Touristik: FTI: Paradiesvogel der Reisebranche

Touristik: FTI: Paradiesvogel der Reisebranche

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Dietmar Gunz, Chef des Reiseveranstalters FTI

von Christian Schlesiger

Nach dem Verkauf von Öger Tours an Thomas Cook ist FTI Touristik einer der wenigen konzernunabhängigen Reiseveranstalter – und Gründer Dietmar Gunz eine Art Trendsetter der Branche.

Es ist kurz nach 18 Uhr bei FTI Touristik in der Landsberger Straße in München. Der benachbarte Schlosspark Nymphenburg bringt kaum Abkühlung. Die ersten Mitarbeiter begeben sich in den fünften Stock ihrer Firmenzentrale und genießen den Feierabend. Der eine trinkt ein Bier, der andere einen kühlen Wein — für wenig Geld. Wer mag, lümmelt sich auf einem der braunen und grünen Ledersofas. Von den Terrassen nebenan fällt der Blick auf die Alpen.

Zur lockeren Runde gesellt sich auch Dietmar Gunz. „Trinken, essen, kommunizieren“, sagt er, „meine Mitarbeiter sollen sich hier oben wohlfühlen.“

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Der 50-Jährige ist Gründer, Chef und Miteigentümer von FTI Touristik, dem fünftgrößten Reiseveranstalter Deutschlands. Vergangene Woche verkaufte der Deutsch-Türke Vural Öger den nach ihm benannten Reiseanbieter für 30 Millionen Euro an den Branchenzweiten Thomas Cook. Damit ist Gunz neben Alltours und Schauinsland einer der wenigen verbleibenden selbstständigen Unternehmer der Reiseindustrie. Als solcher versteht er sich auch als Gegenentwurf zu den Börsenkonzernen TUI und Thomas Cook.

Mitarbeiter lieben ihn

Und dass Gunz anders ist, sollen alle sehen und spüren, die für ihn arbeiten. Er verwarf die Pläne des Architekten für seine energiesparende Firmenzentrale, die mit Deckensegeln, Sparurinalen und Öko-Lampen die Energiekosten jährlich um 100.000 Euro senkt. Statt die Freizeiträume ganz unten und die Chefetage ganz oben einzurichten, blieb Gunz stur und platzierte Küche, Kantine und Entspannungszonen dort, wo es am schönsten ist – in lichter Höhe mit Bergblick.

Mehr noch: Um den zahlreichen Pendlern entgegenzukommen, hat Gunz die Zentrale verkehrsgünstig in S-Bahn-Nähe angesiedelt, obwohl dies die Mieten erhöhte. Gunz sorgt jedes Jahr für 150 Ausbildungsplätze. Und weil 70 Prozent seiner Mitarbeiter Frauen sind, finanziert er einen eigenen Betriebskindergarten. Zufriedenes Personal, sagt Gunz, sei „das wichtigste Kapital eines Unternehmens“. 

Die 1200 FTI-Beschäftigten am Firmensitz lieben Gunz für solche Ansichten. Und er profitiert davon. Der Österreicher ist der derzeit erfolgreichste Manager der deutschen Tourismusbranche. Sein Unternehmen macht mehr als eine Milliarde Euro Umsatz. Während Wettbewerber wie TUI und Thomas Cook Marktanteile verlieren, legt FTI zu — inzwischen hat FTI 4,5 Prozent (siehe Grafik rechts). Auch dieses Jahr liege das Wachstum im „hohen einstelligen Bereich“, sagt Gunz.

Auftrieb nach Auszeit

Dabei hatte sich Gunz eigentlich schon mal von FTI verabschiedet. Der 50-Jährige gründete den Veranstalter 1983. 17 Jahre später verkaufte er sein Unternehmen für schätzungsweise 20 Millionen Euro an den britischen Touristikkonzern My Travel — später aufgegangen in Thomas Cook. Von da an ging es bergab: Fehlkäufe, Umsatzeinbruch, Schulden. Gunz widmete sich damals seinen vier Restaurants in München und betrieb im westafrikanischen Gambia eine Fischfabrik. 2003 kam das überraschende Angebot für ein Comeback. Er kaufte FTI für einen Euro zurück und bringt den Laden seitdem wieder auf Vordermann.

Sein Erfolgsgeheimnis: Gunz hat ein Gespür für Reiseziele und Vertriebskanäle. Im Fokus seiner Strategie stehe die „Kostenführerschaft“. Der Touristiker setzt dabei auf geringe Fluktuation. Wenn Mitarbeiter nicht ständig neu eingearbeitet werden müssten, habe das „ganz viel mit Kostenführerschaft zu tun“.

In der Branche ist Gunz unumstritten. Der ehemalige Chef von Rewe Touristik, Rembert Euling, nannte ihn sein Vorbild. Wettbewerber neiden FTI die herausragende Buchungstechnik: Frei werdende Hotelbetten in den USA zum Beispiel werden bei FTI automatisch und viel schneller in deren IT eingepflegt als etwa bei Wettbewerbern. Mittlerweile nutzt Gunz neben dem klassischen Katalog mit seinen zahlreichen Tochterunternehmen jede Gelegenheit zum Umsatz: mit 5vorFlug das Last-Minute-Geschäft, mit driveFTI die Autovermietung, mit dem Flugportal fly.de das Internet-Geschäft und mit LAL das Interesse an Sprachreisen.

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