Touristik: Der Kreuzfahrtmarkt gerät ins Wanken

Touristik: Der Kreuzfahrtmarkt gerät ins Wanken

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TUI-Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff"

Kreuzfahrten werden billiger – Preisdruck und Überkapazitäten könnten dem Traumschiff-Boom in Deutschland erstmals einen Dämpfer versetzen.

Als Anfang April die neue „AIDA-luna“ im Hafen von Palma de Mallorca offiziell getauft wurde, war das blonde Top-Model Franziska Knuppe Taufpatin, Moderatorin Barbara Schöneberger führte durch das Festprogramm mit Auftritten von Weltklasse-Geiger David Garrett und den beiden Pop-Bands Pur und Marquess. Dazu wurde der Himmel über der Bucht von Palma von einem 20-minütigen Feuerwerk illuminiert.

Heute Abend wird in Hamburg ein ähnliches Programm ablaufen. Wenn der neue TUI-Kreuzfahrtdampfer „Mein Schiff“ gegen 21 Uhr vor der Kulisse des Fischmarkts gestoppt hat, wird die blonde Entertainerin Ina Müller auf den Knopf drücken, der die Champagnerflasche bei der Taufe gegen den Bug knallen lässt. Während der Zeremonie singt Starsopranistin Anna Netrebko die eigens für das neue Traumschiff komponierte Hymne „Ocean of Love“, anschließend tritt Altrocker Udo Lindenberg auf. Während der mehrstündigen Feier wird „Mein Schiff“ von einer Armada aus 44 Barkassen, Fahrgastschiffen und Seglern begleitet.

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Wenn Kreuzfahrtschiffe getauft werden, lassen die Reedereien es richtig krachen. Zehn neue Traumschiffe werden allein in diesem Jahr weltweit in Dienst gestellt. Kreuzfahrten liegen im Trend, auch die Möglichkeiten des deutschen Kreuzfahrtmarktes mit seinen zweistelligen Zuwachsraten schienen bisher grenzenlos: „Kaum ein anderes touristisches Segment wächst ähnlich stark“, jubelte der Deutsche Reiseverband (DRV) noch im Frühjahr. In diesem Jahr könnten die Musikdampfer allerdings erstmals in schweres Wetter geraten: „Steigende Treibstoffpreise, Überkapazitäten und eine sinkende Nachfrage drücken auf die Margen“, prophezeit der Kreuzfahrtexperte und Unternehmensberater Alexander Möbius. Der zunehmende Konkurrenzkampf – auch durch US-Schiffe, die nach Europa vordringen – sorgt für zum Teil zweistellige Rabatte und Sonderaktionen. Der Traumschiff-Urlaub wird immer billiger – zur Freude der Urlauber, aber zum Leidwesen der Anbieter.

Branche will Millionenhürde nehmen

Gut 900.000 Deutsche haben die schönsten Wochen des Jahres 2008 auf den Planken eines Schiffes verbracht, das in Nord- oder Ostsee, in Mittelmeer oder Atlantik, im Arabischen Golf, in US-Gewässern oder der Karibik kreuzte – fast 19 Prozent mehr als 2007. Zugelegt hat vor allem das Massengeschäft mit Tagespreisen um die 200 Euro pro Person. In diesem Jahr will die Branche die Millionenhürde nehmen. Das lockt neue Anbieter wie TUI: Zusammen mit seinem Joint-Venture-Partner Royal Caribbean hat der größte Reiseveranstalter der Welt die gemeinsame Tochter TUI Cruises gegründet. Bis 2012 sollen drei Schiffe zur Flotte gehören.

„Das Interesse an Kreuzfahrten ist riesig“, freut sich Michael Thamm, Chef des deutschen Marktführers Aida Cruises. Die 12 deutschen und 27 ausländischen Anbieter, die sich an der jährlich durchgeführten DRV-Kreuzfahrtstudie beteiligen, erwirtschafteten 2008 einen Gesamtumsatz von knapp 1,7 Milliarden Euro, das waren fast 300 Millionen Euro mehr als 2007.

„Champagner und Kaviar bis zum Abwinken“

Das Angebot für Freizeitmatrosen ist riesig und passt zu jedem Geschmack und Geldbeutel. Die zum Firmenimperium des EasyJet-Gründers Stelios Haji-Ioannou gehörende EasyCruise offeriert Drei-Tage-Ägäis-Kurzkreuzfahrten in engen Innenkabinen zweier umgebauter Fähren schon für knapp 400 Euro. Wer dagegen eine Fünf-Wochen-Tour von Venedig durch das Schwarze Meer und zurück bucht, muss für eine der 270 Balkonsuiten auf dem mit 540 Passagieren eher intimen Luxuskreuzer „Seabourn Odyssey“ mehr als 25.000 Euro berappen – so viel wie für einen Mittelklassewagen. „Aber der Gegenwert stimmt, was dort geboten wird, ist einmalig“, schwärmt ein Stammkunde, „Champagner und Kaviar bis zum Abwinken.“

Deutsche Kreuzfahrttouristen sind zwar auch auf den US-Spaßdampfern des Weltmarktführers Carnival Cruise vertreten, wo in den Casinos rund um die Uhr einarmige Banditen rattern. „Lieber buchen sie aber Traditionsschiffe wie ,Queen Mary II‘ und ,Queen Victoria‘“, sagt Brigitte Wirsig vom Hamburger Reisebüro Koch Übersee. Auf den beiden Cunard-Linern geht es zu wie einst auf der „Titanic“: In den Speisesälen herrscht noch die Zwei-Klassen-Gesellschaft – man diniert streng getrennt. Zum Afternoon Tea servieren livrierte Kellner Gurken-Sandwiches. Beim Captain’s Dinner ist große Abendgarderobe obligatorisch. Und alleinreisende Damen werden anschließend von vier „Dance Hosts“ – Herren reiferen Alters – zum Foxtrott gebeten.

Bewegte Vergangenheit

Der rasant gewachsene Markt in Deutschland hat bisher Platz genug für alle: 400 bis 500 Euro pro Kopf und Tag teure Luxuspassagen auf der „Europa“, dem Flaggschiff der zum TUI-Konzern gehörenden Reederei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, lassen sich ebenso gut verkaufen wie Reisen auf der „Athena“ von Phoenix Reisen zum Tagessatz von unter 80 Euro.

Das Schiff hat eine bewegte Vergangenheit: Gebaut 1948 als „Stockholm“, versenkte es 1956 vor New York im Nebel den italienischen Luxusliner „Andrea Doria“, bevor es ab 1960 als DDR-Kreuzfahrer „Völkerfreundschaft“ verdiente Genossen Richtung Kuba schipperte. Kurz nach der Wende wurde der Oldtimer verkauft und völlig umgebaut, 2004 noch einmal modernisiert.

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