wir können uns das leisten, denn der Abstand zu Thomas Cook und Rewe ist groß.

Aber TUI hat neben einer Fluggesellschaft auch noch eine Vielzahl von Hotels. Sie können das Ergebnis doch kaum halten, wenn die Gäste ausbleiben?

Etwa ein Viertel der Reisenden, die bei TUI buchen, bringen wir in eigenen Hotels unter. Mehr sind nicht nötig, um die Häuser auszulasten. Die Häuser kriegen wir so gut wie immer voll, zumal sie auch zu den besten gehören.

Wohin geht die Reise der meisten Urlauber im Sommer 2009? Türkei läuft sehr gut. Das gute Preis-Leistungsverhältnis und die zahlreichen All-Inclusive-Angebote überzeugen viele deutsche Urlauber. Spanien hingegen ist rückläufig. Griechenland leidet stark.

Ende Februar startete TUI mit einem speziellen Reisekatalog für den schwulen Mann. Sind Nischenangebote der Trend der Zukunft?

Man muss vorsichtig sein, dass man sich in Nischen nicht verrennt. Das können andere wahrscheinlich besser. Wir wollen diese kaufkräftige Zielgruppe dennoch nicht vernachlässigen. Mehr Potenzial für die Zukunft sehe ich allerdings im Gesundheitstourismus und bei den Studienreisen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%