Touristik vs. Container: Tui fehlt die Perspektive

KommentarTouristik vs. Container: Tui fehlt die Perspektive

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Tui-Logo mit der Silhouette einer jungen Frau: Dem Touristik-Konzern fehlt nach wie vor eine Perspektive.

Frust und Freude bei TUI: Die Containersparte glänzt, die Tourismussparte leidet. Keine gute Aussichten, denn langfristig will sich TUI auf die Pauschalreisen konzentrieren.

Die gute Nachricht vorab: Hapag-Lloyd verdient wieder Geld. Und zwar richtig Geld. Die Kostensenkungen der vergangenen Monate zahlen sich aus. Steigende Frachtraten und Transportvolumina hievten den operativen Gewinn (Ebita) von April bis Juni auf 226 Millionen Euro. Das dritte Quartal des Geschäftsjahres ist damit das beste in der Geschichte der Hamburger Reederei überhaupt.Die schlechte Nachricht: Die Containersparte ist ein Auslaufmodell bei TUI. Irgendwann wird sich der Hannoveraner Konzern von der Schifffahrt trennen. Zwar steigen die Aussichten auf einen üppigen Geldsegen, wenn sich auch die Situation in der einstigen Krisentochter bessert. TUI hält 43 Prozent an der Reederei. Doch das sind einmalige Einnahmen.

Die viel interessantere und spannendere Frage lautet daher: Was bleibt nach der Ära Hapag-Lloyd? Die nüchterne und pessimistische Antwort: Nicht viel.

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Das Kerngeschäft von TUI leidet weiter auf hohem Niveau. Der Verkauf von Pauschalreisen kommt beim größten deutschen Touristikkonzern einfach nicht in Gang. Der Umsatz der Pauschalreisetochter TUI Travel sank im dritten Quartal um vier Prozent auf 3,86 Milliarden Euro. Auch bei der Hotelbeteiligung ging es bergab: minus neun Prozent. Die Erfolgsformel, dass der Konzern alle Schritte in der Wertschöpfungskette abschöpfen könne, will nicht aufgehen. Auch die konzerneigene Airline  TUIfly bleibt flügellahm. Ein Kostensenkungsprogramm soll sie in bessere Zeiten bringen.

Das alles klingt nach Unternehmenskrise. Und es ist auch eine. Denn noch beunruhigender sind die langfristigen Aussichten von TUI. Der Konzern bekommt regelmäßig zu spüren, dass die Urlauber, insbesondere die Deutschen und die Engländer, am liebsten billig verreisen. Auch im dritten Quartal zog das Interesse an preiswertem Urlaub in beiden Regionen die Rendite nach unten. Daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern: Die Mittelschicht verdient netto immer weniger. Eine Familie mit Kindern kann sich teure Pauschalreisen kaum mehr leisten. TUI sieht sich gerne als Qualitätsanbieter mit vergleichsweise höheren Preisen. Doch eine Hochpreisstrategie bei sinkendem Nettoeinkommen der Urlauber kann auf Dauer nicht funktionieren. Wer mehrere Tausend Euro für Urlaub ausgeben muss, überlegt sich lange, wo er bucht.

Vision weicht nüchterner Realität

Der Blick ins Portemonnaie wird die Urlaubsplanung auch in Zukunft bestimmen. Hinzu kommt, dass viele gut verdiendende Singles gerne indviduell verreisen. Die Pauschalreise ist zwar nicht tot, aber sie wird nie zu großen Wachstumssprüngen ansetzen. Das Bestreben des Konzerns, künftig Geschäft in Russland, China und Indien zu machen, ist zwar sinnvoll. Aber ob die wachsende Mittelschicht dort auch gerne pauschal verreisen will, ist ungewiss: Selbst in Europa gibt es Nationen, denen die klassiche und von den Deutschen und Briten so geliebte Pauschalreise eher fremd ist, wie den Franzosen, Spaniern oder Italienern.

Es bleibt also abzuwarten, ob die Expansionsgelüste des Managements wirklich so erfolgversprechend sind. Hinzu kommt, dass die Welt immer unsicherer, immer volatiler wird. Naturkatastrophen werfen Touristikkonzerne regelmäßig zurück. Die Vulkanasche kostete dem Konzern 128 Millionen Euro. TUI hatte auf das tagelange Flugverbot verantwortungsvoll und kundenfreundlich reagiert, aber das kostet. Mag sein, dass der aschespeiende Vulkan auf Island eine Ausnahme bleibt, Naturkatastrophen aber nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein anderer Vulkan, ein Erdbeben, ein Tsunami, Waldbrände oder ein politischer Anschlag die Reiseplanungen von Urlaubern zunichte machen - und damit aber auch den Ergebnissen von TUI schaden. Der Touristikkonzern hat all die Probleme sogar noch recht passabel überstanden. Unterm Strich verdient der Konzern mit dem Verkauf von Pauschalreisen immer noch Geld. Doch die große Vision, mit der TUI-Chef Michael Frenzel einst aus dem zyklischen Stahlgeschäft einen boomenden Touristikkonzern formen wollte, ist einer nüchternen Realität gewichen. Die Aussichten sind mau. Das zeigt sich auch an den vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal: Während Finanzvorstand Horst Baier auf einer Folie das steigende Containerwachstum bis 2015 prognostizierte, bleiben Schätzungen für das Wachstum im Kerngeschäft Tourismus aus. Kein Wunder: Woher soll das Wachstum auch  kommen?

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