Touristikbranche: Frenzel treibt bei TUI ein gefährliches Spiel

KommentarTouristikbranche: Frenzel treibt bei TUI ein gefährliches Spiel

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Der Vorstandsvorsitzende von Europas größten Touristikkonzern TUI, Michael Frenzel

Warum TUI-Chef Michael Frenzel ein gefährliches Spiel treibt und sein Arbeitsplatz in Hannover dennoch sicher ist. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Christian Schlesiger.

TUI-Chef Michael Frenzel steht heute da, wo er immer gerne hin wollte: Er delegiert ein Portfolio aus Unternehmen. Er arbeitet als Touristiker, bleibt weiterhin Reeder und inzwischen hat er auch das Steuerrad als Flugkapitän wieder fester in die Hand genommen.

Statt sich von seinen (teilweise verlustreichen) Beteiligungen zu trennen, bleibt er bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd mit 43 Prozent größter Anteilseigner. Zudem steigt TUI bald auch mit 20 Prozent bei Air Berlin ein, die sich im Gegenzug an TUIFly beteiligen will.

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Frenzel sieht sich damit als Sieger. Schon lange monierten Kritiker, dass die Zentrale in Hannover bald keine Funktion mehr haben werde. Wenn TUI nur noch Touristik macht, braucht das Unternehmen keine Holding mehr. Doch Frenzel hat sich geschickt seine Daseinsberechtigung geschaffen. Die Wirtschaftskrise kam ihm sicherlich gelegen. Ohne den Konjunkturabschwung wäre die Hamburger Reederei heute wohl komplett selbstständig.

Risiken durch Einstieg bei Air Berlin steigen

Doch TUI-Chef Frenzel treibt ein gefährliches Spiel. Insbesondere die Aufstockung der Anteile an Hapag-Loloyd belasten das Hauptgeschäft im Tourismus. Zwar konnte TUI schon gestern den Abschluss des Teilverkaufs von Hapag-Lloyd zu einem Unternehmenswert von 4,45 Milliarden Euro bekanntgeben. Durch den Deal fließen TUI 1,6 Milliarden Euro zu.

Faktisch kommt allerdings deutlich weniger in die Kasse, da der Konzern dem Käuferkonsortium einen Kredit von 1,1 Milliarden Euro gewährt. Eigentlich war für dieses Jahr der teilweise Rückkauf von TUI-Travel-Anteilen und Investitionen nach Russland geplant. Doch die mickrigen 500 Millionen Euro, die dem TUI-Konzern zufließen, reichen kaum für eine große Offensive in die Touristik. Zudem wird Hapag-Lloyd in diesem Jahr aller Voraussicht nach Verluste bringen, wie das TUI-Management auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz prognostizierte.

Die Risiken steigen auch durch den Einstieg bei Air Berlin. Als 20-prozentiger Anteilseigner hängt auch TUI indirekt davon ab, wie gut oder wie schlecht die Airline durch die Krise fliegt. Doch wenn TUI bei Air Berlin andockt, werden andere Reiseveranstalter hellhörig. Alltours-Chef Willi Verhuven beispielsweise kündigte bereits an, dass er sein Hauptvolumen möglicherweise von Air Berlin abziehen werde. Das dürfte auch Frenzel nicht freuen, der nun neben dem eigenen Aktienkurs auch den von Air Berlin im Blick haben muss.

Sicherer Arbeitsplatz für Frenzel

Frenzels Arbeitsplatz in Hannover ist auf jeden Fall sicher. Als Portfoliomanager muss er wieder drei Unternehmen im Blick haben. Die Hotels und Kreuzfahrtschiffe kommen dazu. Doch die Stärkung des touristischen Geschäfts ist zunächst zeitlich nach hinten verschoben. Das ist schade, denn im Kern ist das touristische Geschäft gesund - und die Chancen sind noch lange nicht ausgeschöpft.

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